Wanderung: Mit dem Esel von Menden über die Alpen an Mittelmeer

Wanderung : Mit dem Esel von Menden über die Alpen an Mittelmeer

Josef Laqua, Günter Neuhalfen, Pepe und Paula haben am Samstag eine ganz besondere Reise angetreten: Die zwei Männer und ihre beiden Esel wollen zu Fuß von Sankt Augustin-Menden bis ans Mittelmeer wandern.

„Am Ende werden wir vier zusammengewachsene Esel sein“, sagte Günter Neuhalfen am Samstag, als er gemeinsam mit Josef Laqua seine Taschen packte und sich mit Pepe und Paula auf den Weg machte. Das „Ende“, das ist das Mittelmeer in rund tausend Kilometern Entfernung, wohin die beiden Freunde gemeinsam mit ihren beiden Eseln nun wandern.

Am Samstag ging es los, in Menden am Marktplatz, gleich neben dem Mendener Heu-Esel und in Begleitung zahlreicher neugieriger Mendener und Freunde. Von Menden ans Mittelmeer mit Eseln – so verrückt sei die Sache eigentlich nicht, sagt Günter Neuhalfen nüchtern: „Josef hatte irgendwann einmal das Buch „Der Weg“ in die Hand bekommen, in dem es um die GTA ging, die Grande Traversata delle Alpi, die große Alpenüberquerung zu Fuß in 65 Tagesetappen. Das klang spannend.“

Ein Jahr Training

Die beiden Freunde, die sich seit Sandkastenzeiten im Mendener Kindergarten kennen, sind seit Jugendtagen gemeinsam auf Reisen, von der Eifel über die Zentralalpen bis zum Grand Canyon. Die Alpenüberquerung trugen beide lange mit sich herum, sagt Neuhalfen, „aber als die Idee geboren wurde, gab es noch keine Handys. Also wollten wir einen Großesel dabei haben – für den Fall, wenn einem von uns was passiert, der Esel denjenigen zurück ins Tal tragen könnte.“ Weihnachten vor vier Jahren saßen Günter Neuhalfen, der heute in Bielefeld lebt, und der Wahl-Rheinbacher Josef Laqua zusammen.

Irgendwann sei man auf die Esel-Wanderung gekommen – und aus der Idee wurde ein Plan geschmiedet, sagt Neuhalfen: „Im Mai 2017 habe ich die Esel Pepe (10) und Paula (18), das ist die Mutter von Pepe, im ostwestfälischen Mühlhausen gekauft. Seitdem trainieren wir gemeinsam.“ Über Kanaldeckel laufen, kleine Bäche überqueren, Treppenstufen erklimmen – alles kein Problem, bestätigt Eselführer Josef Laqua: „Die sind stressresistent, denen kann man viel beibringen und sie sind wirklich neugierig.“

Am Samstag präsentierten sich die Esel von ihrer besten Seite. Kopfmassage, Ohrenkraulen, liebevolle Hufpflege, dazu noch eine Möhre – den tierischen Wanderfreunden mangelte es nicht an Aufmerksamkeit. Derweil packten ihre beiden Eselführer die Taschen. „Wir haben kleines Gepäck und doch alles dabei“, sagte Neuhalfen: „Wir wollen täglich Unterkünfte suchen, aber sind auch darauf vorbereitet, eine Nacht im Zelt oder unter freiem Himmel zu verbringen. Jeder hat nur zwei Garnituren Kleidung dabei, die wir täglich wechseln.“

20 bis 25 Kilometer am Tag

Zwei Packsattel verteilen die Lasten schonend auf den Rücken der Esel, berichtete Josef Laqua. Dazu gibt es Sattel der neuesten Generation, die exakt auf die Esel eingestellt werden können. Dass Pepe und Paula unterwegs schlapp machen, hält Günter Neuhalfen für unwahrscheinlich: „Wir haben 20 bis 25 Kilometer am Stück trainiert, die beiden machen wirklich gut mit.“ Zudem laufen sie mit speziellen Schuhen: Das Gift der Hufe seien Split und kleine Steinchen am Straßenrand und auf wassergebundenen Waldwegen.

Verletzungen und Entzündungen wolle man vermeiden, um esel- und menschenschonend irgendwann sicher und gesund am Mittelmeer im italienischen Ventimiglia 15 Kilometer östlich von Monaco anzukommen. Wann genau, das wissen sie nicht, sagt Günter Neuhalfen: „Irgendwann im September oder Oktober – auf jeden Fall noch vor dem kalten Winter. Zurück lassen wir uns dann abholen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.“

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