Kooperation mit dem Jobcenter Rhein-Sieg: Schauspielern für mehr Selbstbewusstsein

Kooperation mit dem Jobcenter Rhein-Sieg : Schauspielern für mehr Selbstbewusstsein

Das Theaterprojekt „machArt“ in Sankt Augustin kooperiert mit dem Jobcenter Rhein-Sieg und stärkt die Persönlichkeit von Langzeitarbeitslosen. Mit mehr Selbstbewusstsein sollen sie wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Ist Gott ein Pinguin? Liebt er Käsekuchen? Gibt es ihn überhaupt? Diesen Fragen gehen die Darsteller in der himmlischen Komödie „Gott im Koffer“ nach. Am Mittwoch, 17. April, um 19 Uhr feiert sie im Theatersaal der Steyler Missionare Premiere. Die insgesamt 20 Akteure, Requisiteure, Souffleure, Bühnen- und Maskenbildner, Licht- und Tontechniker sind indes keine besonders gläubigen, sondern ganz normale Menschen zwischen 18 und 50 Jahren. Sie verbindet, dass alle seit Längerem nach einem Job suchen. Das Theaterprojekt „machART“, eine Kooperation zwischen dem Jobcenter Rhein-Sieg und der Defakto GmbH, soll ihnen so viel Selbstbewusstsein, Struktur und Disziplin vermitteln, dass sie ihn im Idealfall nach neun Monaten gefunden haben.

„Wir wollen dafür sorgen, dass die Teilnehmer wieder Regisseure ihres eigenen Lebens werden“, sagt Markus Keller. Der Pädagoge und Kaufmann ist Geschäftsführer der Defakto GmbH, die Theaterpädagogen ausbildet und für das Integrationsprojekt zur Verfügung stellt, das von Freiburg bis zur Ostsee seit fünf Jahren durchgeführt wird.

Im Rhein-Sieg-Kreis ist es das erste seiner Art und wird begleitet von Josef Hofmann. „Es ist toll, zu sehen, wie man die Menschen wieder in ihre Stärke bringt“, sagt der Theaterpädagoge, der das Projekt zusammen mit seiner Kollegin Sabine Stein durchführt. Die erstaunliche Persönlichkeitsentwicklung, die die Teilnehmer während der sechs Monate dauernden täglichen kreativen Arbeit an der Produktion erfahren, hebt auch Keller hervor.

Drei Monate lang Trainings und Coachings

Nach der Premiere geht es drei Monate lang weiter mit Bewerbungstrainings, Einzel- und Gruppencoachings sowie Praktika in Betrieben. Darum kümmert sich Stefanie Ringel, für die dies ihr erstes Projekt ist. „Ich bin total glücklich, die Arbeit im Jobcenter mit etwas Kreativem verbinden zu können“, sagt sie. Als Jobcoach erstellt sie gemeinsam mit den Teilnehmern die Bewerbungsunterlagen und sucht nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen. Sie freut sich besonders über die Verlässlichkeit innerhalb der Gruppe.

Und die bemerkt man auch bei der Generalprobe. „Kein Pinguin lässt den anderen im Regen stehen“, singen die in schwarze Fräcke gekleideten Schauspieler. Zu ihnen gesellt sich die Taube, die die letzten Tickets für die Arche Noah besorgt hatte. Allerdings war ein kleiner Pinguin im Streit weggegangen, und der soll nun in einem Koffer auf die Arche geschmuggelt werden. Weil die Taube aber wissen will, was sich im sprechenden Koffer befindet, verkaufen die Pinguine ihn ihr als „Gott“. Doch der verrät sich dadurch, dass er nach Käsekuchen fragt.

Die Taube mit der Fliegerkappe auf dem Kopf wird dargestellt von Markus Holze. Der 36-Jährige hat eine kaufmännische Ausbildung im Gesundheitswesen abgeschlossen. „Ich finde das Projekt extrem super“, urteilt er über die Verbindung von Jobcenter und Theater. „Da kann ich mich nur anschließen“, sagt der 21-jährige René Kelter, der als Souffleur und Assistent mitwirkt. Manch einer träumt sogar von einer Schauspielkarriere. So etwa der 34-jährige Manuel Schmidt und die 18-jährige Michelle Schlüter.

Mehr von GA BONN