Gemeinde als Bauherr: Kirche baut Mehrfamilienhaus in Niederpleis

Gemeinde als Bauherr : Kirche baut Mehrfamilienhaus in Niederpleis

Die katholische Gemeinde Sankt Martinus in Sankt Augustin-Niederpleis fungiert erstmals als Bauherr: Sie errichtet ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen. Das Gebäude soll 2020 bezugsfertig sein.

Die katholische Kirchengemeinde Sankt Martinus Niederpleis geht neue Wege. Gemeinsam mit der EHP Wohnbau GmbH aus Siegburg als Projektentwickler schafft die Kirche Wohnraum an der Alten Marktstraße. Dort entsteht derzeit ein Mehrfamilienhaus mit zehn zum Teil behindertengerechten Wohnungen. Im November sind die Bauarbeiten gestartet.

„Es ist das erste Mal, dass die Kirchengemeinde Sankt Martinus als Bauherr agiert“, sagt Peter Köllmann, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands. Dazu nutzt sie ein Grundstück, das im Erbpachtbesitz der katholischen Kirche ist. Früher habe dort ein Gebäude gestanden, das als Jugendheim genutzt worden sei, so Köllmann. Es habe nicht mehr hergerichtet werden können und sei deshalb abgerissen worden. „Seither lag das Gelände brach.“ Und damit kam die Frage auf, wie das Grundstück zwischen Kita und alter Kaplanei weiter genutzt werden könnte. Da es laut dem Kirchenvorstand für kirchliche Zwecke wie etwa weitere Versammlungsräume keinen Bedarf gab, entschied sich die Gemeinde, dort Wohnungen zu errichten. „Wir sehen wie die Wohnsituation in Sankt Augustin ist“, so der geschäftsführende Vorsitzende. Sozial geförderten Wohnraum wird es in dem Gebäude aber nicht geben. Aufgrund zusätzlicher Auflagen entschied sich die Gemeinde dagegen.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich der Kirchenvorstand bereits mit dem Projekt. „Wir haben als ehrenamtliche Mitglieder viele Stunden investiert“, sagt Köllmann. Da ging es um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens, um Fragen der Finanzierung und die Genehmigungen von der Stadt Sankt Augustin und vom Erzbistum. „Es war ein langwieriger Prozess bis zum Spatenstich.“ Rund 2,5 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Finanziert wird der Bau aus Eigenmitteln. Dafür nutze die Kirchengemeinde Sankt Martinus Eigenkapital, für das es auf der Bank derzeit kaum noch Zinsen gebe, so Köllmann.

Kirchengemeinde als Vermieter

Dass eine Kirchengemeinde selbst als Bauherr tätig wird, ist laut Erzbistum Köln eher die Ausnahme. In den meisten Fällen werde das Kirchengrundstück kombiniert genutzt – als Beispiele nennt das Erzbistum erweiterte Kitagebäude mit angeschlossenen Wohnungen oder Wohnungen im Zusammenhang mit dem Pfarrzentrum. Grundstücke vergäben die Kirchengemeinden in der Regel im Erbbaurecht an Privatpersonen oder Investoren. Gegen Zahlung eines regelmäßigen Erbbauzinses würden sie somit das Recht erwerben, auf dem Grundstück ein Bauwerk zu errichten, teilt das Erzbistum weiter mit.

In Niederpleis wird die Kirchengemeinde später der Vermieter sein. Die ersten Interessenten für die Wohnungen haben sich laut Köllmann bereits gemeldet. Die Kriterien für die Auswahl der Mieter seien aber noch nicht festgelegt. Zunächst soll das Gebäude weiter in die Höhe wachsen. Die Kellerplatte wurde dazu schon vor Weihnachten gegossen, in der kommenden Woche sollen die Bauarbeiten weitergehen. Voraussichtlich ab Sommer 2020 sollen die Wohnungen dann vermietet werden.

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