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Sankt Augustin: Händler im Huma-Einkaufszentrum von Ereignissen überrumpelt

Sankt Augustin : Händler im Huma-Einkaufszentrum von Ereignissen überrumpelt

Die Geschäftsleute im Huma-Einkaufszentrum in Sankt Augustin versuchen trotz widersprüchlicher Informationen von Stadt, Land und Bundesregierung, angemessen zu reagieren.

Angesichts der Corona-Pandemie hatte die NRW-Landesregierung bereits am Sonntagabend per Erlass angekündigt, den Betrieb von Einkaufszentren prüfen und einschränken zu wollen. Dennoch wurden die Geschäftsleute im Huma-Einkaufszentrum in Sankt Augustin am Montagnachmittag von den Ereignissen überrumpelt: Verunsicherte Unternehmer standen vor ihren Geschäften, während Centermanager Alexandros Papadopoulos zwischen Gesprächen mit dem Mobiltelefon und den Geschäftsleuten hin und her wechselte und von Geschäft zu Geschäft ging.

Auch das Ordnungsamt der Stadt Sankt Augustin hatte die Geschäftsleute gemäß NRW-Erlass aufgefordert, die Unternehmen „umgehend zu schließen“ oder „entsprechende Maßnahmen zum Schutz zu ergreifen“. So zumindest der Stand am Montag um kurz vor 17 Uhr, berichtete Optikermeister Lothar Kunz: „Ich habe sofort beim Ordnungsamt nachgefragt, aber es hieß, wir gehörten nicht zu den Unternehmen, die weiter geöffnet bleiben dürften. Also haben wir direkt zugemacht.“

Kunden, die morgens ihre Brille zur Eil-Reparatur abgegeben hatten, empfing der Optikermeister abends an der geschlossenen Tür auf Klopfsignal: „Die Menschen brauchen schließlich ihre Sehhilfen, um überhaupt zur Arbeit zu kommen oder ihr Auto fahren zu können. Und wir können die Reparaturen nur in unserer Werkstatt durchführen. Homeoffice funktioniert bei uns nicht.“ Anschließend packte er erste Kisten mit Kundenbrillen und Telefonnummern der Kunden: Kunz hat auf der Hangelarer Kölnstraße eine zweite Filiale, die von den Einschränkungen für Einkaufszentren nicht betroffen war. Als dann am Abend die Bundesregierung weitere Maßnahmen und Geschäftsschließungen ankündigte, war die Verunsicherung aber erneut groß: Auf der Liste jener Geschäfte, die weiter öffnen dürfen, standen Optiker nicht drauf.

Lothar Kunz, Optikermeister und seit 1977 Mieter im Huma-Einkaufszentrum, darf sein Geschäft nun doch weiter öffnen. Foto: Thomas Heinemann

„Wir haben die Kisten nach Hangelar gefahren und am Dienstagmorgen wieder zurück in die Huma Shoppingwelt“, sagte Kunz. Denn: Der Augenoptiker- und Optometristenverband NRW hatte in Erfahrung bringen können, dass die bayrische Landesregierung auch das Augenoptiker- und Hörakustikerhandwerk als Gesundheitshandwerk eingestuft und zur Öffnung freigegeben hat. Kunz zeigte eine Mitteilung und sagte: „Wir dürfen wieder ganz normal öffnen – zumindest ist das der Stand von heute.“

Der Optikermeister, der seit der Eröffnung im November 1977 Mieter im Huma-Einkaufszentrum ist, bleibt realistisch: „Wir wissen nicht, was morgen Neues auf uns zukommt. Herausforderungen haben wir in den letzten Jahrzehnten immer wieder gehabt. Aber diese Lage ist sehr dynamisch und im Moment kommen ohnehin nur Kunden zur Reparatur oder zum Austausch einer defekten Brille.“

Seine Nachbargeschäfte waren am Dienstag derweil alle geschlossen und die Restaurants und Bäckereien spärlich besucht. Nicht so die Außengastronomie am Karl-Gatzweiler-Platz, wo die Tische weiter als sonst auseinander gerückt oder mit aufgeklebten Hinweiszetteln gesperrt sind. „Das ist doch gespenstisch“, sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, angesichts der leeren Gänge im Einkaufszentrum: „Jeder hält ein wenig Abstand, alle sind angespannt.“ Das Ordnungsamt kontrolliere, ob die Geschäfte auch wirklich geschlossen seien, berichtete ein Geschäftsmann aus dem Obergeschoss hinter vorgehaltener Hand: „Und die Mitarbeiter vom Center achten darauf, dass sich hier keine Jugendlichen hinsetzen und chillen.“

Ein anderes Bild zeigte sich draußen auf dem Karl-Gatzweiler-Platz, wo die Stadt die Spielgeräte hinter Bauzäunen versteckt hatte, sowie im Park vor dem Einkaufszentrum, in dem es sich Familien mit Kindern auf den Bänken, an der Boulebahn und auf dem Boulevard zur Südstraße in der Sonne gemütlich gemacht hatten. Darauf angesprochen sagten die befragten Geschäftsleute im Huma am Montagabend und Dienstagnachmittag unisono, dass sie bereits jetzt mit weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens und des Betriebs ihrer Geschäfte rechnen.