Kinderklinik Sankt Augustin: Stadt sucht Wege zum Erhalt der Klinik

Kinderklinik Sankt Augustin : Stadt sucht Wege zum Erhalt der Klinik

In Sankt Augustin wurden Ideen ausgetauscht, wie es möglich wäre, die Klinik auch ohne das Kinderherzzentrum zu erhalten. Eine Onlinepetition zum Erhalt der Klinik steuert derweil auf 100.000 Unterschriften zu.

Es gab viel zu bereden: Zwei Stunden lang ging es am Dienstagmittag in einem Gespräch in Sankt Augustin um die Zukunft der Kinderklinik. Auf Einladung von Bürgermeister Klaus Schumacher waren dazu Edmund Heller, Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium, Landrat Sebastian Schuster, die Asklepios-Geschäftsführung aus Sankt Augustin sowie leitende Oberärzte zusammengekommen. Wie berichtet hat der Asklepios-Konzern beim Land NRW einen Antrag auf Förderung aus dem Krankenhausstrukturfonds gestellt, um die Kinderklinik zu schließen.

„Es war kein großer Durchbruch zu erwarten bei so einer verfahrenen Situation“, sagte Schumacher nach dem Gespräch dem GA. Man habe dem Staatssekretär aber die Situation vor Ort aufgezeigt, die sich nicht vom Schreibtisch aus betrachten lasse. Angesprochen worden sei etwa, dass die Kinderklinik ein sehr umfassendes Kompetenzzentrum sei. „Hier ist alles an einem Standort“, so Schumacher. Woanders müssten die Kinder hin und her gefahren werden.

Die Runde habe zudem auf entstehende Versorgungsprobleme hingewiesen. Zudem ging es um die Verkehrssituation in der Region sowie rund um die Bonner Unikliniken. „Man kommt heute schon kaum zum Venusberg hoch“, sagte Schumacher. Wenn nun noch der „Tausendfüßler“ der A 565 saniert werde, sei es unmöglich, schnell über den Rhein zu kommen. „Das war dem Staatssekretär so nicht bekannt“, berichtete der Bürgermeister. Heller habe nur fachliche Informationen zum Strukturfonds mitgebracht, aber auch deutlich gemacht, dass es gut sei, nun ein Verständnis dafür zu haben, wie es in der Region aussehe.

Ideenaustausch: Kinderklinik ohne Herzzentrum?

Insgesamt sei es auch darum gegangen, Ideen auszutauschen, wie es möglich wäre, die Klinik auch ohne das Kinderherzzentrum zu erhalten. So sei etwa ein Gedanke, ob dies durch Kooperationen mit anderen Kliniken möglich wäre. Dazu sollen laut Schumacher nun Gespräche aufgenommen werden. „Wir kümmern uns jetzt darum, alles zu tun, damit die Kinderklinik Bestand hat“, so Schumacher. „Es drängt die Zeit.“

Rune Hoffmann, Sprecher des Asklepios-Konzerns, berichtete: „Sowohl die Stadt, der Kreis, das Gesundheitsamt als auch Asklepios haben dem Staatssekretär über die Dringlichkeit der Situation und die Bedeutung der Klinik für die rechtsrheinische Versorgung informiert.“ Es habe Einigkeit bestanden, „dass das Land in der Pflicht ist, die Problematik im Interesse der Patienten und Mitarbeiter der Asklepios Klinik Sankt Augustin zu lösen“. Ab Oktober könne das Deutsche Kinderherzzentrum durch die Personal-Abwanderungen zur Uniklinik Bonn die Versorgung nicht mehr sicherstellen, so Hoffmann.

Unterschriftensammlung geht "durch die Decke"

Unterdessen geht die Unterschriftensammlung gegen die Schließung des Kinderkrankenhauses buchstäblich durch die Decke. Initiator Wolfgang Spormann hatte am Montag 35.000 Unterschriften gesammelt. Zum Vergleich: Chefarzt Gerd Horneff hatte bei der Demonstration am Samstag darauf hingewiesen, dass gegen die Schließung der Geburtsstation 35.000 unterschrieben hätten, „und das hat nicht gereicht“.

Der Kreißsaal wurde 2017 geschlossen. Die laufende Onlinepetition für den Erhalt der Kinderklinik hat bereits mehr als 80.000 Unterstützer gefunden, ständig kommen neue hinzu. Einige Unterzeichner geben persönliche Kommentare ab wie „fachlich und menschlich einfach toll“ oder „diese Klinik hat meinem Kind mehrfach das Leben gerettet!“.

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