Buisdorfer Siegwehr: Neuer Rekordlachs in Fangkammer an der Sieg

Buisdorfer Siegwehr : Neuer Rekordlachs in Fangkammer an der Sieg

Der Fischschutzverein Siegburg kontrolliert die Fangkammer am Buisdorfer Siegwehr. Der diesjährige Rekordlachs war vier bis fünf Jahre im Meer, bevor er an die Sieg zurückgekehrt ist.

Ganze 1,13 Meter misst der Lachs, der am Wochenende in die Fangkammer der Kontroll- und Fangstation am Buisdorfer Siegwehr geschwommen ist. Da freut sich Michael Heinen, Helfer beim Fischschutzverein Siegburg 1910, sichtlich. Langsam zieht er die Rampe hoch, wo sich auch Nasen und Hufnasen gesammelt haben. Auch sie sind, wie der Lachs, Wanderfische. Allerdings bleiben sie im Fluss und säubern hier die Kiesbänke von Algen. Für den Lachs ist das sehr wichtig, denn genau hier laicht er ab, nach seiner Wanderung bis ins Meer.

Der Lachs braucht klares, sauerstoffreiches Wasser, das findet er in der Sieg. "Allerdings ist dieser Lachs mit seinen zehn Kilo Gewicht ein Hungerhaken", erklärt Dennis Bock, der ebenfalls als Helfer beim Fischschutzverein arbeitet. "Auf dem Weg zurück vom Meer hat der Lachs die Hälfte seines Körpergewichts verloren, da er auf dem Rückweg von seinen Fettreserven lebt." Deshalb schaffen auch manche Lachse nach dem Aufstieg nicht mehr den Sprung über das natürliche Stauwehr und sind nach dem Ablaichen anfälliger für Krankheiten.

Der Lachs war vier bis fünf Jahre im Meer unterwegs

"Der diesjährige Rekordlachs war etwa vier bis fünf Jahre im Meer, bevor er in die Sieg zurückgekehrt ist. Manche der Lachse ziehen bis nach Grönland, um dort zu fressen, oder in die Irische See oder vor Schottland", erklärt Bock den erstaunten Besuchern. Trotz des strömenden Regens sind am Sonntag viele interessierte Bürgerinnen und Bürger gekommen, um sich von den Fischern über den Artenbestand in der Sieg zu informieren.

"Im vergangenen Jahr sind aber nur wenige Lachse zurückgekommen. Wegen des Niedrigwassers konnten sie die Duftspur zu ihrem Gewässer nicht zurückverfolgen", klagt Bock. Erst seit zwei Wochen ist die Fangkammer am Buisdorfer Wehr "scharf" geschaltet, um die Fische einzusammeln. Rund 50 Prozent der Fische, die über die Fischtreppe wandern, können hier von den Fischern eingesammelt werden. "Von den vier Sprüngen über das Wehr waren in den vergangenen Wochen zwei tagsüber erfolgreich und wurden von vielen Spaziergängern entlang der Sieg beobachtet. Dabei sind die meisten Sprünge in der Nacht", so Bock. Die eingesammelten Fische werden vermessen und markiert und dann ins Wildlachszentrum Rhein-Sieg gebracht. Insgesamt werden 50 Elternpaare, die hier ablaichen wollen, vorsichtig von den Fischern entnommen. "Von den 500.000 Eiern können anschließend rund 470.000 Jungfische ausgesetzt werden", erklärt Bock. In der Natur wären es gerademal 30.000 Jungfische, vor allem, da die Fische mit natürlichen Fressfeinden zu kämpfen haben, wie dem Wels, der inzwischen auch 60 bis 80 Zentimeter große Lachse frisst.

Ein weiteres Problem sind die zahlreichen Kormorane, die hier reiche Beute finden. Bei fünf Grad braucht ein Lachs 100 Tage, bis er schlüpft. Die ersten zwei bis drei Wochen trägt er noch einen Dottersack mit sich. Ein weiteres Jahr verbleibt er in der Sieg. Erst dann macht er sich langsam auf den Weg Richtung Rhein und dann ins Meer.

Renaturierungen und Schutzmaßnahmen, wie Leitrechen vor Wasserkraftwerken und Fischtreppen, zeigten Erfolg: Selbst Aale schwimmen wieder, wie die Zählungen an der Kontroll- und Fangstation beweisen. "Die Fischbestände erholen sich", so Bock. "Und darüber sind wir wirklich sehr froh."

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