Kinder fit machen: Sankt Augustin stellt Medienentwicklungsplan vor

Kinder fit machen : Sankt Augustin stellt Medienentwicklungsplan vor

Die Stadt Sankt Augustin stellt ihren Medienentwicklungsplan samt Investitionen für die Schulen vor. Sie will Kinder fit für die digitale Welt machen.

Intuitive Bedienung, vielseitige Anwendungsmöglichkeiten und moderne Formen der Kommunikation und Recherche: Ohne Scheu und mit spielerischer Neugierde entdecken Kinder die digitale Welt durch Smartphones und Tablet-PCs immer früher. Eine Chance, aber auch ein Risiko, wie Pädagogen und Medienexperten immer wieder betonen.

Bereits vor zwei Jahren hatte die Landesregierung einen sogenannten Medienkompetenzrahmen abgesteckt, der die Notwendigkeit unterstreicht, Kindern das Rüstzeug für die richtige Bedienung, für Möglichkeiten der Recherche und Kommunikation, der Produktion von Inhalten, der Analyse sowie auch für die Mitgestaltung der digitalen Welt zu vermitteln. Spätestens zum Schuljahresende 2019/2020 müssen die Schulen durch Medienkonzepte nachweisen, wie sie die Inhalte des Medienkompetenzrahmens umsetzen wollen.

In Sankt Augustin geht man noch einen Schritt weiter und bündelt erreichte und gesteckte Ziele nun in einem ersten Medienentwicklungsplan. Denn die Digitalisierung sei für städtische Schulen kein Neuland, wie der zuständige Beigeordnete Ali Dogan am Montag in der Katholischen Grundschule St. Martin in Mülldorf zeigte: Die Whiteboard-Tafeln nahezu aller Klassen sind über die vergangenen Jahre mit Smartboards, sprich digitalen Tafeln, ergänzt worden.

Hinzu kamen Klassensätze mit iPad-Tablet-PCs für Projektarbeit, Übungs- oder Rechercheaufgaben. Bei der Bedienung der Geräte machten die meisten Lehrern ihren Schülern nichts vor, berichtete Petra Böhnert-Hacker, kommissarische Leiterin der Grundschule, aus der Praxis. "Manche Kinder haben ab der 1. Klasse ein eigenes Smartphone. Wir haben Eltern, die absolut dagegen sind", sagt die Schulleiterin, "aber spätestens ab der dritten Klasse haben nahezu alle Kinder ein Smartphone."

Zumindest zu Hause, denn in der Schule sind eigene Geräte aus verschiedenen Gründen tabu. So könnten in der Schule genutzte und von Schülern erzeugte Inhalte die Schule nicht verlassen - nicht aus technischen Gründen, sondern wegen des Datenschutzes. "Seit Ende 2018 gibt es an allen Schulen Wlan", erklärt Brigitte Kelnhofer, die seit März 2019 die Erstellung des Medienentwicklungsplans begleitet.

Den Digitalisierungsgrad der städtischen Schulen schätzt sie aktuell noch auf rund 20 Prozent, mit rasant steigender Tendenz. So sollen bis 2020 alle Schulen bis hinein in die Klassenzimmer ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen werden. Derzeit werden auch die Medienkonzepte mit einer technisch-pädagogischen Ausrichtung in den Schulen erarbeitet. Vorhandene Lehrkräfte werden mit Fortbildungen in Sachen Medienkompetenz geschult. "Es ist weit mehr als die Verfügbarkeit einer digitalen Infrastruktur", ergänzte Dogan.

"Medienkompetenz muss auch inhaltlich und pädagogisch eingesetzt und umgesetzt werden." Bei der Stadt setze man dabei auf die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, darunter Verwaltung, Schulen, Schulleitungen und auch Elternvertreter.

Dazu wurde eine Steuerungsgruppe initiiert, die strategische Leitplanken der Medienentwicklung festlegt. Eine weitere Arbeitsgruppe setze die Ziele dann um. Am Ende erhält jede Schule ein eigenes, individuelles Medienkonzept als pädagogische wie technische Richtschnur für mehr Medienkompetenz in der Schullandschaft. Bei der Umsetzung greift der Digitalpakt der Bundesregierung der Stadt für insgesamt fünf Jahre mit rund 1,9 Millionen Euro unter die Arme.

Ergänzt um den Eigenanteil der Stadt von zehn Prozent stehen für die nächsten fünf Jahre rund 2,1 Millionen Euro zur Verfügung: "Damit investieren wir bei etwa 5700 Schülern an den 14 städtischen Schulen etwa 380 Euro je Schüler in die Themen Digitalisierung und Medienkompetenz an unseren Schulen."

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