Entsorgungs- und Verwertungspark: Solaranlage in Niederpleis soll Ende 2019 stehen

Entsorgungs- und Verwertungspark : Solaranlage in Niederpleis soll Ende 2019 stehen

Die Pläne für die weitere Nutzung der Deponie in Niederpleis werden immer konkreter. Bis zum Jahresende soll dort eine neue Photovoltaikanlage entstehen, für den geplanten Outdoorpark gibt es einen potenziellen Betreiber.

Energieerzeugung, Kleingewerbe, Forschung, Freizeit und Natur sollen dem heutigen Entsorgungs- und Verwertungspark Niederpleis langfristig ein neues Gesicht geben. Seit 2015 hatte die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) zusammen mit der Stadt Sankt Augustin und dem Rhein-Sieg-Kreis in einem zweijährigen Moderationsprozess die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Standorts erarbeitet. Im Mai 2017 wurde eine gemeinsame Erklärung zur weiteren Nutzung unterzeichnet – und darin auch eine „zeitnahe Umsetzung“ des Vorhabens formuliert.

Sichtbar sind die Veränderungen wie die seit 2016 laufende Biotopvernetzung für den Bürger bislang kaum. Hinter den Kulissen werde dennoch eifrig an der Weiterentwicklung gearbeitet, hatten Meinolf Hein, Leiter des RSAG-Geschäftsbereichs Technik, und RSAG-Geschäftsführerin Ludgera Decking im November der Politik berichtet und für 2019 weitere Arbeiten angekündigt: Bereits 2010 hatte die RSAG auf dem Dach des Kompostwerks die damals „größte Solardachanlage im Kreis“ in Betrieb genommen. In diesem Frühjahr soll das Genehmigungsverfahren für eine weitere, freistehende und deutlich größere Photovoltaikanlage südlich der heutigen Zufahrtsstraße anlaufen. Erwartet wird die Genehmigung bis Mitte 2019, um sogleich mit dem Aufbau und zum Jahreswechsel 2019/20 mit dem Betrieb beginnen zu können.

Auch für den nördlich der Zufahrtsstraße geplanten Outdoorpark habe die RSAG bereits einen potenziellen Betreiber, so Hein: „Mitte 2019 wären wir soweit, die erarbeiteten Pläne präsentieren zu können.“ Auf dem Gelände soll eine Dirt-Bike-Anlage, also ein komplexer Geländeparcours für Freizeit-Radsportler, errichtetet werden. Eine vergleichbare Anlage wurde vor einigen Jahren bereits im Projekt :metabolon auf dem Areal der früheren Leppe-Deponie in Lindlar vom Bergischen Abfallwirtschaftsverband erfolgreich realisiert.

Kompostwerk soll saniert und erweitert werden

Planungen laufen derzeit auch für zwei Mammutprojekte am Standort: Die Ertüchtigung des Kompostwerks sowie die Zwischenraumverfüllung „Deponie auf Deponie“. Das über 20 Jahre alte Kompostwerk soll nicht nur saniert, sondern um eine weitere Vergärungsstufe zur Biogaserzeugung erweitert werden. „Wir wollen damit Kreisläufe schließen. Das Biogas wird in unseren Sammelfahrzeugen verwendet werden“, kündigte Meinolf Hein an: Ende 2022 soll die Anlage in Betrieb gehen. Biogas- statt Diesel-Lastwagen, damit habe die RSAG zwar bislang keine Erfahrung, erklärt RSAG-Sprecher Joachim Schölzel auf Nachfrage: „Wir profitieren von den Erfahrungen der Berliner Stadtreinigung. Hier sind herkömmliche Dieselfahrzeuge sukzessive durch Fahrzeuge, die mit Bioerdgas betrieben werden können, ersetzt worden.“

Die Berliner Kollegen verarbeiten jährlich im Kompostwerk Ruhleben rund 60 000 Tonnen Biomüll zu Biogas, das in derzeit 150 Fahrzeugen zum Einsatz kommt, mit denen nach eigenen Angaben etwa 60 Prozent der Restmüll- und Biomüllsammelfahrten klimaneutral durchgeführt werden. Dabei spare man etwa 2,5 Millionen Liter Dieselkraftstoff jährlich ein, teilt die Berliner Stadtreinigung mit. Auch im Kompostwerk in Niederpleis werden rund 60 000 Tonnen Biomüll im Jahr verarbeitet, von denen etwa 30 000 Tonnen in die Biogaserzeugung gehen, erklärt Meinolf Hein, der bis zur Inbetriebnahme aber ein aufwendiges Genehmigungsverfahren erwartet.

Im Laufe des Jahres 2019 sollen auch die Pläne für eine mögliche Zwischenraumverfüllung zwischen den Deponiebergen als „Deponie auf Deponie“ konkretisiert werden. Im März 2018 hatte die RSAG in ihrem Boden- und Bauschuttkonzept für die Mineralstoffdeponie in Sankt Augustin eine Restkapazität von rund 130 000 Kubikmetern erfasst und dem Standort eine Entsorgungssicherheit bis Ende 2020 prognostiziert.

Auf einer vier bis fünf Hektar großen Fläche im „Tal“ der beiden großen Deponieberge links und rechts der heutigen Zufahrt zum Kompostwerk könnte eine Zwischenraumverfüllung stattfinden. Dazu würden die beiden Deponieberge mit einer Multifunktionsdichtung versehen und dazwischen eine „Deponie auf Deponie“ mit rund 450 000 Kubikmetern Reserve für die nächsten zehn bis 15 Jahre ermöglicht. Das Kompostwerk würde zukünftig über die zweite vorhandene Zufahrtsstraße erschlossen werden. Einen konkreten Zeitplan für diese Umsetzung hat die RSAG noch nicht benannt.

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