400.000 Euro Kosten im Jahr: Zu viel Müll im Sankt Augustiner Zentrum

400.000 Euro Kosten im Jahr : Zu viel Müll im Sankt Augustiner Zentrum

Unrat häuft sich besonders sonntags an der Stadtbahnhaltestelle. Stadtverwaltung setzt auf mehr Reinigungspersonal, statt Personal für Kontrollen aufzustocken.

Verdreckte Böden, überfüllte Mülleimer, Glasscherben, Zigarettenkippen und Lebensmittelreste: Wer nachmittags und insbesondere an Sonntagen ins Sankt Augustiner Zentrum kommt, muss so einiges ertragen. Rund um die Haltestelle der Linie 66 sowie entlang der Laufwege zum Huma-Einkaufszentrum, zum Rhein-Sieg-Gymnasium und auch zur Hochschule säumt wilder Müll die Wege, die auf der gesamten Länge zudem mit vielen hundert ausgespuckten Kaugummis übersät sind. Besonders schlimm ist es an Samstagabenden und Sonntagen – also dann, wenn zuvor die Haltestelle im Zentrum zum Treffpunkt überwiegend junger Menschen wird. Dann häufen sich Fastfood- und Lebensmittelverpackungen, teilweise noch gefüllt, aber auch Glasflaschen und sonstiger Unrat soweit das Auge reicht.

Wilder Müll ist und bleibt in Sankt Augustin ein Reizthema, wie die Politik in der jüngsten Sitzung des Zentrumsausschusses feststellte. Mehr oder größere Mülleimer seien bereits in Planung, berichtete der Technische Beigeordnete Rainer Gleß: Weil es sich bei der Haltestelle um Verkehrsflächen der Stadtwerke Bonn (SWB) handele, müsse diese prüfen, ob und wie weitere Behälter gefahr- und störungsfrei installiert werden könnten. „Wir haben derzeit einen Mitarbeiter im Einsatz, der allein für die Sauberkeit am Haltepunkt und das angrenzende Zentrum zuständig ist“, so Gleß, „und wir sind im Moment in der Klärung, ob wir an Sonntagen hier mit einem weiteren Mitarbeiter auf Aushilfsbasis eine Reinigung durchführen lassen können.“

Allgemeinheit trägt den Schaden

Der Technische Beigeordnete gab sich aber realistisch: „Selbst die zusätzliche Anbringung von Mülleimern wird nicht dazu führen, dass diese auch genutzt werden – wir haben es hier mit Menschen zu tun.“ Und vielen mangele es nicht nur an Einsicht, deutete Gleß an: „Man kann die Leute ansprechen und auf ihr Verhalten aufmerksam machen. Mitunter habe ich Glück, unbeschadet aus so einer Situation herauszukommen.“

Den Schaden trägt daher die Allgemeinheit, wie Stadtsprecherin Eva Stocksiefen auf Nachfrage erklärt: Mehr als 400 000 Euro im Jahr gibt die Stadt für Personal, Fahrzeuge und Entsorgungskosten aus, um dem wilden Müll auf Sankt Augustiner Straßen Herr zu werden. Und betont, dass das Müllaufkommen von Jahr zu Jahr mehr werde. Derzeit seien täglich zwei Mitarbeiter sowie eine Saisonkraft im Einsatz, um Müll von Wegen und Plätzen aufzusammeln. Eine weitere Stelle werde zum 1. Januar 2019 wiederbesetzt.

Am häufigsten landen Verpackungen für Getränke und Lebensmittel in den Handgreifern der Sammler, unzählige Coffee-to-Go-Becher, Thaifood- und Fastfood-Boxen sowie immer öfter auch Plastikschalen von zubereiteten Salaten und Obststücken. Im Zentrum sei eine Häufung entlang der großen Laufachsen feststellbar, so Stocksiefen: „Die Leute kaufen sich im Zentrum ihr Essen und lassen die Verpackung dann einfach fallen.“

Täter nur schwer zu ermitteln

Ob mehr und größere Mülleimer entlang der Wege das Problem lösen? Die Stadtsprecherin sieht das kritisch: „Aus der Erfahrung wissen wir, dass auch bei vorhandenen Mülleimern Fehlwürfe ebenso nicht vermieden werden wie mutwillige Aktionen, etwa das Zerstören von Glasflaschen auf dem Boden.“ Dass Fehlwürfe nicht nur teuer für die Stadtkasse sind, sondern auch für verursachende Fehlwerfer selbst, regelt der Verwarngeldkatalog in der „Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit im Gebiet der Stadt Sankt Augustin“. Weggeworfene Zigarettenkippen kosten fünf Euro, leere Zigarettenschachteln, kleinere Papiere sowie Obst- und Lebensmittelreste schlagen mit zehn Euro je Verstoß zu Buche. Fehlwürfe von Dosen und Plastik werden mit 20 Euro, Glas und Kaugummis mit 25 Euro sanktioniert – zumindest in der Theorie, wie die Stadt einräumt: „Wir stellen sehr wenige Verwarngelder aus. Das ist im einstelligen Bereich pro Jahr“, sagte Stocksiefen.

Anders als bei Parkverstößen, deren Verursacher deutlich leichter zu ermitteln sind, setzt das Ordnungsamt beim Thema wilden Müll auf die persönliche Ansprache. Es sei oft schwer, den unmittelbaren Verursache zu ermitteln oder während des Fehlwurfs zu ertappen, sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. Dazu bedürfe es einer Grundsatzentscheidung auch seitens der Politik: „Wenn man intensiver kontrollieren will, braucht man mehr Personal, das aber auch Geld kostet.“