Nach 17 Jahren: Sonnenuhr in Sankt Augustin von Käfig befreit

Nach 17 Jahren : Sonnenuhr in Sankt Augustin von Käfig befreit

Die historische Sonnenuhr aus Sankt Augustin ist auf Initiative von Fraunhofer-Mitarbeitern von ihrer verwitterter Plexiglashülle befreit und wieder vollständig sichtbar. Und das nach 17 Jahren.

17 Jahre war sie ummantelt von einer Konstruktion aus Plexiglas und Stahl. Zuletzt aber konnte man sie nur noch schlecht bestaunen, weil das Plexiglas verwittert, schmutzig und mit Grünspan bedeckt war. Die Birlinghovener Sonnenuhr glänzte viele Jahre nicht in der Sonne, sondern führte eher ein Schattendasein. Das hat eine Ende gefunden, denn sie steht wieder frei sichtbar und in ihrer ganzen Schönheit mitten im Birlinghovener Wald: Ein wenig verwittert zwar, bietet sie dennoch einen reizvollen Anblick, in Sichtachse zum Schloß Birlinghoven und ohne den achteckigen Käfig um sie herum.

Dieser komische Käfig, der jetzt weg ist, sollte die Sonnenuhr vor Vandalismus schützen. Eine Aufgabe, die er voll erfüllt hat. Selbst vor Blicken war die Sonnenuhr am Ende sicher. Im Jahr 2001 hat die Stadt Sankt Augustin die Sonnenuhr mit dem Schutz umgeben. Das besondere Stück hingegen ist „nur“ die Replik eines Originals, das auch auf dem Platz im Wald gestanden hat, mittlerweile aber im Haus Lauterbach in Birlinghoven aufgestellt ist.

Das Original war damals stark verwittert und musste restauriert werden. Der Bildhauermeister Anton Schmitz aus Bonn erhielt den Auftrag von der Stadt, in dem auch enthalten war, eine Replik anzufertigen. Rund 33 000 Mark musste die Stadt dafür aufbringen, wobei ein erklecklicher Teil aus Fördergeldern stammte. Eigentlich sollte die Sonnenuhr in das Grundstück des ehemaligen noch bewohnten Forsthauses nebenan integriert werden – mit einem Torbogen und einer Umzäunung. Doch der Plan scheiterte an den zu hohen Kosten. Es wurde der Plexiglaskäfig, der Mitarbeitern des Fraunhofer Instituts in Schloss Birlinghoven so gar nicht mehr gefiel. Ein unpassendes und unansehnliches Achteck mitten im Wald? Da musste etwas geschehen. Sie ergriffen die Initiative und suchten Kontakt zur Stadt Sankt Augustin, mit der Frage, ob der Käfig nicht abgebaut werden könne. „Wir haben dann überlegt, was man macht und uns entschieden, den Schutzkäfig nicht mehr zu erneuern“, sagte Stadtsprecherin Eva Stocksiefen. Das Plexiglas sei durch die Witterungseinflüsse blind geworden und ließe sich nicht mehr säubern.

Beim Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland stieß der Vorschlag der Fraunhofer-Mitarbeiter auf offene Ohren. Da auch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Sankt Augustin zustimmte, konnte die Konstruktion zurückgebaut werden, was nicht die Stadt übernommen hat. Die Hausmeister der Liegenschaftsabteilung des Fraunhofer Instituts in Schloß Birlinghoven haben sich darum gekümmert. Und die Replik steht nun wieder exakt in Sichtachse zum Schloss.

Das Original der Sonnenuhr kam mit dem ehemaligen Schlossherrn, Geheimrat Louis Hagen, um 1920 nach Birlinghoven. Angefertigt worden ist die Uhr nach Schätzung von Experten in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Ihr Ursprungsstandort war vermutlich die Sternwarte des Benediktinerstiftes Kremsmünster in Oberösterreich. Hagen hatte das außergewöhnliche Stück im Kunsthandel über das Kölner Schnütgen-Museum erworben. Wer immer sie auch davor in ihrem Besitz hatte, ist nicht bekannt. Nach seinem Tod 1932 wurde das Sonnen-Monument, wie es auch genannt wird, eingelagert und später wieder aufgestellt – so, wie es jetzt als Replik zu sehen ist.

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