Einzelhandel im Zentrum: Noch stehen Läden im Sankt Augustiner Huma leer

Einzelhandel im Zentrum : Noch stehen Läden im Sankt Augustiner Huma leer

Neues Einkaufszentrum im Zentrum ist seit einem Jahr eröffnet. Kunden und Geschäftsleute zeigen sich zufrieden mit der Entwicklung. Shops wünschen sich mehr Laufkundschaft.

Ein Vormittag am Huma-Einkaufszentrum in Sankt Augustin. An den Außentischen der Cafés auf dem Karl-Gatzweiler-Platz sitzen die ersten Gäste, im Inneren bummeln vereinzelt Kunden durch die Geschäfte. Vor rund einem Jahr hat der neue Huma-Markt Gesamteröffnung gefeiert. Rund 80 Geschäfte haben sich inzwischen auf den 39.000 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt. Doch es stehen auch noch etliche Flächen leer. Bunte Tapeten auf den Schaufenstern sollen den Leerstand kaschieren.

Dennoch ist die Umsatzentwicklung laut Centermanager Klaus Kricks recht erfreulich. „Die Entwicklung liegt genau in dem Range, den wir erwartet haben“, sagt er auf Anfrage. „Was jetzt nicht heißt, dass jeder zufrieden ist.“ Die Leerstände führt er auch auf den Einzelhandelsmarkt zurück, der derzeit bundesweit sehr schwierig sei. Es sei keine gute Gemengelage, um zu expandieren, so Kricks. Hinzu komme: Das Unternehmen wolle konzeptionell nicht jedes Geschäft im Einkaufszentrum haben. Der 146. Telefonladen mache es nicht interessanter, nennt der Centermanager ein Beispiel. Und auch der Flächenzuschnitt spiele eine Rolle.

Ursprünglich sollten einmal um die 140 Geschäfte öffnen. Diese Zahl stehe schon lange nicht mehr im Raum, sagt Kricks. „Wir haben viele Flächen zusammengepackt.“ Damit reagiert das Unternehmen auf die veränderten Anforderungen. Denn: Es stünden vor allem noch kleinteilige Flächen zur Verfügung. Das seien aber genau die Läden, die derzeit nicht expandieren würden, sagt Kricks. „Wir bauen jetzt sukzessive um. Dann haben wir zwar weniger Läden, aber wir haben sie.“ Wie viele Läden noch hinzu kommen sollen, könne er noch nicht sagen. Das Unternehmen sei mit vielen Geschäften im Gespräch, ergänzt er. Doch das brauche heute seine Zeit.

Bislang einen Mieter im Center verloren

Natürlich hätte er als Kaufmann alle Flächen am liebsten seit gestern gefüllt, aber der qualitative Mix und die Marktchancen müssten stimmen. Sonst gebe es nur Wechsel. Bislang hat das Center laut dem Manager einen Mieter verloren, bei einem weiteren stehe ein Betreiberwechsel an. Insgesamt sei er aber relativ entspannt, so Kricks. Die Stimmungslage sei ganz gut, und die Kunden würden die Atmosphäre des Einkaufszentrums positiv bewerten.

Das Angebot sei ganz gut, sagt eine 24-jährige Kundin aus Holzlar, die das Einkaufszentrum noch vor dem Umbau kennt. „Es ist seit dem Umbau viel besser hier“, sagt sie. Zufrieden mit dem Angebot ist auch Dieter Lampe (84) aus Sankt Augustin. „Wir bekommen alles, was wir brauchen“, sagt er. Es sei allerdings wenig los. Der Leerstand stört ihn aufgrund der Plakatierung hingegen nicht. Als zu groß empfindet dagegen eine 95-jährige Sankt Augustinerin das Center: „Ich frage mich, wer das alles kaufen soll.“

Gemischt fällt die Bilanz einiger zufällig ausgewählter Läden aus. Was nahezu alle ansprechen: die zu geringe Kundenfrequenz. Das Center sei schön, aber es sei zu wenig Betrieb, sagt eine Filialleiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Eine andere drückt es so aus: Jeder Tag sei ein Überraschungsei.

Leerstand ist ein Problem

„Meine persönliche Meinung: Es ist mehr ein Wochenendcenter“, sagt auch Elke Reinelt-Seipel, Filialleiterin eines Modehauses. „Ich kenne andere Einkaufszentren, da ist unter der Woche mehr los.“ Sie sei dennoch zufrieden, denn sie habe zum großen Teil Stammkunden. Als störend empfindet sie hingegen den Leerstand.

Eine Mitarbeiterin des Bekleidungsunternehmens Hunkemöller ergänzt: „Es sieht einfach noch nicht vollständig aus“ – auch wenn es bei ihnen generell ganz gut laufe. Erfüllt haben sich die Erwartungen beim Modehaus Schulze, dass seit der Gesamteröffnung im Einkaufszentrum ist. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt Abteilungsleiterin Lydia Flick. Man müsse den Dingen auch etwas Zeit geben.

Grundsätzlich glücklich im Huma ist Oliver Alex, Geschäftsleiter von Photo Porst. Dennoch sei es für ihn schwierig – obwohl sein Laden zu den alteingesessenen gehöre. Bereits seit 1978 gibt es das Geschäft im Huma in Sankt Augustin. „Ich hätte nicht vermutet, dass es so schwierig wird“, sagt er. Während der Bauphase seien einige Kunden abgewandert. „Sie wieder herzuholen und davon zu überzeugen, dass es schön ist, braucht Zeit.“ Nach der Gesamteröffnung sei es schon etwas besser geworden, es fehle aber noch an Kundenfrequenz, und es gebe zu viele Leerstände.

Für die noch nicht genutzten Flächen wünscht sich Bürgermeister Klaus Schumacher, der auch Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist, interessante Mieter. „Denn eine große Angebotsvielfalt stärkt den Einzelhandel vor Ort, auch in Konkurrenz zum Internet.“ Durch den Neubau sei aber bereits Leben ins Zentrum gekommen, sagt Schumacher. Und, so der Erste Beigeordnete Rainer Gleß, er sei bereits vor seiner Fertigstellung Impulsgeber für Baumaßnahmen im Zentrum gewesen.