Sankt Augustin-Menden: Bebauung des ehemaligen Gärtnereigeländes

Wohngebiet in Sankt Augustin-Menden : Bürger äußern Kritik an der Verkehrsplanung

Hundert Bürger haben sich am Donnerstagabend über die Wohnbebauung auf dem ehemaligen Gärtnereigelände in Menden informiert. Sie kritisierten vor allem den zusätzlichen Verkehr und die geplante Gebäudehöhe.

Viel Redebedarf gab es am Donnerstag bei der Informationsveranstaltung in Menden. Das Thema: Die Bebauung auf dem 2,1 Hektar großen Areal der einstigen Gärtnerei Werner. Rund hundert Bürger hatten sich in der Aula der Gesamtschule versammelt, um die neuen Pläne kennenzulernen. Die Kritik der Bürger konzentrierte sich vor allem auf den zusätzlichen Verkehr, zu wenig Parkplätze und zu hohe Gebäude.

Wie berichtet, sollen auf dem Areal 190 neue Wohnungen entstehen, 15 Prozent davon als Sozialwohnungen. Neuer Investor ist „Die Wohnkompanie NRW“. Die Höhe der Gebäude ist auf drei Vollgeschosse plus ein Staffelgeschoss begrenzt. Das neue Wohngebiet soll sich möglichst ökologisch und nachhaltig präsentieren, etwa mit Dach- und Fassadenbegrünung sowie Retentionsflächen, die Niederschlagswasser auffangen, wenn es zu Starkregen kommt. Energetisch soll das neue Viertel mit einem Blockheizkraftwerk aktuellen Standards entsprechen. Ebenfalls geplant sind vier Tankstellen für Elektroautos und Lademöglichkeiten für E-Bikes. Über Carsharing-Angebote wird derzeit verhandelt.

„Auf dieser Fläche befindet sich das letzte innerstädtische Areal, auf dem Geschosswohnungsbau möglich ist“, sagte der Erste Beigeordnete der Stadt Sankt Augustin, Rainer Gleß. „Es soll an dieser Stelle kein Wohngebiet von der Stange entstehen“, lobte er die Planung des neuen Investors. „Das ist keine zeitgenössische, sondern eine zeitlose Planung“, so Gleß.

Weiter ins Detail gingen die Planer Stefan Haase von H+B Stadtplanung aus Köln, Arne Blase von der AB Stadtverkehr aus Bornheim und Stefan Nagel als Projektentwickler des Investors „Die Wohnkompanie“.

Laut Nagel werden 175 Wohnungen durch die Wohnkompanie gebaut, 15 öffentlich geförderte Wohnungen würden von einem anderen Investor realisiert. 190 Autostellplätze in einer Tiefgarage und fast 300 oberirdische Fahrradstellplätze sollen deutlich machen, dass das Mobilitätskonzept bei dieser Planung langfristig angelegt ist und auf neue Verhaltensweisen der Bewohner setzt. „Wir wollen Angebote schaffen, nicht nur ein Verkehrsmittel zu nutzen“, sagte Arne Blase.

Das gesamte Gebiet sei durchlässig und biete kurze Wege auch für Fußgänger. Sitzgelegenheiten auf Bänken, Mäuerchen und Findlingen sowie Angebote für Kinder sollen zum Rasten animieren. Blase erklärte, dass man einen Puffer von insgesamt 21 Prozent auf den errechneten Verkehr im Jahr 2030 drauf gerechnet habe, sodass die Kreuzungen an der Mittel- und an der Siegstraße auch in zehn Jahren und mit dem neuen Wohngebiet funktionierten.

Die Bürger blieben skeptisch und es war vor allem die Verkehrsplanung, die für Aufregung bis hin zur Empörung sorgte. „Die Mittelstraße kann man morgens und nachmittags im Berufsverkehr schon jetzt nicht überqueren“, skizzierten die Anwohner die angespannte Situation. „Wir brauchen nicht bis 2030 zu warten, um im Verkehr zu ersticken, wir tun es jetzt schon“, so eine aufgebrachte Bürgerin. Die Bürger empfahlen dem Planer, ein größeres Umfeld zu betrachten, denn das Verkehrschaos beginne schon in der Straße Am Bauhof.

Auch die Anbindung der geplanten Kita mit sechs Gruppen sorgte für Kritik. Es gebe dort nicht ausreichend Wende- und Parkmöglichkeiten für den Hol- und Bringverkehr. Weiterer Diskussionspunkt war die Ost-West-Verbindung zwischen Markt- und Mittelstraße. Die Planer hatten vorgesehen, lediglich für den Busverkehr eine Durchfahrt zu ermöglichen. Dagegen wehrten sich die Bürger. „Wir haben für diese eine Verbindung viele Jahre gekämpft“, sagte ein Bürger. Nur so könne die völlig überlastete Burgstraße vom Verkehr entlastet werden.

Eine Bürgerin merkte an, dass sie enttäuscht sei, dass in dem Gebiet kein Seniorenwohnheim geplant worden sei. Ihr sicherte Gleß zu, dass dieses nicht vergessen worden sei, er könne aber diesbezüglich keine Zusagen machen.

Was nach zweieinhalb Stunden blieb, war die mehrfach wiederholte Aufforderung der Moderatorin Ursula Mölders, sämtliche Bedenken und Anregungen jetzt schriftlich bei der Stadtverwaltung einzureichen.

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