Die Schattenseiten einer digitalisierten Welt: Julia von Lucadou stellt Buch in Sankt Augustin vor

Die Schattenseiten einer digitalisierten Welt : Julia von Lucadou stellt Buch in Sankt Augustin vor

Julia von Lucadou liest in der Hochschulbibliothek in Sankt Augustin aus ihrem Debütroman „Die Hochhausspringerin“. 2018 wurde die Autorin mit ihrem Erstlingswerk für den Schweizer Buchpreis nominiert.

„Dein Herzschlag ist zu schnell“ , meldet der Health-Tracker. „Du hast heute zu wenig geschlafen.“ 24 Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche stehen die Protagonisten in Julia von Lucadous Debütroman „Die Hochhausspringerin“ unter totaler Überwachung. Sie leben in einer gläsernen Welt. Anpassung ist das höchste Gut. Es gibt kein Geld mehr, Credits sind die neue Währung, die sie erhalten, wenn sie sich anpassen und an die Regeln halten. Handeln sie nicht konform, werden sie aus der Stadt ausgewiesen und landen in den Peripherien, wo die Menschen in Baracken leben. „Die Hochhausspringerin“ ist der Debüt-Roman der Autorin und promovierten Filmwissenschaftlerin Julia von Lucadou. Am Montag, 27. Mai, ist sie zu Gast auf dem Sofa in der Bibliothek der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Grantham-Allee 20 in Sankt Augustin, und liest aus ihrem Roman. Die Hochschul- und Kreisbibliothek lädt in Kooperation mit der Bücherstube Sankt Augustin und dem General-Anzeiger zu der Veranstaltung.

Das Buch: Riva ist der Star der Stadt. Die junge Frau ist Hochhausspringerin. In glänzenden Flysuits springt sie von Hochhäusern Hunderte Meter in die Tiefe, um kurz vor dem Boden wieder in die Höhe zu schießen. Von einem auf den anderen Tag verweigert sie ihr Training und verkriecht sich in ihrer Wohnung. Die Wirtschaftspsychologin Hitomi wird beauftragt, Riva wieder zum Springen zu bewegen. Wichtige Werbeverträge hängen von ihrem Erfolg ab. Sie beginnt, jeden von Rivas Schritten zu überwachen, und merkt dabei nicht, wie auch sie unter ständiger Beobachtung steht. Scheitert sie, wird sie aus der Stadt verwiesen.

Die Autorin:Julia von Lucadou wurde 1982 in Heidelberg geboren. Sie studierte Film und Theater und promovierte 2015 an der Universität Mainz. Von Lucadou arbeitet als Regieassistentin, Fernsehredakteurin und Simulationspatientin. „Die Hochhausspringerin“ ist ihr erster Roman, für den sie 2018 für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde. Sie lebt in Lausanne, New York und Köln.

Das meint der GA: Der Leser fühlt sich, als blicke er selbst ständig durch eine Kamera, um die Protagonisten zu beobachten. Julia von Lucadous Erzählung der ständigen Überwachung durch Kameras, Tablets und Health-Tracker kommt unserer digitalisierten Gesellschaft erschreckend nah und zeigt, wohin die freiwillige Selbstüberwachung führen kann.

Die Lesung: Julia von Lucadou liest am Montag, 27. Mai, ab 19.30 Uhr in der Hochschulbibliothek, Grantham-Allee 20 in Sankt Augustin. Karten kosten an der Abendkasse zehn, ermäßigt sechs Euro. Reservierungen sind unter 0 22 41/86 56 80 möglich.