Brandstiftung in Siegburg: 30-Jähriger soll aus Rache am Vermieter Feuer gelegt haben

Brandstiftung in Siegburg : 30-Jähriger soll aus Rache am Vermieter Feuer gelegt haben

Ein Brandstifter aus Siegburg muss sich seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der psychiatrische Gutachter hält ihn indes für schuldunfähig.

Am Morgen des 6. März 2019 wartete die 45-jährige Mieterin in der zweiten Etage eines Siegburger Mehrfamilienhauses auf wichtige Post: Als der Bote gegen 8.45 Uhr klingelte, öffnete die Kauffrau mit dem Türsummer, aber der Postmann kam nicht. Also lief sie runter und entdeckte, dass Türschloss, Türblatt und Zarge mit Flüssigkleber überschüttet waren. "Wir kommen hier alle nicht mehr raus", stellte sie noch nüchtern fest und wollte den Vermieter informieren. Dann bemerkte sie den Geruch von verbranntem Plastik. Fünf Minuten später machte eine 55-jährige Nachbarin aus dritten Etage, die mit ihrem Hund auf die Straße wollte, dieselbe Entdeckung. Als sie die verrußte Tür der Erdgeschosswohnung und den beißenden Qualm, der aus den Ritzen quoll, bemerkte, alarmierte sie die Feuerwehr.

Vor dem Bonner Schwurgericht muss sich seit Donnerstag der mutmaßliche Brandstifter verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte den 30-Jährigen zunächst wegen versuchten Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen sowie besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Dabei war der Ankläger davon ausgegangen, dass der Ex-Mieter sich mit "gemeingefährlichen Mitteln" wegen einer anstehenden Zwangsräumung rächen wollte. Zudem hätten drei Mieter, wäre der Brand nicht rechtzeitig gelöscht worden, in einer tödlichen Falle gesessen.

Alle hatten Angst vor ihm

Ein psychiatrischer Gutachter kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass der 30-Jährige an einer paranoiden Schizophrenie leidet und schuldunfähig ist. Entsprechend könne er für das Verbrechen nicht verurteilt werden. Die Kammer muss jetzt prüfen, ob er in einer Klinik untergebracht werden muss.

Dabei hat sich die schwere Erkrankung des Mannes, der arbeitslos und Hartz- IV-Empfänger war, lange schon angekündigt: Spätestens seit Herbst 2018 soll er auch das Haus tyrannisiert haben, erzählte der 53-jährige Eigentümer der Immobilie als Zeuge: Er selbst sei mit "wirren Briefen" bombardiert, als "Mussolini" beschimpft und schließlich mit dem Tode bedroht worden. Auch im Haus kam es zu Vandalismus, zu Eierwürfen und Schmierereien, in den Briefkasten einer türkischen Bewohnerin wurde Schweinefleisch gestopft und ihren "Hurenkindern mit Vergasung" gedroht. Zwei Mieter hätten in der Zeit gekündigt. "Alle hatten Angst vor seiner Unberechenbarkeit", so der Vermieter "Da mussten wir reagieren. Er musste raus."

Der Angeklagte hatte der Brand in seiner Wohnung an mehreren Stellen gelegt und sämtliche Feuermelder zerstört. Anschließend habe er die Mitarbeiter im Büro der Vermietungsgesellschaft bedroht, das keine fünf Minuten vom Brandort entfernt lag. Derweil hatte die Feuerwehr die Hauseingangstür aufgebrochen und das Feuer gelöscht. Der Brandstifter floh nach Italien, kehrte zurück und stellte sich am Bahnhof von Innsbruck.

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