Praktizierter Naturschutz: Ein Paradies für Gelbbauchunken in Niederpleis

Praktizierter Naturschutz : Ein Paradies für Gelbbauchunken in Niederpleis

Der BUND setzt sich ehrenamtlich für die Pflege der Tongrube Niederpleis ein. Dort fühlen sich Amphibien, seltene Pflanzen und verschiedene Schmetterlingsarten heimisch.

Es summt, quakt und flattert in der Tongrube Niederpleis. Dort haben sich Gelbbauchunken, Kohlweißlinge und das Tausendgüldenkraut angesiedelt. Um deren Lebensraum zu schützen, hat es sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Rhein-Sieg, zur Aufgabe gemacht, regelmäßig neue Tümpel anzulegen und die Magerrasenfläche freizuschneiden. Das hilft laut Achim Baumgartner, Landschaftsarchitekt und Vorstandsmitglied der Kreisgruppe, nicht nur den Amphibien, sondern auch seltenen Pflanzenarten.

Unter Naturschutz steht die ehemalige Tongrube seit den 70er Jahren. Besonders aufwendig ist das Herausschneiden von Gehölzsämlingen aus dem Magerrasen. Das macht Baumgartner nämlich von Hand. „Man könnte es auch mit Maschinenunterstützung machen, aber diese Geräte beschädigen viel“, so Baumgartner. „Schafe könnten uns ebenfalls helfen, aber wir lassen im Gegensatz zu ihnen das Richtige stehen.“

Oft hilft ihm Brigitte Schmälert, aktives BUND-Mitglied, bei der Arbeit in der Tongrube. Gut informiert ist sie vor allem über Schmetterlinge. So erkennt sie jeden Falter auf den ersten Blick, etwa den Großen Kohlweißling aus der Familie der Weißlinge oder das Landkärtchen aus der Familie der Edelfalter. Fasziniert beobachtet sie die Gelbe Blatteule aus der Familie der Eulenfalter, die sich auf einem Grasbüschel niedergelassen hat. Aber als Baumgartner sie auf zwei Gelbbauchunken – eine der Flaggschiff-Arten in der ehemaligen Tongrube – im nahe gelegenen kleinen Tümpel aufmerksam macht, verlässt sie den Falter.

Niedrige Bodenbedingungen perfekt

Laut Baumgartner sind die niedrigen Bodenbedingungen perfekt für die Gelbbauchunke. Als wichtigstes Gebiet für diese Amphibien nennt er die Tongrube als „FFH-Gebiet“. Dabei handelt es sich um spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. „Zum Laichen benötigt die Gelbbauchunke kleine und warme Tümpelchen in offenen Flächen“, so Baumgartner. „Immer wieder aufkommende Gehölze müssen wir daher zurückschneiden.“ Deswegen komme er alle zwei Wochen für einen Tag in die Tongrube – und zwar ehrenamtlich.

Mit Schmälert steht er vor einem kleinen Tümpel und beobachtet zwei der Unken. Als Baumgartner die ausgewachsene Gelbbauchunke aus dem trüben Wasser holt, ist schnell klar, woher sie ihren Namen hat: Zwar ist die Farbe ihres Körpers generell dem schlammigen Tümpel angepasst, aber ihre komplette Unterseite ist gelb mit schwarzen Punkten. „Größer als fünf Zentimeter wird eine Gelbbauchunke nicht“, sagt Baumgartner.

Als er sie zurück in das Gewässer setzt, lässt sie sich auf der Wasseroberfläche treiben. Typisch Unke, wie Baumgartner erklärt. „Sie spielen gerne 'toter Mann'“, sagt er. Auffällig sind außerdem die Augen der Gelbbauchunke, denn sie sind geformt wie Herzen oder Dreiecke. „Das kommt daher, dass die Gelbbauchunke nur drei Muskeln im Auge hat“, so Baumgartner. „Damit reguliert sie die Augenhelligkeit.“ Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen beherbergen die Gewässer in der Tongrube die größte rheinische Gelbbauchunken-Population.

Alle Arten sollen gesichert werden

Und tatsächlich: In allen Tümpeln, die sich über das 13 Hektar große FFH-Gebiet der Tongrube verteilen, sind Gelbbauchunken zu sehen. Manche beobachten das Geschehen, indem sie ihre Köpfe ein Stück aus dem Wasser halten. Andere wiederum sind in den trüben Pfützen nur zu erahnen.

Ebenfalls versteckt halten sich die Reptilien Blindschleiche und Zauneidechse, die in größeren Populationsstärken vorkommen. Für diese Tiere liegen überall Bretter auf dem Boden verteilt. Darunter fühlen sich die Reptilien besonders wohl, denn zwischen Brett und Boden ist es warm und feucht. „Wir wollen alle diese Arten sichern, damit sie erhalten bleiben“, sagt Baumgartner. Insgesamt habe das Naturschutzgebiet eine Größe von rund 24,5 Hektar. „Es schließt auch Wald- und Grünlandflächen ein, die an die Grube grenzen.“ In diese würden sich etwa die Unken zurückziehen, wenn sie überwintern. „Sie gehen dann unter tote Bäume.“ Erst im zweiten Jahr ist der BUND als Pächter in der Tongrube tätig. Noch gehört sie der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG), „aber der Ankauf läuft, und in diesem oder im kommenden Jahr gehört sie hoffentlich dem BUND“, so Baumgartner. Dann sei es auch einfacher, Drittmittel zu erhalten.

„Seit wir hier tätig sind, hat sich vieles zum Positiven geändert“, so Baumgartner. „Die Rasenpflege läuft jetzt besser, und auch den Unken geht es gut.“ Auf Hilfe von den Bürgern sei der BUND trotzdem angewiesen.

Informationen zu der nächsten Magerrasenpflege in der Tongrube Niederpleis gibt es im Internet unter www.bund-rsk.de