Klimaschutz: Konzept für ein besseres Klima in Sankt Augustin

Klimaschutz : Konzept für ein besseres Klima in Sankt Augustin

Sankt Augustiner Stadtverwaltung stellt Einsparziele vor. Städtische Gebäude sollen regelmäßig auf ihre Energieffizienz überprüft, Erneuerbaren Energien gesteigert und mehr Radwege gebaut werden.

Wo steht die Stadt Sankt Augustin beim Ausstoß schädlicher Treibhausgase? Wie hoch ist der Verbrauch von Heizöl, Erdgas und Strom? Und wo gibt es Einsparpotenziale? Antworten auf diese Fragen liefert das integrierte Klimaschutzkonzept, dass die Verwaltung am Dienstag im Umwelt, Planungs- und Verkehrsausschuss vorgestellt hat. Für den Ersten Beigeordneten Rainer Gleß ist es zwingend nötig, „um die Energiewende auf kommunaler Ebene umsetzen zu können“.

Das Thema Klimaschutz ist bereits seit gut zehn Jahren in der Stadt präsent. 2007 legte die Verwaltung einen Fahrplan für den Klimaschutz auf, in dem die wichtigsten Themenfelder festgeschrieben wurden. Darauf baut das neue Konzept nun auf, allerdings mit einem großen Unterschied: Basis ist eine detaillierte CO2-Bilanz.

„Es ist einer der Meilensteine, den wir zu erledigen hatten“, so Gleß. Die Bilanz zeigt etwa auf, welche Sektoren den größten Einfluss auf den Treibhausgasausstoß im Stadtgebiet haben. In Sankt Augustin sind das vor allem die Bereiche Haushalt und Verkehr, die künftig Handlungsschwerpunkte sein sollen. Der Anteil der kommunalen Verwaltung und Infrastruktur ist mit rund zwei Prozent dagegen relativ gering.

Stadt will Klimaziele festlegen

Grundsätzlich zeigt sich: Der Endenergieverbrauch ist in der Stadt seit 1990 leicht um zwei Prozent auf 1135 Gigawattstunden im Jahr (2014) gefallen. Bei den Treibhausgasen zeigt sich eine deutlichere Abnahme um 13,5 Prozent von 428 000 Tonnen 1990 auf 369 000 Tonnen 2014. „Da stehen wir Gott sei dank glücklicher da“, sagte Gerhard Kasper, Leiter des Büros für Natur- und Umweltschutz (BNU). „Das haben wir aber nicht der Energieeinsparung zu verdanken, sondern der umweltfreundlicheren Stromerzeugung.“

Um den Verbrauch weiter zu senken, hat das BNU einen ganzen Katalog an Vorhaben erarbeitet. Er soll in den kommenden Jahren abgearbeitet werden; die ersten bis 2022. Einige Projekte laufen bereits: So wird seit 2013 die Straßenbeleuchtung durch stromsparendere LEDs ersetzt. „Das ist der Part, wo wirklich Strom eingespart worden ist.

Das wollen wir noch weiter forcieren“, sagte Natalie Nellißen vom BNU. Ein Beispiel ist auch der Neubau des Jugendzentrums. Dort soll die Energieeinsparung später über dem gesetzlichen Standard liegen – und das Gebäude damit als Vorbild dienen. Denn die Verwaltung hat relativ wenig Handhabe, um auf Gebäudeeigentümer oder Gewerbe einzuwirken. Die eigenen Gebäude hat die Stadt auch im Blick: Sie sollen regelmäßig überprüft werden.

Steigerung der Erneuerbaren Energien

„40 Prozent der Gebäude sind in den 70er Jahren entstanden, in einer Zeit als energiepolitisch viel Unsinn passiert ist“, sagte Gleß. Im Zentrum des Konzepts steht zudem die Entwicklung eines Klimaleitbildes. „Es wird darum gehen, dass wir als Stadt realistische Zielvorgaben haben, in welchem Zeithorizont wir welche Ziele erreichen können“, so Nellißen.

Ziele könnten etwa eine weitere Steigerung der Erneuerbaren Energien sein. Auch das Thema Radwege und Fußverkehr sei zu beachten. „Gerade im Alltagsverkehr auf kurzen Strecken mit dem Auto entstehen viele Emissionen“, so Nellißen. Aber auch die Wirtschaft soll mit im Boot sein und explizit beraten werden. Darüber hinaus möchte die Stadtverwaltung Carsharing für Dienstfahrten einführen, die Dienstwagen auf E-Autos umstellen, wo es sinnvoll ist, sowie nachhaltige Mobilität fördern.

Einstimmig beschloss der Ausschuss dieses energiepolitische Arbeitsprogramm, mit dem die Stadt auch am European Energy Award teilnimmt, einem Zertifizierungsverfahren für kommunalen Klimaschutz. Kritik gab es dennoch von den Grünen. Sie forderten eine bessere und entschlossenere Umsetzung der Ideen. Die Bilanz der bisherigen Klimaschutz-Aktivitäten der Verwaltung nach zehn Jahren sei ernüchternd, so Martin Metz. Das neue Programm sei gut, müsse aber noch erweitert werden.