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1200 Kilometer: Gebürtige Mendener wandern mit zwei Eseln über die Alpen

1200 Kilometer : Gebürtige Mendener wandern mit zwei Eseln über die Alpen

Zwei gebürtige Mendener, die inzwischen in Bielefeld und Rheinbach leben, sind mehr als 110 Tage unterwegs und haben rund 1200 Kilometer zurückgelegt. Anfang Oktober wollen sie ihren Zielort Ventimiglia erreicht haben.

Das Ziel wird immer greifbarer. Kilometer für Kilometer, Tag für Tag kommen Günter Neuhalfen, Josef Laqua und die beiden Esel Pepe und Paula näher an den italienischen Mittelmeerort Ventimiglia heran. Mehr als 110 Tage sind die gebürtigen Mendener, die inzwischen in Bielefeld und Rheinbach leben, nun unterwegs. Zwischen 1100 bis 1200 Kilometer haben sie bereits zurückgelegt. Und seit ihrer Abreise am Heu-Esel in Menden Mitte April haben die 64-Jährigen auf ihrer besonderen Wandertour mit zwei Eseln bis zum Mittelmeer schon einiges erlebt.

Die Idee zur Wanderung war bei den Freunden lange gereift. Vor rund 30 Jahren bekam Josef Laqua das Buch „Der Weg“ über die große Alpenüberquerung, die Grande Traversata delle Alpi (GTA), in die Hände, seither ließ sie ihn nicht mehr los. Konkret wurden die Pläne aber erst vor vier Jahren. Im Mai 2017 kaufte Neuhalfen schließlich die Esel, und sie begannen das Training mit Pepe (10) und Paula (18). Die sind für den Fall eines Notfalls dabei – und ziehen als treue Begleiter ganz besonders viel Aufmerksamkeit auf sich.

„Es verging kaum ein Tag, an dem uns nicht nette Menschen angesprochen und nach dem woher und wohin gefragt haben“, berichtet Laqua vom ersten Abschnitt der Tour durch Deutschland. Meist natürlich verbunden mit einem Foto von Paula und Pepe und guten Wünschen für die weitere Tour, und sehr oft sogar mit Stärkungen für Mensch und Tier. „Vielfach endete das mit Einladungen zum Essen und zu Übernachtungen“, sagt Laqua. So hätten sie in den rund 50 Tagen durch Deutschland nur 14 Mal ihr Zelt aufgebaut. In den anderen Nächten kamen sie in bäuerlichen Nebengebäuden, Vereinsheimen, in Kinder- sowie Gästebetten und sogar in einem Hotel und einem Kloster unter. Die Langohren grasten in der Zeit neben dem Haus oder der Terrasse, am Swimmingpool oder auf der Wiese des Nachbarn. „Diese herzliche Freundlichkeit hat bleibende Eindrücke hinterlassen und teilweise auch Freundschaften begründet“, sagt Laqua. „Natürlich öffneten Paula und Pepe immer die Herzen, aber dass es in unserem Heimatland so viele liebenswürdige Menschen gibt, hat uns nachhaltig beeindruckt.“

In der Schweiz hatten sie ähnliche Erlebnisse. Etwa in Stein am Rhein, wo Laqua und Neuhalfen etwas einkaufen wollten. „Eine Frau trat aus dem Geschäft, sah unsere Esel und uns und meinte: 'Ihr müsst die beiden Deutschen sein, die über die Alpen ans Mittelmeer laufen'“, erzählt Laqua. Danach habe sie die Situation aufgelöst und verraten, dass einer der beiden sie ein halbes Jahr zuvor wegen einer Eselversicherung angerufen habe. Am Ende verbrachten die beiden Freunde den Rest des Tages dort, inklusive Übernachtung. „So sind wir an diesem Tag lediglich zwei Kilometer gewandert.“

Die Tour führte sie bisher durch das deutsche Mittelgebirge bis zum Bodensee und weiter in die Schweiz über Chur zur Lenzerheide und nach Salouf. Aus dem Rheintal verlegten sie die Esel mit einem Pferdeanhänger nach Forno in Valstrona in Italien. Der Seiteneinstieg zum GTA führte sie von dort das enge Tal hinauf nach Campello Monti auf 1300 Meter. Das Örtchen nutzten die 64-Jährigen zum vertieften Alpentraining mit Pepe und Paula. Treppenlaufen, kleine Brücken über tosenden Bächen überqueren – was nach längerem Zureden und einigen Möhrchen funktionierte – und schließlich die große Herausforderung einer Bachdurchquerung. Dabei hätten nach fast drei Stunden viel Geduld und weitere Möhren den Erfolg gebracht, erzählen die beiden Wanderer, bei denen die Freude groß war. Denn: „Nun konnten wir vier gemeinsam die GTA angehen“, berichtet Laqua.

Die beiden Esel machen alles problemlos mit

Seither bringt die Grande Traversata delle Alpi die „vier Esel op Jöck“ zum Staunen. Rimella, Alpe Baranca, Carcoforo, Alagna und alte Walsersiedlungen haben sie sich bereits erwandert. Ende vergangener Woche hieß das nächste Etappenziel Usseglio. Die Höhen dazwischen boten ihnen Ausblicke auf schroffe Spitzen – inklusive Matterhorn –, tiefe Schluchten, Wasserfälle und auch Schneefelder. „Selbst unsere Vierbeiner blieben häufig stehen, vergaßen das Fressen und schauten scheinbar staunend umher“, so Laqua.

Die Esel machen laut den beiden Wanderern alles problemlos, ja sogar freudig mit. „Wir haben sehr großes Glück mit unseren Begleitern, denn trotz Verkehr – und seien es auch lautstark rumpelnde Laster, knatternde Motorräder oder dröhnende Güterzüge gleich neben uns – trotteten sie mit großem Vertrauen neben oder hinter uns“, so Laqua. Und auch Treppen, Brücken, Bäche und Kraxelpassagen in den Bergen seien inzwischen kein Problem für die Tiere. „Sie sind die teilweise richtig hohen Wegestufen, die es an vielen Stellen gab, teilweise so hinaufgestürmt und hinuntergesprungen, dass wir Not hatten mitzukommen.“ Sie hätten mehr und mehr Sagenhaftes geleistet, sagt der Rheinbacher Laqua. „So macht es riesig Laune mit ihnen zu wandern, selbst an den bisher wenigen wolkenverhangenen Tagen.“ Bis zu ihrem Ziel Ventimiglia haben Neuhalfen und Laqua noch einige hundert Kilometer vor sich. Ende September, Anfang Oktober werden sie dort voraussichtlich eintreffen – wenn sie im Zeitplan bleiben. Viele weitere erlebnisreiche Tage sind bis dahin garantiert.