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Schulen in Sankt Augustin: Kein Schulbus nach Birlinghoven

Schulen in Sankt Augustin : Kein Schulbus nach Birlinghoven

Für Susanne Madelung ist es jeden Schultag aufs Neue ärgerlich: der Rückweg ihres achtjährigen Sohnes aus der Offenen Gemeinschaftsgrundschule (OGGS) Pleiser Wald nach Birlinghoven.

Denn Birlinghoven hat als einziger Stadtteil keine Grundschule, dementsprechend müssen die Kinder in benachbarte Stadteile fahren - etwa in die OGGS Pleiser Wald. Und für den Rückweg gibt es keinen Schulbus. "Das ist im Alltag sehr lästig", sagte Madelung. Denn sie holt ihren Sohn entweder selbst ab oder organisiert Fahrgemeinschaften. Der Beigeordnete Marcus Lübken sagte am Mittwochabend im Schulausschuss: "Das Problem muss endlich gelöst werden."

Morgens ist der Schulweg kein Problem für die Kinder, es fährt ein Schulbus. Nachmittags sieht es anders aus: Die Kinder sind entweder im strukturierten Ganztagsangebot oder im Offenen Ganztag. Beide Betreuungsformen dauern jeweils bis 15 oder 16 Uhr. Der strukturierte Ganztag ist eine Form des Offenen Ganztags, dabei bleiben die Kinder nachmittags in ihrem Klassenverbund, lernen gemeinsam. Bei der Offenen Ganztagsschule sind die Schüler nachmittags nicht mehr in der jeweiligen Klassenform. Derzeit besuchen laut Stadt 18 Kinder aus Birlinghoven den strukturierten Ganztag.

Grundsätzlich wollen die Eltern direkt nach 15 Uhr einen Schulbus: Zwar fährt ein Bus der Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft mbH (RSVG) um 15.07 Uhr ab, aber die Linie 535 stoppt an der Haltestelle "Bahnstraße". Das ist 700 Meter von der Schule entfernt - und direkt an der Hauptstraße.

Eine mögliche Lösung wäre es, die Linie 535 eine Schleife fahren zu lassen: Die Kinder würden also an der Schule aufgesammelt. Doch dieser Idee hat die RSVG schon im Vorjahr eine Absage erteilt. Das bestehende Taktgefüge sei so nicht mehr zu halten, Anschlüsse nicht mehr möglich, so die Begründung. Gestern bestätigte die RSVG diese Einschätzung erneut.

Im Schuljahr 2013/2014 hatte die Stadt als Übergangslösung eigens einen Bus für sieben Schulkinder aus Birlinghoven eingerichtet. Kostenpunkt laut Stadtsprecherin Eva Stocksiefen: 21.000 Euro. Im Vorjahr stellte die Stadt das Angebot dann ein. Begründung: Eine Überprüfung habe ergeben, dass das Ganztagsangebot an der OGGS Pleiser Wald freiwillig sei - im Gegensatz zur gebundenen Form.

Die Stadt hat die 21.000 Euro also freiwillig ausgegeben. Das bedeutet: Will sie das Angebot wieder einführen, muss sie an anderer Stelle sparen, schließlich ist sie im Haushaltssicherungskonzept. Kreissprecherin Rita Lorenz sagte: "Letztlich entscheidet die Stadt, wofür sie ihr Geld bei den freiwilligen Leistungen ausgibt."

Der Ausschuss hat das Problem nun erneut diskutiert und zwei wesentliche Dinge beschlossen. Erstens: Die Verwaltung soll bei der Kommunalaufsicht des Kreises darauf hinarbeiten, dass diese den Offenen Ganztag nicht als freiwillige Leistung bezeichnet. Damit könnte die Stadt - sofern sie das möchte - einen Bustransfer einrichten, ohne an anderer Stelle zu sparen.

Und: Die Stadt soll parallel beim Land beantragen, dass dieser als Gesetzgeber den strukturiertem Ganztag dem gebundenen gleichstellt. Dann wäre es eine sogenannte pflichtige Leistung und die Stadt müsste die Kosten für den Bus tragen - ebenfalls ohne anderswo zu sparen. Ortsvorsteherin und SPD-Ausschussmitglied Heike Borowski sagte: "Wir suchen schon lange nach einer Lösung, das können wir den Eltern nicht mehr zumuten."