NRW-Kompetenzzentrum auf Schloss Birlinghoven: Sankt Augustin soll Hochburg für Künstliche Intelligenz werden

NRW-Kompetenzzentrum auf Schloss Birlinghoven : Sankt Augustin soll Hochburg für Künstliche Intelligenz werden

NRW-Minister Andreas Pinkwart informiert sich im Fraunhofer-Institut in Birlinghoven über intelligente Analyse- und Informationssysteme. Dort sollen Kompetenzen gebündelt werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass der NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie nach Sankt Augustin kommt. Doch für eine Stippvisite im Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) am Donnerstag hat Andreas Pinkwart dieses Mal sogar seinen Urlaub unterbrochen.

Er informiert sich über mögliche Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und der geplanten NRW-Strategie zur Künstlichen Intelligenz (KI). Hintergrund: Auf Schloss Birlinghoven sollen künftig die Kompetenzen zur Künstlichen Intelligenz gebündelt werden, um Forschung und Qualifizierung zu stärken und das Wissen den Unternehmen in Nordrhein-Westfalen schneller zugänglich zu machen.

Bis zum Herbst soll eine geschäftsführende Stelle im IAIS an den Start gehen. Damit will das Bundesland seine Position im Hinblick auf diesen technischen Bereich deutlich ausbauen. Den Standort Sankt Augustin sieht Pinkwart als geradezu ideal an für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Da seien die Kontakte zur Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und zur Universität Bonn mit ihrer exzellenten Grundlagenforschung, sagt er. Das neue Projekt habe auch den Anspruch, Nordrhein-Westfalen zur Leitregion für akademische und berufliche Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Data Sciences, des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz, zu entwickeln. Dirk Hecker, Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz Big Data und stellvertretender Institutsleiter des IAIS, spricht von einem „Lernlabor“, das sie für Data Science aufbauen wollen.

Das Land verfüge über eine ausgezeichnete Forschungslandschaft mit Pionier-Einrichtungen für die praxisnahe Erforschung und Entwicklung von Technologien des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz, ergänzt Christian Bauckhage, Professor für Informatik an der Universität Bonn und Lead Scientist für Maschinelles Lernen am Fraunhofer IAIS.

Aufgabe sei es jetzt, Wissenschaftler stärker miteinander und mit der Wirtschaft zu vernetzen, um auf diese Weise Unternehmen in NRW und darüber hinaus national und international fit zu machen für die digitale Zukunft.

Exzellenzzentren unterstützen neue Start-ups

Laut Bauckhage fehlen diese Experten bisher. Immer noch seien zu wenige Studierende in die neuen Studiengänge eingeschrieben, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen, auch wenn es zunehmend sogenannte Exzellenzzentren gebe, die neue Start-ups unterstützten. Berufsbegleitende Maßnahmen müssten ausgebaut werden, um Großunternehmen, aber auch mittelständische Betriebe in das neue digitale Zeitalter mitzunehmen.

Vor allem kleinere Betriebe werden sich die neuen Technologien vorerst gar nicht leisten können, so die Erkenntnis der Fachleute. Auch sie sollen von dem neuen Netzwerk profitieren. Minister Pinkwart verspricht zusätzliche Mittel für Forschung, Lehre und Transfer zur Verfügung zu stellen. Einen Betrag nennt er nicht. Vielmehr kritisiert er den Fachkräftemangel in NRW, der dazu führe, dass das Wachstumspotenzial nicht ausgeschöpft werden könne.

Entgegen vieler Stimmen, die eine hohe Freisetzung von Arbeitskräften durch die Digitalisierung fürchten, sieht Pinkwart viele neue Arbeitsfelder, die sich dadurch auftun. Rechtlich-ethische Fragen zur Datensicherheit müssten jetzt an den juristischen Lehrstühlen geklärt werden, damit die individuellen Rechte des Einzelnen gewahrt werden könnten.

Beim Rundgang informierte sich der Minister im IAIS über die Forschungen zur Spracherkennung, wie das „Open Roberta Lab”, eine frei verfügbare grafische Programmierplattform, die inzwischen auch Schulkinder schon nutzen.

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