Mehr Fahrradfahrer gewünscht: Ein neues Radverkehrskonzept für Sankt Augustin

Mehr Fahrradfahrer gewünscht : Ein neues Radverkehrskonzept für Sankt Augustin

Der Planungsausschuss in Sankt Augustin stimmt dem Radverkehrskonzept zu. Der Anteil der Fahrradfahrer in der Stadt soll sich erhöhen, Radfahrstreifen und Schutzstreifen sind geplant.

Es war ein zähes Ringen. Aber am Ende stand der Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss der Stadt Sankt Augustin doch hinter dem Radverkehrskonzept, das die Verwaltung erarbeitet hat. Allerdings nicht ohne Kritik der Politiker und einige Änderungen. Die Größte: Die vorgestellten Projekte sollen zunächst erst planerisch umgesetzt und dann noch einmal beraten werden. Der Beschluss hatte ursprünglich vorgesehen, die Verwaltung direkt mit der Umsetzung zu beauftragen.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Kommune mit der Fortführung des Radverkehrskonzepts. Nach einem langen Beteiligungsprozess mit Politik, Bewohnern und dem Allgemeinen Deutschen FahrradClub liegt es nun vor. Das Ziel ist, die Stadt unter dem Leitbild „Lebenswertes Sankt Augustin durch Nahmobilität“ attraktiver und sicherer für Radfahrer zu machen – und damit künftig mehr Menschen dazu zu bringen, auf das Auto zu verzichten. Derzeit werden in Sankt Augustin zwölf Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt; in 2020 sollen es bereits 20 Prozent sein.

Dafür hat die Verwaltung das gesamte Radnetz – einschließlich potenzieller neuer Führungen – im Sommer 2015 unter die Lupe genommen und einige Problemstellen gefunden. Darunter eine Vielzahl an Markierungs- und Beschilderungsmängeln sowie Probleme mit Hindernissen und Barrieren, heißt es in dem Konzept. Aber auch die grundsätzliche Führung von Radfahrern soll überdacht werden. So soll, wo es möglich ist, der Radverkehr die Straße mitnutzen, um zügig voranzukommen. Dafür sollen je nach Breite der Fahrbahn entweder Radfahrstreifen oder aber Schutzstreifen angelegt werden.

Der Unterschied: Schutzstreifen sind mit einer unterbrochenen Linie gekennzeichnet und dürfen in Ausnahmesituationen auch von Autos befahren werden. Sie sind laut Konzept beispielsweise in Birlinghoven an der Pleistalstraße oder in Menden an der Siegstraße vorgesehen, unter anderem um Netzlücken schnell zu schließen. Das wirkt sich jedoch auf den Platz für die Autos aus. Auch sind erstmals Fahrradstraßen geplant, etwa in Hangelar in der Dornierstraße, der Albert-Sonntag-Straße und der Bachstraße. Geht es nach der Stadt, sollen diese Dinge kurzfristig umgesetzt werden. Mittel- und längerfristig möchte die Verwaltung unter anderem vorhandene Radwege ausbauen. So soll die Verbindung entlang der Stadtbahnlinie von Hangelar-West bis Bonn sowie vom Haltepunkt Ort bis Hangelar-Ost verbreitert werden.

Deutliche Kritik von CDU und FDP

Dass es bis zur Umsetzung noch ein weiter Weg sein kann, machte die Diskussion im Ausschuss deutlich. Aus den Reihen von CDU und FDP kam deutliche Kritik. „Ich halte es nicht für ausgereift“, sagte Ralf Liebers (CDU). So sei die Siegstraße viel zu schmal, um Platz für Radfahrer und die immer breiter werdenden Autos zu bieten. „Bitte lassen Sie uns ein bisschen an die Sicherheit denken“, sagte er. Und Wolfgang Züll (FDP) beklagte, dass die Kosten noch völlig unklar seien.

Die SPD wies hingegen darauf hin, dass sich bei einem späteren Beschluss auch die Verbesserungen für die Radler hinauszögern würden. Überrascht von der Debatte zeigte sich der Erste Beigeordnete Rainer Gleß. „Wir haben den Entwurf im September 2016 vorgestellt, uns ausgetauscht und auf ein Verfahren geeinigt“, sagte er. „Und jetzt höre ich zum Teil fundamentale Kritik, die ich in den vorherigen Stellungnahmen nicht wiederfinde.“ Aus seiner Sicht sei das Konzept in hervorragender Güte erstellt worden.

Die Grünen hatten trotzdem noch Änderungswünsche in einem Antrag eingebracht, der unter anderem die Bezeichnung der Radfahrer als „Hase“ und „Schildkröte“ ablehnte, gute Abstellanlagen forderte und auch auf die Siegstraße einging. Er wurde ebenfalls angenommen. Martin Metz sagte aber auch ganz klar: „Es ist uns wichtig, jetzt mit dem Radverkehrskonzept ein Signal zu setzen.“

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