Nach Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft: Mutmaßlicher Todesraser von Sankt Augustin erneut vor Gericht

Nach Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft : Mutmaßlicher Todesraser von Sankt Augustin erneut vor Gericht

Weil der heute 43-jährige mutmaßliche Todesraser von Sankt Augustin Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hat, muss der Fall vor einer Berufungskammer des Bonner Landgerichts neu verhandelt werden.

Der mutmaßliche Todesraser von Sankt Augustin, der am 18. Dezember 2013 eine rote Ampel überfahren und auf dem Fußgängerweg einen 74-jährigen Rentner erfasst und getötet haben soll, beschäftigt demnächst erneut die Justiz.

Weil der heute 43-Jährige, der am 10. April 2015 vom Siegburger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung, Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hat, muss der Fall vor einer Berufungskammer des Bonner Landgerichts neu verhandelt werden.

Wäre es allerdings nach dem Vorsitzenden der Berufungsstrafkammer gegangen, müsste sich der Angeklagte eigentlich vor dem Schwurgericht verantworten, wegen des erheblich schwerwiegenderen Verdachts des Totschlags. Denn der Berufungsrichter wollte nicht ausschließen, dass der angeklagte Raser den Tod seines Opfers nicht nur fahrlässig verursacht, sondern sogar billigend in Kauf genommen hatte.

Deshalb legte der Richter den Fall seinen Kollegen am Bonner Schwurgericht vor. Das aber lehnte den Fall nun ab, wie Gerichtssprecher Bastian Sczech, gestern mitteilte. Denn nach Prüfung der Akten sei das Schwurgericht zu dem Ergebnis gekommen: Für eine solche Annahme liegen keine hinreichenden Anhaltspunkte vor.

Aus Sicht der Schwurgerichtskammer sei bisher nur plausibel, dass es dem 43-Jährigen darum gegangen sei, noch schnell über die Kreuzung zu gelangen, und deshalb habe er fünf Sekunden vor dem Unfall von 50 auf 75 km/h beschleunigt. Dass der Angeklagte dabei billigend in Kauf genommen habe, damit einen Menschen zu töten, sei nicht ersichtlich. Einen Termin für den Berufungsprozess gibt es laut Sczech noch nicht.

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