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Historische Maschinen: Piloten treffen sich zum Fly-In am Flugplatz Hangelar

Historische Maschinen : Piloten treffen sich zum Fly-In am Flugplatz Hangelar

Da schlug das Herz eines jeden an historischen Flugzeugen Interessierten höher: Mehr als 40 Piloten von Pützer Elstern und Fournier RF-Oldtimern haben sich am Hangelarer Flugplatz getroffen. Anlass war der 100. Geburtstag des Pioniers Alfons Pützer.

Es war ein Oldtimertreffen der besonderen Art, das Fliegerherzen am Wochenende höher schlagen ließ: Mehr als 40 Piloten von Flugzeugen vom Typ Elster und der sogenannten RF-Modelle hatten sich am Wochenende zu einem privaten Treffen, einem Fly-In, am Flugplatz Hangelar angekündigt. Wenngleich auch die Piloten in der Luft die schweißtreibende Sommerhitze zu spüren bekamen, war die Begeisterung über die Einladung größer als jede Hürde. Mit spürbarer Begeisterung, herzlichen Willkommensworten und gespannter Neugierde wurden am Freitagnachmittag die eintreffenden Maschinen am Flugplatz empfangen.

Denn nicht nur der Ort des Treffens war für die Piloten von besonderer Bedeutung, sondern auch der Anlass: Am 3. August hätte der Bonner Flugzeugbaupionier Alfons Pützer (1918-1993) seinen 100. Geburtstag gefeiert. Wie berichtet, hatte Pützer mit der Motorraab, einem mit einem Motor ausgestatteten Segelflugzeug, im Jahr 1955 am Flugplatz Bonn/Hangelar die Klasse der Motorsegler aus der Taufe gehoben.

Deutsche Flugzeugbaugeschichte schrieb der Bonner im November 1957 mit dem Erstflug seines selbst konstruierten einmotorigen Schulterdecker vom Typ Elster – das erste deutsche Serienflugzeug nach dem Zweiten Weltkrieg. International bekannt wurden Flugzeuge aus der Hand Alfons Pützers durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Flugzeugbauer René Fournier und die später an der Dahlemer Binz gebauten Baureihen RF. Warum? Ein Schriftzug auf Christian Zoks genau 50 Jahre altem Flugzeug vom Typ RF 4 brachte es auf den Punkt: „Poor Man’s Messerschmitt – Messerschmitt des armen Mannes“. „Der Vorbesitzer war ein ehemaliger Jagdpilot der Bundeswehr“, erklärt Zok, der aus Mittelhessen angereist war, „Als der gestandene Pilot das erste Mal mit seiner neuen RF 4 geflogen war, soll er mit einem breiten Grinsen ausgestiegen und gesagt haben: Das ist die Messerschmitt Bf 109 für Arme.“ Die modifizierte RF 4 ist für den Kunstflug zugelassen und „einfach wunderschön zu fliegen“, betont der 69-jährige Pilot, der mit seiner Maschine schon ganz Europa und die Ukraine bereist hat.

Ganz so weit hatten es die Piloten der blau-weißen Elster aus Nordholz in Schleswig-Holstein nicht. „Das ist einer der wahren Schätze des Treffens“, sagte Hanns-Jakob Pützer, der als Sohn des Bonner Flugzeugpioniers das Treffen mit angeregt hatte, beim Anblick des markanten Flugzeugs: „Insgesamt wurden zwischen 1959 und 1967 nur 45 Elstern gebaut, die heute weltweit verteilt sind. Die Sportfluggruppe Nordholz/Cuxhaven ist eine der stärksten, engagiertesten Klassik-Fliegergruppen in Deutschland und hat ihre Elster noch heute im Einsatz.“

Für das Museum seien die Flugzeuge ohnehin zu schade, zeigte sich auch Alfred Scherer, Pilot und Eigentümer einer RF 4D, überzeugt. Von den einst 158 Flugzeugen seines Typs sind heute noch etwa 60 weltweit „in der Luft“ und werden liebevoll gepflegt, erklärte der Pilot aus Nannhausen im Hunsrück am Beispiel seines 1968 gebauten Flugzeugs: „Meine RF 4D war ein Totalschaden. Der Vorbesitzer hatte einen Zusammenstoß in der Luft, zum Glück nur knapp über dem Boden.“ Die anschließende Bruchlandung muss heftig gewesen sein. Auf den Schrott kam die Maschine deshalb freilich nicht, so Scherer: „Einen solchen Schatz baut man natürlich wieder auf.“ Er nahm sich der Sache an, investierte viele hundert Stunden in die aufwendige Arbeit – eine spürbare Herzenssache, die unter den RF- und Elsterpiloten Aufmerksamkeit und Anerkennung auslöste. „Ursprünglich hat dieses Flugzeug laut Rechnung einmal 17 300 D-Mark gekostet. Heute stehen weit über 40 000 auf dem Preisschild – natürlich in Euro“, sagt Scherer zu seiner RF-Rettung: „Aber eigentlich sind solche Flugzeuge unbezahlbar und solche Liebhaberstücke werden fast nie verkauft – sie sind wirklich auf der ganzen Welt begehrt. Da kommt man nur über Kontakte, Zufall oder viel Glück dran.“