Kommentar zum Müll in Sankt Augustin: Zahnloser Tiger

Kommentar zum Müll in Sankt Augustin : Zahnloser Tiger

Die "Ordnungsbehördliche Verordnung" der Stadt Sankt Augustin, mit der Müllfrevler belangt werden können, gleicht einem zahnlosen Tiger, der zudem noch blind und taub ist, meint Thomas Heinemann.

Sankt Augustin hat eine Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Was für ein Name! Und doch gleicht das Papier einem zahnlosen Tiger, der auch noch blind und taub ist: Zahnlos, weil er zwar da ist, aber seine Bisse weder stattfinden noch wirklich weh tun würden. Trotz steigender Ausgaben durch zunehmenden Müll sieht der Papiertiger keinen Handlungsbedarf. Taub ist er garantiert – schon zu oft und stets laut haben Politik und auch unzählige Bürger, etwa in sozialen Medien, nach seinem Einsatz gerufen.

Offenbar bezahlt man lieber mehr als 400 000 Euro pro Jahr für die Reinigung, statt Personal einzusetzen, um die Müllfrevler endlich zur Kasse zu bitten. So beißt sich der zahnlose Tiger auch noch selbst in den Schwanz.

Die Politik sollte die Weichen für eine Veränderung der heutigen Praxis stellen: Der steigenden Zahl der im Amtsdeutsch „Fehlwerfer“ genannten Schmutzfinken sollten nicht immer mehr „Kehrmännchen“ hinterherjagen, sondern ein entsprechend ausgestattetes Ordnungsamt, das von Unbelehrbaren teures Lehrgeld kassiert und damit Jung und Alt zu mehr Wertschätzung eines nicht nur schön gebauten, sondern vielleicht auch irgendwann einmal sauberen Stadtzentrums erzieht.