Schulzentrum Niederpleis: Freundschaft zwischen Küche und Sportplatz

Schulzentrum Niederpleis : Freundschaft zwischen Küche und Sportplatz

Im Schulzentrum Niederpleis ist es eigentlich recht ruhig an diesem Nachmittag. Lediglich die Reinigungsfrauen verrichten ihre Arbeit, und in der Dreifachhalle wird Handball trainiert.

Betrieb herrscht allerdings um 16.30 Uhr noch in der Schulküche, denn da kochen Schüler der drei neuen internationalen Förderklassen der Hauptschule gemeinsam mit Mitgliedern aus der Amnesty-International-AG des Albert-Einstein-Gymnasiums ihre Lieblingsgerichte. Auf dem Fußballplatz treten die Jungs der Förderklassen gegen die Fußballer des Gymnasiums an, um später nach einem grandiosen Sieg (12:0) entsprechend gut gelaunt das Essen zu genießen.

Hintergrund des ziemlich geschäftigen Treibens an diesem Nachmittag ist das von der Stadt unterstütze Projekt für Flüchtlinge unter dem Titel "Willkommen in Sankt Augustin". Seit Beginn dieses Schuljahres gebe es die drei internationalen Flüchtlingsklassen, in denen schwerpunktmäßig Deutsch unterrichtet werde, erklärt Susanne Schleebaum. Sie ist die Rektorin der Gemeinschaftshauptschule.

Zum zweiten Mal treffen sich die Klassen mit Schülern des Gymnasiums, um auch ihre Freizeit miteinander zu verbringen und sich besser kennenzulernen. Gesprochen wird an diesem Nachmittag nur Deutsch - und das, obwohl Jugendliche aus zwölf verschiedenen Nationen am Kochtopf stehen oder den Ball kicken. Kinder unter anderem aus Polen, Afrika oder Italien, aber auch zehn Kinder und Jugendliche aus Syrien besuchen die neuen Förderklassen, die es erst seit Schuljahresbeginn gibt.

Eine von ihnen ist Rua Elmasri (15). Sie kam vor zwei Jahren gemeinsam mit ihren Eltern aus Syrien nach Deutschland und wohnt in der Ankerstraße. Ihr Lieblingsgericht sind Spaghetti, später will sie als Apothekerin arbeiten.

Rua spricht schon recht gut Deutsch und geht sehr gerne zur Schule. Überhaupt sei die Leistungsbereitschaft der Flüchtlingskinder enorm hoch, bestätigt Claudia Markert, die in einer der Flüchtlingsklassen Lehrerin ist. "Meine Klasse ist toll, das Lernklima angenehm und es herrscht ein gutes Vertrauensverhältnis", schwärmt sie.

Sie arbeitet bereits seit den 1980er Jahren mit Flüchtlingen und hat damals sogar begonnen, Türkisch zu lernen. Das helfe ihr inzwischen kaum noch, aber dank der großen Lernbereitschaft seien die Deutschkenntnisse ihrer Schützlinge meist schnell auf einem guten Stand.

Schon in der zweiten Förderklasse kommt zu den vielen Deutschstunden immer mehr fachspezifischer Stoff hinzu, denn nur die Schüler, die bis zum 18. Lebensjahr mindestens den Hauptschulabschluss in der Tasche haben, bekommen ein Aufenthaltsrecht, erklärt Markert. Zwischen Apfelkuchen, Crossinis auf polnischer Art, Nudelauflauf oder internationalem Reis mit Gemüse tun die Jugendlichen viel für dieses Ziel. Denn sie lernen sich nicht nur besser kennen, sondern verbessern auch ihre Sprachkenntnisse.

Die Treffen wie an diesem Nachmittag soll es einmal im Monat geben. Ziel der Aktionen ist es, dass sich Freundschaften entwickeln und die Integration in Sankt Augustin schneller gelingt.