Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin: Was macht Schulleiter Michael Arndt in den Ferien?

Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin : Was macht Schulleiter Michael Arndt in den Ferien?

Im Albert-Einstein-Gymnasium herrscht während der Sommerferien gähnende Leere. Was macht eigentlich ein Schulleiter in den Ferien? Wir haben Michael Arndt besucht.

Das Licht ist gedämpft, jeder Schritt hallt fast gespenstisch durch die Aula, ein dumpfes Summen durchdringt das Gebäude im Schulzentrum Niederpleis. Wo sonst Mädchen und Jungen durch die Flure ziehen, herrscht derzeit absolute Leere. Kein Wunder, schließlich sind Sommerferien. Eine Tür im ersten Stock des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) steht dennoch offen. Dahinter sitzt Schulleiter Michael Arndt an seinem Schreibtisch, im karierten Kurzarmhemd und mit kurzer Hose. „Es hat ein besonderes Flair, wenn eine Schule tatsächlich eine 'Leeranstalt' ist“, sagt der 49-Jährige. „Es ist ein richtiger Kontrast, wenn mal Ruhe herrscht.“

Für Arndt, der seit fast genau einem Jahr Schulleiter am AEG ist, hat im Gegensatz zu den Schülern auch in der zweiten Ferienwoche die Freizeit noch nicht begonnen. In der ersten Woche seien zudem noch die Mitarbeiter des Sekretariats und einige Lehrer im Haus gewesen, damit der Stundenplan für das kommende Schuljahr stehe, so der Sankt Augustiner. „Die Kollegen begrüßen es, wenn sie zeitig eine Perspektive haben, was auf sie zukommt.“

Arndt hat noch Papierkram auf dem Schreibtisch liegen – vom Begrüßungsschreiben für die neuen Fünftklässler über Behördenbriefe bis zum Abschluss des vergangenen Schuljahrs. Damit dokumentiert sei, dass beim Abitur alles ordnungsgemäß vonstattengegangen sei, erklärt er. Hinzu kämen Gespräche mit den schulfachlichen Dezernenten und der Stadt Sankt Augustin als Schulträger über die anstehenden Projekte. „Die Außenanlagen hier sollen komplett neu gestaltet werden“, nennt Arndt ein Beispiel. Wünsche dafür hat die Schule schon, etwa mehr Spiel- und Sportmöglichkeiten oder Gelegenheiten zur Erholung.

Neuerungen am AEG geplant

Seine ersten richtigen Sommerferien als Leiter nutzt er aber auch für Weichenstellungen. „Jetzt hat man die Ruhe, darüber nachzudenken.“ Ein Thema: Der Wechsel von G 8 zu G 9, den der nordrhein-westfälische Landtag Mitte Juli beschlossen hat. Bereits seit dem Frühjahr beschäftigt sich das Gymnasium damit. „Wir haben einen Arbeitskreis gegründet, der schon mehrfach getagt hat“, so Arndt. Es habe sich sofort mit dem Wechsel der Landesregierung abgezeichnet, dass die Schule nicht an G 8 festhalten werde. So werden die neuen Fünftklässler die ersten sein, die wieder nach 13 Schuljahren ihr Abitur in den Händen halten.

Mit dem Umstieg sind am AEG weitere Neuerungen geplant. Arndt nennt dabei die Stichworte Individualisierung und Flexibilisierung. „Wir wollen das relativ starre Korsett der Ganztagsbetreuung etwas flexibler gestalten.“ Heißt: Die Schule wolle die pädagogische Betreuung zusichern, aber dennoch Freiräume schaffen, so Arndt. Damit ein Engagement im Verein, in der freiwilligen Feuerwehr oder der Kirche wieder besser vereinbar sei. Dazu werde der Ganztagskoordinator der Schule beispielsweise weitere Kooperationen ausloten. Die Schule werde aber Ganztagsschule bleiben. Nicht geben soll es eine sogenannte Projektklasse, die das Abitur weiterhin nach zwölf Jahren macht. „Wir haben mit unserem bilingualen Zweig bereits einen besonderen Bildungsgang“, sagt Arndt. Er setzt mehr auf individuelle Formen der Schulzeitverkürzung. „Etwa der klassische Springer, der ist ja ganz verkümmert.“

Etwas Urlaub gönnt er sich

Apropos Flexibilität. Die versucht der 49-Jährige, während der Ferien auch für sich zu nutzen. „Ich mache Kleinigkeiten bewusst anders als sonst.“ Nur die innere Uhr spiele da nicht so mit: „Der innere Wecker klingelt um 6 Uhr. Dann ändere ich aber die Routine, setze mich nach draußen und lese mal ganz ausgiebig die Zeitung“, so Arndt. Zudem nutze er die Gelegenheit, auch mal um halb acht morgens auf dem Tennisplatz zu stehen. Das ist zu Schulzeiten unmöglich.

Insgesamt hat sich Arndt nach einem Jahr am AEG jetzt eingewöhnt. „Im zweiten Jahr möchte ich mich gerne einleben“, ergänzt er. Das erste Schuljahr habe Spaß gemacht, auch die Zusammenarbeit mit den anderen Schulen im Schulzentrum laufe gut. „Ich wusste ja nicht, was mit dem Schulzentrum auf mich zukommt.“ Etwas Urlaub gönnt er sich in den Sommerferien aber dann doch: Kommende Woche werde er für acht bis zehn Tage an die Nordsee fahren, so Arndt. Dann verlässt auch der Schulleiter das AEG – zumindest für einige Tage.