Bonner Luftfahrtpionier: Internationales Pilotentreffen in Hangelar

Bonner Luftfahrtpionier : Internationales Pilotentreffen in Hangelar

Luftfahrtgeschichte kann man am ersten Augustwochenende bei einem Spaziergang um das Flugplatzareal in Hangelar erleben. Anlässlich des 100. Geburtstags der Flugzeugbauers Alfons Pützer aus Bonn treffen sich Piloten aus der ganzen Welt.

Als einer der ältesten Verkehrslandeplätze der Bundesrepublik ist der Flugplatz Bonn/Hangelar weithin bekannt. Und das nicht erst, seitdem Kreuzkröten und Heidekraut im Jahr 2006 einen Papstbesuch vereitelten. Am Flugplatz wurde buchstäblich Luftfahrtgeschichte geschrieben.

Geschichte, die man am ersten Augustwochenende bei einem Spaziergang um das Flugplatzareal in der Luft beobachten können wird. Anlässlich des 100. Geburtstags von Alfons Pützer, der am 3. August 1918 in Bonn geboren wurde und dort im Jahr 1993 starb, werden Piloten aus Deutschland, England, den USA, Italien, den Benelux-Ländern und Frankreich nach Hangelar kommen, viele davon mit ihren historischen Flugzeugen, die alle etwas gemein haben: Sie wurden von Pützer konstruiert und gebaut und stehen bis heute für eine spannende Ingenieurs- und Luftfahrtgeschichte, in denen Hangelar eine zentrale Rolle gespielt hat.

1934 lernte Pützer in Bonn das Fliegen. Die später weltbekannten Gebrüder Horten holten den jungen flugbegeisterten Piloten noch während des Zweiten Weltkrieges als Konstrukteur ins eigene Unternehmen. Denn der junge Pützer hatte innovative Ideen für den Flugzeugbau, erinnert sich sein Sohn, der Bonner Notar Hanns-Jakob Pützer, für den die Organisation des Treffens „eine Wiederbegegnung mit meinem Vater ist. Sein Ziel war es, besonders preiswerte, verbrauchs- und geräuscharme Flugzeuge zu entwickeln“. Ein Novum zur Nachkriegszeit, als Flugzeuge überwiegend mit britischen und US-amerikanischen Motoren mit Doppelzündung geliefert wurden.

Alternativen gesucht

Groß, schwer, durstig nach Spezialbenzin und auch noch anfällig – Pützer suchte Alternativen. Die fand er in leichten VW-Motoren bei der Motorenfabrik Limbach in Eudenbach. Die Motoren wurden weiterentwickelt und zunächst in das zweisitzige Segelflugzeug „Doppelraab“ eingebaut: Die Anfang 1950 vorgestellte „Motorraab“

Per Lkw gingen die insgesamt vier gebauten „Motorraab“ vom holzverarbeitenden Betrieb Pützers an der Bornheimer Straße in Bonn zum Flugplatz Hangelar, wo die Flugzeuge erfolgreich getestet wurden. „Sie waren so konzipiert, dass sie auch ohne Motor sehr gut gleiten und landen konnten. Damit waren die ersten 'Motorsegler' erfunden – die Bezeichnung dieses ganz eigenen Flugzeugtyps hat mein Vater später durchgesetzt“, so Hanns-Jakob Pützer. Das war 1955. Bereits zwei Jahre später startete im November 1957 die „Pützer Elster“ – das erste von ihm selbst konstruierte Flugzeug, das mit einer Stückzahl von 45 Exemplaren zudem das erste deutsche Serienflugzeug nach dem Zweiten Weltkrieg werden sollte.

Derart erfolgreich war die Elster, dass Pützer damit die erste Ausschreibung der noch jungen Bundeswehr gewann und später auch die Ausbildung der ersten Bundeswehr-Piloten verantwortete. Auf dem Pariser Aerosalon lernte Pützer den französischen Flugzeugbauer René Fournier kennen – aus der Begegnung sollte wenig später das Unternehmen Sportavia-Pützer hervorgehen, das an der Dahlemer Binz eine große Flugzeugwerft mit über 554 weltweit exportierten Sportflugzeugen aufbaute. 1981 ging das Unternehmen in der Rhein-Flugzeugbau auf.

Es mangelte nie an innovativen Ideen

An innovativen Ideen habe es seinem Vater nie gemangelt, sagt Hanns-Jakob Pützer rückblickend: „In den 60er Jahren wurden viele Flugzeuge noch aus Metall oder Holz gebaut. Mein Vater hat damals das erste in Vollkunststoff gefertigte Motorflugzeug der Welt entwickelt – die LFU-205, die am 22. April 1968 am damals noch überschaubaren Flugplatz Köln/Bonn vorgestellt wurde.“ Qualitätsarbeit, die offenbar überzeugte: Erst im März 2018 wurde die damalige Weltneuheit aus ihrem Dienst als Forschungs- und Versuchsflugzeug der DLR entlassen und in den Besitz des Deutschen Museums übergeben.

Auch die gemeinsam mit René Fournier gebauten über 500 Flugzeuge vom Typ „RF“ sind vielfach noch im Dienst und werden als fliegende Sammlerstücke gehegt, weiß Dirk Wittkamp von der Fliegergemeinschaft Hangelar. Die Idee eines privaten Fliegertreffens griff der Hangelarer Verein direkt auf und unterstützte diese.

Auch die Piloten mit Christian Ludloff, Maria Forster, Jürgen Unterberg und Martin Birkmann, früher selbst Werftmitarbeiter auf der Dahlemer Binz und heute Eigentümer einer eigenen Flugzeugwerft in Hangelar, ließen sich für die Organisation des „Fly Ins“ sofort begeistern. 33 Flugzeuge werde man mindestens über Hangelar sehen, kündigen die Organisatoren an. Und ein ganz besonderer Gast wird zum „Fly In“, wie das private Pilotentreffen heißt, anreisen: Der mittlerweile 97-jährige Konstrukteur René Fournier will sich das Spektakel seiner fliegenden Oldtimer nicht entgehen lassen.

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