Neues Schulkonzept: Mehr Spaß am Lernen an Sankt Augustiner Gymnasium

Neues Schulkonzept : Mehr Spaß am Lernen an Sankt Augustiner Gymnasium

Das Rhein-Sieg-Gymnasium in Sankt Augustin führt ab dem kommenden Schuljahr die Dalton-Pädagogik ein. Für die Schüler bedeutet das, dass sie ein Drittel ihrer Zeit in der Schule wählen können, welches Fach, welchen Lehrer und welchen Raum sie nutzen möchten.

Nach den Sommerferien 2019 wird eine neue Lernfreiheit ins Rhein-Sieg-Gymnasium (RSG) einziehen. Sie nennt sich Dalton-Pädagogik und soll den Gymnasiasten in zwei Schulstunden am Tag Möglichkeiten eröffnen, selbstständiges Lernen zu lernen. Für die RSG-Schüler bedeutet das, dass sie ein Drittel ihrer Zeit in der Schule wählen können, welches Fach, welchen Lehrer und welchen Raum sie nutzen möchten, um ihren Wochenplan zu erarbeiten. Auch mit den Mitschülern darf oder soll sich während dieser Zeit verabredet werden. „Das Setting ist, dass das Lernen angenehm werden soll, und dazu kann man sich jemanden suchen, der im besten Fall ein Freund ist“, sagt der stellvertretende RSG-Schulleiter Christoph Spieß.

Der Name des Konzeptes geht auf die Stadt Dalton in Massachusetts zurück, wo schon 1917 mit dieser Selbstlernmethode experimentiert wurde. Während in den Niederlanden, in Österreich aber auch in Tschechien das Dalton-Konzept bereits weit verbreitet ist, findet es in Deutschland nach und nach seinen Weg in die Schulen. „Das Gymnasium in Alsdorf in NRW hat die Dalton-Pädagogik bekannt gemacht“, sagt Schulleiterin Birgit Fels. Die Schule habe sogar 2013 den Deutschen Schulpreis erhalten. Immer mehr Schulen steigen um, denn die Erfahrungen seien wirklich gut, so Fels.

Seit 2015 wird das Konzept im Rhein-Sieg-Gymnasium vorbereitet. „Wir haben in einer Schulentwicklungsgruppe angefangen und zunächst geschaut, wo es Verbesserungsbedarf gibt“, beschreibt Fels die Entwicklung. „Es ist vor allem die innere Verbindung der Schüler zu dem, was sie lernen, die oftmals gefehlt hat.“ Wenn Schüler scheiterten, liege das meist nicht an mangelndem Intellekt, sondern es fehle das Wissen, wie sie arbeiten sollen. Und auch die innere Notwendigkeit, dass sie etwas tun sollen, sei nicht unbedingt vorhanden.

Dalton-Stunden

Das soll sich mit Dalton ändern. Während die Fünftklässler mit fünf Dalton-Stunden starten und zu Beginn auch noch stark in ihrer Dalton-Zeit an den Lehrer gebunden sind, haben die Schüler der Klassen sechs bis zehn die Wahl und alle dazu gehörenden Freiheiten. Zwei von sechs Stunden ihres Schultages werden in Zukunft Dalton-Stunden sein.

„An sie werden Fünfwochenpläne ausgeteilt, wo verzeichnet ist, was sie in der jeweiligen Woche erarbeiten sollen“, beschreibt die zuständige Lehrerin für das Dalton-Konzept, Maj-Britt Sönksen, das Verfahren. Sie hat viele Schulen besucht, an denen dieses Konzept bereits umgesetzt wurde. „Ich habe vor allem mit den Schülern gesprochen“, erzählt Sönksen. Sie seien am Anfang durchaus skeptisch gewesen. Letztendlich sei man sich jedoch einig, dass Schule so viel mehr Spaß mache. Auch unter den Kollegen des RSG gebe es skeptische Stimmen, sagt Fels. „Das ist gut so“, denn es mache deutlich, dass die Freiheiten auch zu Fallen oder Stolpersteinen werden könnten.

„Auf der anderen Seite gibt es kein pädagogisches Konzept, das so viele Möglichkeiten bietet, um auf die individuellen Schwächen oder Stärken der Schüler zu reagieren“, ist die Schulleiterin überzeugt. Schüler mit Stärken in Mathematik müssen nicht zum fünften Mal mathematische Formeln rechnen, die sie schon längst verstanden haben, sondern können sich stattdessen den Fächern intensiver widmen, wo es möglicherweise Defizite gibt. Zusätzlich zu den zwei Dalton-Stunden pro Tag gibt es eine Dalton-Stunde obendrauf als Förder- oder Fachstunde.

Schulleiterin erkennt Positives

Trotz der Freiheiten in der Dalton-Zeit wird auch dort durchaus kontrolliert und abgezeichnet, ähnlich wie es schon jetzt im RSG-LOGin geschieht. „Es ist die Freiheit in Gebundenheit, die wir anbieten möchten“, formuliert es Fels. Als positiv werten die Lehrer auch die bessere Einbindung der Eltern, die anhand der Wochenpläne ihrer Kinder genau nachvollziehen können, was aktuell im Unterricht und in den Dalton-Stunden ebenso wie in den klassischen Fachstunden erarbeitet wird. „Wir werden damit noch transparenter“, sagt Spieß. Ohnehin werde es einen Dalton-Rat geben, dem Schüler, Eltern und Lehrer angehören.

Unterm Strich kann die Schulleiterin an der bevorstehenden konzeptionellen und pädagogischen Umstellung nur Positives erkennen. „Wir werden früher merken, an welchen Stellen es hakt.“ Auch Lernen müsse gelernt sein und selbstständiges Lernen sei die Grundvoraussetzung sowohl für die Oberstufe, aber noch mehr für das spätere Studium. Ängste, dass aufgrund der Freiheiten schwierige Schüler durch das Raster fallen könnten, haben die Pädagogen nicht. „Es gibt immer individuelle Lösungen auch für Kinder, die mit dieser Freiheit zunächst nicht zurechtkommen. Im Gegenteil: Für sie ist das neue Konzept zum einen ein geeignetes Mittel zur Qualitätssicherung, zum anderen auch zur engeren Zusammenarbeit im Lehrerkollegium“, sagt Fels.

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