Ein Brückenbauer Europas: Ex-Außenminister von Polen mit Ausstellung gewürdigt

Ein Brückenbauer Europas : Ex-Außenminister von Polen mit Ausstellung gewürdigt

Die Konrad-Adenauer-Stiftung würdigt Leben und Wirken des früheren polnischen Außenministers Wladyslaw Bartoszewski mit einer Ausstellung. Der Querdenker und Publizist war auch an deutschen Universitäten tätig.

Der Andrang war groß. Mehrmals mussten zusätzliche Stühle ins Foyer der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin gebracht werden, um den vielen Besuchern der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend einen Sitzplatz zu bieten.

Zum Gedenken an den ehemaligen polnischen Außenminister Wladyslaw Bartoszewski zeigt die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Köln/Bonn die Schau „Wladyslaw Bartoszewski: Widerstand – Erinnerung – Versöhnung“.

„Eine bessere Idee, an Wladyslaw Bartoszewski zu erinnern, konnte man gar nicht haben“, leitete Bernhard Vogel, Ehrenvorsitzender der Stiftung, seine Rede ein. Außer ihm sprachen weitere Wegbegleiter Bartoszewskis, der 2015 starb.

„Die Stiftung wurde wiederbelebt“, stellte Johannes Christian Koecke, Koordinator Politische Grundsatzfragen und Transatlantische Beziehungen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, fest. Es sei ein Anlass zur Freude, dass durch die Ausstellung Geist und Leben in dieses Haus kommen.

Zur Ausstellung sprach Kurator Marcin Barcz. Sie stelle Leben und Wirken Bartoszewskis nicht chronologisch dar, sondern anhand wichtiger Stichworte aus dem Leben des Publizisten. Drei Schlagwörter gliedern sie: Widerstand, Erinnerung und Versöhnung.

Im Zweiten Weltkrieg schloss er sich dem Widerstand an

Bartoszewski sei ein Querdenker gewesen, ein Mensch, der gegen den Strom geht. Der begriff „Erinnerung“ greife seine Tätigkeit als Journalist und Publizist auf, als der er an Kriegsopfer, Angehörige und wichtige Menschen erinnerte. „Versöhnung“ stehe für die Suche nach Gemeinschaft, sein Amt als polnischer Außenminister und Diplomat.

Bartoszewski hatte sich im Zweiten Weltkrieg dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung Polens angeschlossen. Im September 1940 wurde er ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt, im April 1941 schwer krank entlassen. Er schrieb später mehrere historische Werke, die sich mit der Reaktion der Polen auf den Holocaust auseinandersetzten.

1980 engagierte sich Bartoszewski in der Gewerkschaft Solidarnosc. 1981 wurde er inhaftiert, kam aber dank der Hilfe einer befreundeten Familie frei. In den Folgejahren war Bartoszewski unter anderem Gastprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Katholischen Universität Eichstätt und der Universität Augsburg.

Von 1990 bis 1995 war er polnischer Botschafter in Wien. 1995 übernahm er das Amt des Außenministers, trat jedoch im selben Jahr zurück. Von Juni 2000 bis September 2001 bekleidete er das Amt erneut.

Barcz begleitet die Ausstellung seit einem Jahr, sie war zuvor in Berlin, Magdeburg, Hamburg, Dresden und Görlitz zu sehen – an Orten, die mit Bartoszewski verbunden seien, erklärte der Kurator und ehemalige Referent Bartoszewskis. Orte, die der Außenminister besuchte, an denen er Kontakte knüpfte.

Barcz erinnerte sich an das letzte Gespräch mit dem Brückenbauer Europas an seinem Todestag. „Also, tschüss. Ich verschwinde“, habe dieser gesagt. „Meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass er nicht verschwindet“, schloss Barcz seine Rede.

Die Ausstellung ist bis Dienstag, 4. Juni, im Foyer der Konrad-Adenauer-Stiftung, Rathausallee 12 in Sankt Augustin, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr.

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