Steyler Missionare: Erzbistum Köln übernimmt PTH in Sankt Augustin

Steyler Missionare : Erzbistum Köln übernimmt PTH in Sankt Augustin

Das Erzbistum Köln übernimmt die Steyler Hochschule in Sankt Augustin in ihrer derzeitigen Form. Langfristig muss ein tragfähiges Konzept her.

Das Erzbistum Köln wird die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) der Steyler Missionare in Sankt Augustin voraussichtlich zum kommenden Wintersemester übernehmen. Wie das Erzbistum am Montag auf Anfrage mitteilte, soll der Trägerwechsel möglichst zum 1. Oktober erfolgen. Bis dahin sind laut dem Provinzial der Steyler Missionare, Martin Üffing, noch konkrete Verhandlungen zu führen.

Wie berichtet, gründet das Erzbistum eine eigene Stiftung und wird künftig Träger der Ordenshochschule in Sankt Augustin sein. Dieses Jahr unterstützt es die Steyler Missionare bereits mit rund 150 000 Euro, was 15 Prozent der Trägerkosten entspricht.

Laut dem Erzbistum wird die Stiftung errichtet, um die Trägerschaft der Hochschule sicherzustellen. Das Kapital stamme zunächst aus einem zweckgebundenen Sondervermögen des Erzbistums Köln, so Pressereferentin Nele Harbeke. „Auf Dauer soll die Stiftung weitere Mittel einwerben.“ In einer ersten Mitteilung ist erst einmal von jährlich rund 1,2 Millionen Euro für sechs Jahre die Rede. Damit könnten die aktuell Studierenden regulär ihr Studium beenden. „Für einen Weiterbetrieb der Hochschule darüber hinaus muss ein inhaltlich und wirtschaftlich tragfähiges Konzept entwickelt werden“, sagt Harbeke. Dabei soll die internationale Ausrichtung und der Dialog der Religionen weiterhin einen Schwerpunkt bilden.

Die Zukunft der PTH wurde in den vergangenen Jahren häufiger diskutiert. Auslöser war im November 2015 eine Empfehlung der damaligen Leitung des Provinzkapitels der Missionare, die seit 1925 existierende Hochschule mit Blick auf die zukünftigen finanziellen und personellen Mittel der Provinz nicht weiterzuführen. Mitte 2017 kam die Entscheidung: Die Hochschule bleibt bestehen – allerdings ohne weitere Neueinschreibungen für das Magisterstudium der Theologie. Diesen Beschluss hob die Bildungskongregation für das Katholische Bildungswesen des Vatikans 2018 wieder auf: Bis zum Studienjahr 2021/22 – wenn die reguläre Reakkreditierung des Magisterstudiengangs Theologie ansteht – darf die Hochschule seither wieder Magisterstudenten aufnehmen. Bereits damals hatte Provinzial Martin Üffing im Gespräch mit dem GA jedoch darauf hingewiesen, dass dennoch eine Entscheidung über Veränderungen in der Trägerschaft der Hochschule fallen müsse.

Das Erzbistum Köln habe nun zwar angeboten, dass die Steyler weiter beteiligt bleiben, so der Provinzial. Das hätten die Steyler aufgrund der personellen Situation aber abgelehnt. „Wir haben keine Mitbrüder für die Verwaltung. Dann ist es besser, einen klaren Schnitt zu machen und die Verantwortung abzugeben“, sagt Üffing. „Für uns ist das die bessere Lösung als eine Schließung. Es geht etwas weiter.“

Auswirkungen auf den Standort Sankt Augustin der Missionare hat der Trägerwechsel laut dem Provinzial nicht. „Den Plan, uns aus Sankt Augustin zurückzuziehen, haben wir nicht.“ Es sei eine große Hausgemeinschaft, und die Steyler hätten noch wissenschaftliche Institute am Standort. „Und das Klosterfest war ein Zeichen, dass es ein großes Interesse gibt“, sagt Üffing.

Momentan läuft an der PTH die Einschreibung für das Wintersemester. Laut Üffing hat die Hochschule ganz gute Einschreibungszahlen. Die rund 30 Lehrenden, darunter etwa die Hälfte Steyler Mitbrüder, sollen nach dem Trägerwechsel weiterhin an der Hochschule unterrichten. Auch an den Räumlichkeiten soll sich laut Üffing zunächst nichts ändern.

Harbeke bestätigt, dass die Hochschule in ihrer derzeitigen Form übernommen wird. Sie wird dann die erste eigene Hochschule des Erzbistums sein. Die Frage, ob die Übernahme Auswirkungen auf die Priesterausbildung an der Universität Bonn haben wird, lässt das Erzbistum unbeantwortet. Dazu heißt es lediglich: „Intendiert ist, Sankt Augustin vor der drohenden Schließung zu bewahren und die Hochschule weiterzuentwickeln.“

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