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Mehr Busverkehr in Hangelar: „Was will man uns noch zumuten?“

Mehr Busverkehr in Hangelar : „Was will man uns noch zumuten?“

Ab dem 6. Dezember sollen fast doppelt so viele Busse durch die Hangelarer Udetstraße fahren - sehr zum Ärger der Anwohner.

Es wird eng, als der große Bus von der Udetstraße in die Dornierstraße einfährt. Jovana Mark hat gerade ihren Sohn (6) samt Freund (7) von der Grundschule abgeholt und weicht mit beiden Kindern an die Hauswand zurück, um nicht Gefahr zu laufen, von dem Bus erfasst zu werden. „Für die Kinder in Hangelar ist die Verkehrslage nicht zumutbar“, schimpft sie und unterschreibt sofort auf der Liste der Bürgerinitiative, die sich gegen mehr Busverkehr in Hangelar wehrt.

Ab dem Fahrplanwechsel am 6. Dezember sollen nämlich nach Berechnung der Anwohner fast doppelt so viele Busse wie bisher durch die Udetstraße fahren – insgesamt 528 Fahrten pro Tag. An der Udetstraße sollen auch zwei Busse halten können, eine Toilettenanlage für die Fahrer ist ebenfalls geplant. Eine zusätzliche Einstiegshaltestelle ist am Nachbarschaftshaus vorgesehen.

Sigrid Bohlscheid hat bei ihrer Unterschriftenaktion miterlebt, wie das Geschirr klappert, wenn die Busse den Motor starten. „Was will man den Anwohnern an dieser Stelle noch zumuten?“, fragen sich die Hangelarer angesichts der Stadtbahnlinie 66, die dort schon im Fünf-Minuten-Takt vorbeifährt und zudem Hangelar gleich an drei Bahnhöfe anbindet.

„Wir wurden überhaupt nicht in diesen Prozess einbezogen“

„ÖPNV finden wir wichtig, aber angesichts der vielen Geisterbusse, die man so sieht, scheint es in Hangelar eine Überversorgung zu geben“, mutmaßen die Bürger. Warum die Routen der Busse geändert wurden, wissen sie auch nicht so genau. Vermutet wird, dass die Linie 517 bisher zu unpünktlich war. Deshalb habe man zwei neue Routen angelegt.

Überhaupt mussten sich die Anwohner selbst die Informationen erfragen. „Wir wurden überhaupt nicht in diesen Prozess einbezogen“, ärgern sie sich über die Informationspolitik der Stadt. Auch sei die Fahrplanänderung nicht im Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss beraten worden, sondern lediglich interfraktionell und dann dem Rat zum Beschluss vorgelegt worden. Die Anwohner erfuhren davon aus der Zeitung. „Wir fühlen uns nicht verstanden“, ärgern sie sich. Auch die Ratsvertreter hätten wissen müssen, was sie den Bürgern ebenso wie den Schul- und Kita-Kindern mit dieser Fahrplanänderung zumuten.

Am Montag wird Sigrid Bohlscheid rund 300 Unterschriften gegen den Winterfahrplan für Hangelar an Bürgermeister Klaus Schumacher überreichen. Der habe bisher auf die vielen Fragen, die Dieter Bendowski schon am 16. August an ihn gerichtet hat, nicht reagiert, ärgert der sich. Gekoppelt an die Unterschriftenliste ist ein Bürgerantrag, der sich mit der Situation des Busverkehrs angesichts der Änderungen im Winterfahrplan befassen soll, und zwar im Haupt- und Finanzausschuss am 23. November.

Die Linie 517 habe den Fahrplan auf ihrer alten Route nicht einhalten können, erläutert Rita Lorenz, Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises, den Grund für die Fahrplanänderung, die ab dem 6. Dezember in Kraft treten soll. Es sei zwar richtig, dass jetzt mehr Busse durch das Hangelarer Viertel führen, eine Verdopplung gebe es jedoch nicht.

Breiter Konsens auf allen Ebenen

Straßenverkehrsamt, Polizei, Stadt, Rhein-Sieg-Kreis und Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) seien an der Fahrplanänderung beteiligt gewesen und es habe einen breiten Konsens auf allen Ebenen für die neue Linienführung gegeben, so Lorenz weiter. „Auch die Polizei hatte wegen der vielen Schul- und Kindergartenkinder an dieser Stelle keine Sicherheitsbedenken.“

„Eine Bürgerbeteiligung zu der Änderung des Fahrplans haben wir nicht als erforderlich angesehen“, sagt Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. Die Linie 517 fahre auch jetzt schon durch diesen Bereich. Die Frequenz werde sich allerdings auf bis zu drei Fahrten pro Stunde erhöhen. „Das war für uns kein so gravierender Eingriff, zumal die Straßen sonst nicht so stark belastet sind“, so Stocksiefen.

Die neue Linienführung der 518 schließe den alten und den neuen Niederberg an das Hangelarer Zentrum an, das sei gewollt. Verspätungen von bis zu 20 Minuten wolle man nicht hinnehmen, deshalb sei die Linie geteilt worden. Ein Arbeitskreis habe neun mögliche Varianten untersucht, alle übrigen seien weniger geeignet. Für die Bürger gebe es im Unterausschuss für Bürgerangelegenheiten die Möglichkeit, ihre Anliegen mit Rederecht vorzutragen. Auch im Hauptausschuss werde der Bürgerantrag nochmals besprochen.