Kommentar zur Kinderklinik Sankt Augustin: Erfolgreiche Störfeuer

Kommentar zur Kinderklinik Sankt Augustin : Erfolgreiche Störfeuer

Politiker der Stadt Sankt Augustin und die Bevölkerung kämpfen um den Erhalt der Kinderklinik. Mehr als 90.000 Menschen haben bereits eine Petition unterschrieben. Der Asklepios-Konzern indes versucht bei der Schuldfrage von sich abzulenken.

Die Familie hält zusammen: Mehr als 90.000 Menschen haben inzwischen für den Erhalt der Kinderklinik in Sankt Augustin unterschrieben. Die Mitarbeiter bekommen großen Rückhalt aus der Bevölkerung.

Die Bekenntnisse des Asklepios-Konzerns fallen da nicht so klar aus. Weiterhin werden Land und Bonner Uniklinik als Schuldige benannt. Dabei täte ein wenig Selbstkritik auch mal ganz gut. Wer Arztstellen unbesetzt lässt und das Pflegepersonal schlechter bezahlt, als die Kliniken in der Nachbarschaft, gewinnt damit sicher keine Pluspunkte im Wettbewerb um Mitarbeiter. Das klare Bekenntnis zur Kinderklinik fehlt seit Jahren – nach innen wie nach außen.

Der Konzern aus Hamburg ist aber gut darin, immer wieder von sich abzulenken, zum Beispiel mit dem „Kaufangebot“ an den Landrat. Der Nebensatz am Telefon „für einen Euro können Sie die Klinik haben“ ist nicht das, was man als Beginn von Verkaufsverhandlungen bezeichnen kann. Bei all den Verpflichtungen und Verträgen kann man ein Krankenhaus nicht für einen Euro auf den Markt werfen. Trotzdem greift die Linke das Thema auf und wirft dem Landrat vor, den Kreistag nicht informiert zu haben. Dieses Störfeuer ist geglückt.

Kindermedizin ist teuer und wird oft nicht von den Fallpauschalen gedeckt. Das können Klinikchefs schnell vorrechnen. Aber waren die privaten Klinikkonzerne nicht angetreten, um es besser und billiger zu machen als die staatlichen Krankenhäuser? Offenbar ist die Rechnung in Sankt Augustin nicht aufgegangen. Die Diskussion über die Kinderklinik führt schnell zur Frage, wie nachhaltige Gesundheitspolitik aussieht und was sie kosten darf.