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Brauchtum in Niederpleis: Eine Rasur für jedes neue Mitglied der Pleeser Murre

Brauchtum in Niederpleis : Eine Rasur für jedes neue Mitglied der Pleeser Murre

Pleeser Murre stimmen sich auf das 160. Jubiläumsjahr ein, taufen Neumitglieder und präsentieren den Hofstaat für den Wonnemonat. In den kommenden Wochen wird in dem Sankt Augustiner Ortsteil kräftig gefeiert.

Frisch geschlagen im Pleiser Wald und exakt 26 Meter und 76 Zentimeter lang war er, der große Maibaum, den die Männer des Junggesellenvereins Pleeser Murre am Vorabend des Maifeiertages zum Jakob-Fußhöller-Platz in Niederpleis brachten. „Es muss schon ein richtiger Baum sein“, betonte Murre-Geschäftsführer Philipp Kaminski, ehe die Kinder des Ortes beim Schmücken der Baumkrone mithelfen durften.

Dann ging es auch schon ans Werk. Mit vereinten Kräften, ohne Unterstützung eines Traktors oder Kranes und allein mit Holzgestellen als Hilfsmittel, stemmten die Junggesellen den Baum in die Höhe. Eine Tradition, der sich die Murre seit nunmehr 160 Jahren verpflichtet fühlen, was mit einem großen Jubiläumsmaifest am Samstag und Sonntag, 18./19. Mai, gefeiert wird. Und das mit einem großen Hofstaat: Ende März hatten sich die Junggesellen im Schützenhaus zur Mailehenversteigerung getroffen. Ein Abend, der lang wurde und der den beiden Auktionatoren Dennis Wolf und Timo Sechi einiges abverlangte, ehe das Ergebnis verkündet werden konnte. Dustin „Möpi“ Zeyen hatte seine Anne Köppchen zur Maikönigin im Jubiläumsjahr gemacht. Da die Krönung erst in gut zweieinhalb Wochen stattfindet, erhielt das Maikönigspaar am Dienstagabend unter dem frisch aufgestellten Maibaum eine Interimskette und ein Interims-Diadem. Begleitet wird das Königspaar vom diesjährigen Maiprinzen Marco Geppert und Maiprinzessin Anna Bürk sowie dem Maigrafenpaar Tobias Knauf und Lea Lukossek.

Maipolizisten sorgen für Recht und Ordnung

Für die nicht ersteigerten Damen des Ortes ist für das Regentschaftsjahr das Rötzchen Tobias Bluhm zuständig. Florian Koscharre und Patrick Wolf werden als Maipolizisten für Recht und Ordnung sorgen, während Maidoktor Pascal Ritz das Wohlergehen der Feiernden im Blick hat.

Dass der Hofstaat und sein Gefolge die nächsten Wochen kräftig feiern werden, ist ebenso gewiss wie die Voraussetzung für einen neuen Junggesellen, einem Kölsch nicht ganz abgeneigt zu sein. Das zeigte die Taufe der Neumitglieder – ein feuchtfröhliches Zeremoniell, wie Junggeselle Philipp Kaminski es erklärte: „Das Neumitglied darf auf dem Podest Platz nehmen und erhält dort erst einmal eine ordentliche Rasur mit der Sichel. Dabei muss das Gelübde fehlerfrei nachgesprochen werden, während es von hinten mit dem Gürtel ein paar Hiebe auf den Hintern gibt – quasi als Ermahnung, immer schön brav zu sein.“ Eine Hand hält die symbolische Möhre am Stock in die Höhe. Die andere Hand bleibt frei, um drei Kölsch und drei Korn im Wechsel zu genießen. „So ist es bei uns Tradition“, erklärt Kaminski, während Oliver Kern und Florian Arnello als Neumitglieder das kurios anmutende Ritual unter Beifall der Gäste auf dem Dorfplatz mit Fassung bewältigen.

Dabei war die muntere Feier erst der Auftakt zum großen Jubiläumsfest: Am Samstag, 18. Mai, wird es im Festzelt auf dem Jakob-Fußhöller-Platz eine Tanzparty ab 16 Jahren geben. Am Sonntag, 19. Mai, wird das Maifest mit einem ökumenischen Familiengottesdienst um 11.30 Uhr in Sankt Martinus beginnen, ehe um 13 Uhr die Maipaare gekrönt werden.