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Musikschule in Sankt Augustin: Honorarkräfte bekommen mehr Geld

Institution in Sankt Augustin : Honorarkräfte der Musikschule bekommen mehr Geld

Der Kulturausschuss in Sankt Augustin hat für eine Änderung der Musikschulsatzung gestimmt. Freiberufliche Musiklehrer an der Musikschule bekommen mehr Geld, dafür müssen jedoch die Gebühren angepasst werden.

In der Debatte um die bislang schlechte Vergütung der Honorarkräfte an der Musikschule Sankt Augustin ist eine Lösung in Sicht: Mit einstimmigem Votum aller Fraktionen verabschiedete der Kultur-, Sport- und Freizeitausschuss des Rates am Donnerstagabend die Änderung der Musikschulsatzung und die Anpassung bisheriger Gebührenermäßigungen, um das Honorar der freiberuflichen Musiklehrer von 21,00 auf 24,75 Euro anheben zu können.

Laura Oetzel, Sprecherin des Forums der Honorarkräfte, dankte den Politikern. Sie erinnerte aber auch an die Folgen der Gebührenanpassung für einkommensschwache Familien. Ihre Sorge galt zudem der weiterhin schwierigen Situation der selbstständigen Honorarkräfte: „Jeder Beitrag mehr ist eine spürbare Erleichterung, aber wir laufen immer Gefahr in die Armut zu fallen, wenn uns irgendwelche Widrigkeiten passieren“, sagt Oetzel.

Im September 2019 hatten die Honorarkräfte mit einem Flashmob vor dem Rathaus sowie einem Vortrag im Ausschuss Alarm geschlagen. Mit Tamburinen, Trompeten und Megafon hatten sie auf ihre Situation aufmerksam gemacht: Etwa zwei Drittel der 60 Musikschulmitarbeiter arbeiten als Honorarkräfte, also als Freiberufler ohne Krankengeld, Urlaubsanspruch oder längerem Kündigungsschutz. Dafür erhielten sie bislang ein Honorar, das seit dem Jahr 2011 nicht mehr angepasst wurde.

In den vergangenen Monaten hatte die Stadtverwaltung mit den Honorarkräften und der Politik nach Wegen gesucht, die Situation zu verbessern. Der finanzielle Rahmen war und ist durch das Haushaltssicherungskonzept sowie die Risiken, durch eine Gebührenerhöhung Mitglieder der Musikschule zu verlieren, eng gesteckt.

Neben mehr Honorar hatten die Honorarkräfte auch gefordert, Honorarverträge der arbeitnehmerähnlich tätigen Mitarbeiter zu regulären Arbeitsverträgen umzuwandeln. Für letzteres laufe derzeit in Abstimmung mit der Kämmerei eine Einzelfallprüfung, teilte der Beigeordnete Ali Dogan der Politik mit: „Für einen nicht zu vernachlässigenden Anteil der Honorarkräfte wird eine arbeitnehmerähnliche Tätigkeit vorliegen.“ Bei der Honorarfrage unterstrich Dogan ebenfalls dringenden Handlungsbedarf: „Der Brief der Honorarkräfte hat noch einmal deutlich gemacht, dass wir in diesem Bereich lange Zeit nicht nachgesteuert haben. Insofern hätten wir vielleicht früher tätig werden müssen – das haben wir jetzt aber nachgeholt.“

Um das Honorar um rund 18 Prozent auf 24,75 Euro zu erhöhen und zukünftig mit Tariferhöhungen der Branche mitsteigen zu lassen, hat die Verwaltung buchstäblich jeden Cent im Musikschulhaushalt umgedreht und eine Satzungsänderung zum 1. August 2020 vorgesehen: Die Kürzung des Rabatts für Inhaber der Ehrenamtskarte von 50 auf 25 Prozent ermöglicht eine Honorarerhöhung um 21 Cent. Weitere 2,01 Euro für das Honorar soll die Abschaffung des zehnprozentigen Rabatts für Familien mit mehr als drei Kindern zusätzlich zum Geschwisterrabatt bringen.

Weitere 63 Cent kommen aus der Anpassung des Geschwister- und Familienrabatts, der von 15 auf 10 Prozent beim zweiten Teilnehmer, 25 auf 20 Prozent beim dritten Teilnehmer sowie 30 statt 40 Prozent beim vierten Schüler einer Familie angepasst wird. Zusätzlich erhöhte Landesfördermittel in Höhe von 5.000 Euro sollen ebenfalls in die Honorarerhöhung fließen. Inhaber des Sankt Augustin-Ausweises müssen zukünftig einen Eigenanteil von 15 Euro im Monat leisten.

Zum 1. Januar 2021 ist zudem die nächste reguläre Gebührenerhöhung in der Musikschule Sankt Augustin um 2,5 Prozent geplant. In Fächern, die im regionalen Vergleich besonders günstig sind, könnte diese auch höher ausfallen. „Gleichzeitig haben wir trotz Reduzierung der Rabatte im Vergleich zu Musikschulen im Rhein-Sieg-Kreis weiterhin eine günstige und zugleich qualitativ hochwertige Musikschule“, betonte Ali Dogan mit Verweis auf eine Aufstellung aller Musikschulgebühren in der Region: „Das ist nun das maximal Mögliche unter den Bedingungen, die wir haben.“