Debatten an 21 Tischen: Jugendliche diskutieren mit Experten in Sankt Augustin

Debatten an 21 Tischen : Jugendliche diskutieren mit Experten in Sankt Augustin

Schüler und Politiker sowie Mitarbeiter der Stadt kommen beim Speed-Debating in der Fritz-Bauer-Gesamtschule zu einem lebhaften Austausch zusammen. 40 Schüler der weiterführenden Schulen in Sankt Augustin konnten den Fachleuten mit ihren Fragen auf den Zahn fühlen.

Wie funktioniert eigentlich Politik? Wieso können wir unsere Stundenpläne nicht selbst gestalten, und hat ein Bürgermeister noch Träume? Es gibt viele Fragen und Anliegen, die den Jugendlichen in Sankt Augustin auf der Seele brennen. Beim zweiten Speed-Debating konnten sie diese direkt an die entsprechenden Adressaten aus Verwaltung und Politik richten.

Speed-Debating ist wie Speed-Dating. Nur flirtet man nicht mit Menschen, sondern ungezwungen mit neuen Themen und der Politik. Der Debatte auf die Sprünge half am gestrigen Mittwoch die Stadt Sankt Augustin, die im vergangen Jahr das Speed-Debating zum ersten Mal erfolgreich durchgeführt hatte. Es ist das vierte Modul zur Jugendpartizipation in der Stadt.

Gestern saßen sich bei der zweiten Auflage im Mehrzweckraum der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Menden 40 Schüler aus den 8. bis 10. Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen in Sankt Augustin, einschließlich der Frida-Kahlo-Schule-Förderschule an 21 Tischen Experten aus der Lokalpolitik, aus der Stadtverwaltung und aus den für Jugendliche relevanten Bereichen des öffentlichen Lebens gegenüber, um Fragen zu stellen und Ideen auszutauschen.

Vier Minuten für eine Runde

Vier Minuten dauerte jede Runde, in der die Jugendlichen die Amtsträger löchern konnten. Begonnen und beendet wurden die Gespräche immer durch einen lauten Gong, dann rückten die Schüler einen Tisch weiter. Da konnte man auch mal mit dem Bürgermeister über dessen Träume philosophieren.

Die Hauptschüler Jennifer Rüth und Marco Schütz (beide 16) suchten das Gespräch mit Josefine Dedenbach von der Stadtverwaltung. „Es fühlt sich für uns immer so an, als wäre für Gymnasien mehr Geld da. Bei uns in der Schule ist viel kaputt, und die Ausstattung auch nicht gerade die aktuellste.“ Dedenbach konnte ihnen erklärende Auskunft erteilen: „Die Stadt hat einen Topf für die IT-Ausstattung und Mobiliar. Die Gelder stehen bereit, und die Schulen werden gefragt, was sie brauchen. Die Hauptschule ruft einfach nicht so viel ab. Ich habe mir das notiert und werde noch mal den Kontakt mit der Schulleitung suchen.“ Eine durchaus überraschende Antwort für die Schüler. „Dabei heißt es immer, es wäre kein Geld da“, wundert sich Marco.

Den Fragenkatalog haben die Schüler zuvor gemeinsam erarbeitet. Pro Schule hatten sechs Schüler die Möglichkeit, beim Speed-Debating teilzunehmen und ihre Anliegen vorzubringen. In den nächsten Tagen werden sie als Multiplikatoren in ihren Schulen ihre Erfahrungen und Ergebnisse aus der Veranstaltung mitteilen.

Beiderseitiger Informationsaustausch

Das Ziel des Speed-Debatings ist vor allem ein „Ins-Gespräch-Kommen“ zum beiderseitigen Informationsaustausch. Zudem sollen den jungen Leuten kommunale Zusammenhänge verständlich gemacht werden. „Dabei treffen die Jugendlichen auch mal die Leute, an die sie sonst nicht rankommen“, so Sandra Clauß, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule in Sankt Augustin. Und sie erleben, dass sie und ihre Anliegen ernst genommen werden.

Die 16-jährige Realschülerin Jaqueline Krol ist Wiederholungstäterin. Sie war schon beim Speed-Debating im vergangenen Jahr dabei und nutzte ihre Chance, gleich einmal nachzuhören, was aus ihren Anregungen geworden ist. „Ich habe noch mal nachfragt, wann die Schule renoviert wird. Man hat mit gesagt, dass das Projekt auf der Warteliste steht.“

Auch die Experten an den Tischen konnten durchaus etwas für sich mitnehmen. Beispielsweise Stadtkämmerer Stephan Rupp, der das schwierige Thema Finanzen mit den jungen Leuten erörterte. „Wir sprechen viel über die großen Sachen wie Schwimmbäder, die geschlossen werden. Aber den Schülern geht es oft einfach nur um die kleinen Dinge, wie ein defekter Basketballkorb.“ Beim Speed-Debating bekomme er die Stimmung der Jugendlichen ungefiltert mit. „Und sie schaffen es, meinen Blick auch wieder auf kleinere, grundsätzliche Dinge zu lenken.“

Klaus Engels, Mitarbeiter im Fachdienst Jugendarbeit, hatte die Veranstaltung maßgeblich organisiert und war begeistert vom Engagement der jungen Leute, die alle sehr gut vorbereitet in die Fragerunden gingen. Das fiel auch Clauß auf: „Die Schüler sind super konzentriert, keiner stört und alle zeigen ein hohes Interesse.“ Auch Telefonnummern wurden ausgetauscht. Denn die Jugendlichen sollen auch Rückmeldung erhalten – spätestens bekommen sie diese jedoch beim Speed-Debating im nächsten Jahr.

Mehr von GA BONN