Bedrohte Tierarten: Küken schlüpfen in Troisdorfer Kita

Bedrohte Tierarten : Küken schlüpfen in Troisdorfer Kita

Das Kindergarten-Projekt des Erhaltungszuchtvereins aus Hangelar ist ein voller Erfolg. Einerseits werden bedrohte Tierarten vor dem Aussterben geschützt, andererseits lernen die Kinder eine Menge über die Aufzucht.

Die fünfjährige Frida schaut gebannt nach unten. Sie hält in ihren Händen ein kleines gelb gefiedertes Küken, das sich mit geschlossenen Augen aufgeplustert und es sich dort gemütlich gemacht hat. Gemeinsam mit den Kindern der Käfergruppe hat sie in den vergangenen Wochen im Brutkasten verfolgt, wie die Eier ausgebrütet wurden und die Küken schlüpften. „Das hat lange gedauert“, erzählt der fünfjährige Louis-John.

Kindern die Möglichkeit bieten, den Zyklus vom Ei zum kleinen Küken mitzuverfolgen, ist eines der Anliegen des Erhaltungszuchtvereins für Rassegeflügel aus Sankt Augustin-Hangelar. „Viele Kinder denken, die Eier seien bunt und kämen vom Aldi“, erzählt Geschäftsführerin Angelika Bloch. „Genau das wollen wir ändern.“ In der Katholischen Kindertagesstätte und dem Familienzentrum St. Monika in Troisdorf-Sieglar wurden so in den vergangenen Wochen graue Welsumer und Jersey Giants ausgebrütet.

Erste Eier schlüpfen nach 20 Tagen

Geduldig hat Erzieherin Jandira Spremberg, die das Projekt bereits zum dritten Mal begleitet, mit ihren Kolleginnen den Kindern in Büchern und auf Bildern gezeigt, wie das Küken im Ei wächst und schließlich schlüpft. Bruno Bloch, Vorsitzender des Sankt Augustiner Vereins, hat sie dabei begleitet und erläutert den Brutprozess. „Nach einer ersten dreitägigen Ruhephase werden die Eier im Brutkasten gleichmäßig von links nach rechts bewegt.“

17 Tage dauere es, bis die Eier wieder Ruhe benötigen, denn ab dem 20. Tag schlüpfen die ersten Tiere. Dann wird auch die Luftfeuchtigkeit auf 80 Prozent erhöht. Das unterstütze die Tiere dabei, die Schale zu zerstören, sagt Bloch. Aus 40 Eiern schlüpften im Brutkasten der Kita nun 17 Küken. „Das ist aber ganz normal“, so Bloch. „Man weiß vorher nie, welche Eier befruchtet sind und welche nicht.“ Am 10. Tag kam Bloch in die Kita, um genau das gemeinsam mit den Kindern zu prüfen.

Mithilfe einer Schierlampe wurden die Eier durchleuchtet. Entwickelte sich im Ei ein Küken, konnten die Kinder einen schwarzen Punkt in der Mitte des Eies entdecken. Das hat Kinder wie Erzieher besonders beeindruckt. Was die Tiere fressen? „Körner und Würmer“, erzählt die vierjährige Arina. Das ist gar nicht nach Louis-Johns Geschmack, er verzieht das Gesicht.

Bewahrt Tiere vor dem Aussterben

„Aber die können nicht wie wir Kartoffeln essen“, weiß der vierjährige Lukas zu berichten. Angelika Bloch freut sich immer wieder, wenn die Kinder Neues lernen und den Zusammenhang zwischen Ei und Huhn herstellen. „Das ist eine wirkliche Herzensangelegenheit“, betont sie.

Der Erhaltungszuchtverein wurde 1983 mit dem Ziel gegründet, aussterbende Hühnerrassen zu erhalten, und fördert so besonders die Aufzucht von Tieren, die auf der roten Liste stehen. Seit den 1980er Jahren besteht auch das Kindergarten-Projekt. Etwa fünf Bruten betreut Bloch im Jahr.

„Es ist immer gewährleistet, dass die Küken auch nach der Zeit in der Kita ein Zuhause und viel Auslauf haben“, versichert Angelika Bloch. Auch die männlichen Küken würden natürlich weiteraufgezogen. In wenigen Tagen nimmt der Züchter die Tiere wieder zu sich.

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