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Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: Wissenschaftler brauchen Bodenproben aus der Region

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg : Wissenschaftler brauchen Bodenproben aus der Region

Dass Gärten im Kampf gegen den Klimawandel helfen können, zeigt die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit einem neuen Projekt zur Bodenqualität in der Region. Jeder kann daran mit einer Bodenprobe teilnehmen. Ziel der Wissenschaftler ist eine Art Bodenqualitäts-Kataster für die gesamte Region.

Es braucht nicht viel: Ein kleiner Garten oder ein Hochbeet reichen aus – und schon können die Besitzer Teil eines wissenschaftlichen Projekts werden.

Das hat die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) unter dem Motto „Gärtnern für den Umweltschutz“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Bis zum Projektende eine Open-Data-Karte zu erstellen, die Auskunft gibt über die Bodenqualität in der Region inklusive der privaten Gärten und Grundstücke.

Böden sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht

Denn Böden sind laut Hochschule als Lebensraum für Organismen sowie als Wasser- und Kohlenstoffspeicher extrem wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Wer im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn lebt und am Projekt teilnehmen möchte, kann kostenlose Bodenprobensets bei der H-BRS anfordern.

Fokus auf Hausgärten und öffentliche Flächen

„Wir versuchen, den urbanen Bereich zu verstehen. Wie funktioniert Umwelt und wie reagiert sie auf menschlichen Einfluss“, erklärt Projektleiter Martin Hamer, Professor am Internationalen Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Hochschule. Das möchte das Team mit Hilfe der Bürger herausfinden. Die Proben, die sie einschicken, sollen den Wissenschaftlern dabei helfen, die Böden zu verstehen.

„Hausgärten oder Grünflächen in städtischen Anlagen sind bislang hinsichtlich ihrer Ökosystemleistung nur wenig untersucht“, sagt Hamer. „Es gibt einfach wenig Daten zu Privatgärten. Das ist ein heller Fleck, den wir verstehen wollen.“ Dabei machten Hausgärten einen großen Teil der urbanen Landschaft aus.

Eine Humus-Schicht im Oberboden (dunkler Bereich) zeigt dieses Bodenprofil.  Foto: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Tipps für die optimale Nutzung des Gartens

Die Aktion ist Teil des Projekts „Campus to world“, das die H-BRS seit zwei Jahren von Bund und Land finanziert bekommt. Dabei geht es um den wissenschaftlichen Transfer, also, Wissen sozusagen zu jedermann zu bringen.

Entstanden seien, so die Hochschule, sogenannte Citizen-Labs mit verschiedenen Formaten zur Interaktion, um Ideen für zukünftige Forschung zu entwickeln und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu fördern.

Das Bodenprobenprojekt ist Teil des Citizen-Labs-Umweltlabors. „Wir wollen die Distanz zwischen Normalbürger und Wissenschaft aufheben“, sagt Hamer. Wissen vermitteln möchte sein Team vor allem über die Themen Biodiversität, Klimawandel, Wasserhaushalt und Bodenfruchtbarkeit.

„Wir können zum Beispiel den Humus-Gehalt bestimmen“. sagt Hamer. Diese abgestorbenen organischen Bestandteile des Bodens spielten als Kohlenstoffspeicher eine große Rolle und seien als Umschlagort von Treibhausgasen für den Klimawandel von großer Bedeutung. „Jeder kann in seinem Garten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, ergänzt der Projektleiter. Etwa wenn er versuche, den Humus-Anteil zu erhöhen.

Die eingeschickten Bodenproben lassen die Wissenschaftler analysieren – und sie geben den Bürgern eine Rückmeldung. Die erfahren etwa, welchen Beitrag ihr Garten zum Klimaschutz leistet. Zudem erhalten sie individuelle Handlungsempfehlungen, wie sie ihren Garten standortgerecht nutzen können. Mit dem Bodenprobenset erhalten die Teilnehmer auch einen Fragebogen.

Für einen ersten Anlauf hat die Hochschule 100 Sets vorbereitet. Hamer hofft insgesamt auf Proben im dreistelligen Bereich. „Dann haben wir ein Gefühl, wie die Flächen aussehen“, sagt er. In ein bis zwei Jahren soll dann eine Karte zur Flächenbeschaffenheit im Rhein-Sieg-Kreis vorliegen, um daraus weitere Erkenntnisse zu ziehen. Die Areale möchte der Professor gerne längerfristig begleiten.

„Im Idealfall ist es so, dass die Interaktion nach Einsendung der Proben nicht aufhört. Wir würden gerne mit den Bürgern am Ball bleiben, dass sie vielleicht eigene kleinere Experimente im Garten machen.“ Dazu hatte das Projektteam ursprünglich geplant, in diesem Jahr auch Workshops auf dem Campus anzubieten – mit Erklärungen, was die erhobenen Werte bedeuten, und entsprechenden Experimenten.

Die seien jetzt im Frühjahr jedoch der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen, so Hamer. Aufgehoben sind sie allerdings nicht. Der Projektleiter hofft, dass sie im Herbst oder spätestens im Frühjahr 2021 nachgeholt werden können. Martin Hamer: „Damit die Menschen selbst das Handwerkszeug lernen. Denn wenn sie selbst mal den pH-Wert gemessen haben im Labor, dann ist das ein Aha-Erlebnis.“

Wer ein Bodenprobenset bestellen möchte, wendet sich per E-Mail an Isabelle Hirsch: isabelle.hirsch@h-brs.de.