Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin: "Kunstorte No.14": Kunst auf dem Campus

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin : "Kunstorte No.14": Kunst auf dem Campus

Auf dem Campus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gibt es derzeit Ungewöhnliches zu bestaunen. 14 Künstlerinnen und Künstler haben den Standort Sankt Augustin in ein Kunstprojekt integriert.

Für die Hochschule eher ungewöhnlich, da sie sich hauptsächlich auf technische Studiengänge konzentriert. Für Hochschulpräsident Hartmut Ihne war dennoch klar, dass er dem aktuellen Projekt Raum geben wollte. „Wir sollten so etwas am Platz haben. Kunst und Wissenschaft gehören zusammen. Unsere Studenten sind alle sehr technisch orientiert, was sie tun und ausarbeiten ist von Anfang bis Ende durchstrukturiert. So lösen sie Probleme. Aber das ist eben nicht immer auf direktem Wege möglich. Im Leben am allerwenigsten.“

Initiator „Er_ich.eS“ alias Ulrich Höller war begeistert von dem Angebot, auf dem Campus der Hochschule Kunst schaffen zu können. „Es ist eine tolle Möglichkeit in einem Tempel des Denkens zu arbeiten. Denn Kunst bricht auf, sie zerschießt Mauern.“

Das spiegeln auch die Arbeiten der Künstler wieder. Deren einzige Vorgabe war, dass ihre Werke einen Bezug zum Ausstellungsgelände und dessen Umfeld haben müssen und sich dabei direkt vor Ort entwickeln. Da ist zum Beispiel Anja Neimöcks Kunstwerk mit dem Titel „Die Geister, die ich rief“. Alte Negative wurden in einen Binärcode verwandelt, eine deutliche Verbindung zwischen dem analogen und dem digitalen Zeitalter.

Auf Stäbe montierte Vinylplatten und CDs

„Genau diese Verbindung, die macht uns heute aus. Das sind wir“, so Neimöck. Anna Henrichs Kunstwerk mit dem Titel „Waffeln müssen fliegen können wie Frisbeescheiben“ lässt den Betrachter im ersten Moment stutzen. Da steht ein zerstörtes Sofa mit Plastikkanistern und Plastikkegeln auf einem Berg voller Schutt, darum herum gruppiert sind auf Stäbe montierte Vinylplatten und CDs.

„Es ist schwer, zu erklären, was beim Schaffensprozess in mir vorgeht“, so die Künstlerin. So entstand das Werk in Symbiose aus einem Satz, gleichzeitig dem Titel, den ihre Tante immer wieder auf Familienfesten fallen lies, Ideen über die kürzlich infrage gestellte Gravitationstheorie und einem alten Familiensofa, das bereits zwei Weltkriege überlebt hatte.

Besonders nachdenklich macht das Kunstwerk „Angekommen“ der Siegburger Künstlerin Martina Claßen. Ihre in Kisten verpackten Schuhe wurden in einer Nachtaktion von Unbekannten aus ihren Behältnissen gerissen. Nun liegen sie auf einem Haufen rund um die Kisten herum. „Ich hätte mich nie getraut, so etwas destruktives zu schaffen. Aber vielleicht ist es so noch aussagekräftiger. Auch wenn viele Studenten die Assoziation hatten: Das ist nicht Lesbos und auch nicht Lampedusa. Das ist die Welt um uns herum.“

Die Ausstellung dauert noch bis einschließlich Donnerstag, 19 Mai. Weitere Informationen zum Projekt unter www.kunstorte.jimdo.com