Schulschließung in Menden: Ein langer Kampf geht zu Ende

Schulschließung in Menden : Ein langer Kampf geht zu Ende

Aus und vorbei: Sowohl Haupt- als auch Realschule Menden laufen aus und werden durch die schon vorhandene Gesamtschule ersetzt. Ein Rückblick auf mehr als ein halbes Jahrhundert Schulgeschichte in Sankt Augustin.

Nadine Sturm antwortet schnell. Sie weiß, was sie sagen will. „Schön“ nennt die 38-Jährige ihre Zeit an der Realschule Menden. Von 1990 bis 1995 besuchte Sturm die Schule, leitete die Teestube, war ein Jahr lang auch Schülersprecherin. „Das war eine der besten Zeiten meines Lebens. Wir haben dort auch nach Schulende noch viel Zeit auf dem Schulhof mit Freunden verbracht“, erinnert sich Sturm, die heute einen Friseurladen in Bonn führt.

Zeiten ändern sich: Vor 21 Jahren ging Sturm von der Realschule Menden ab, jetzt läuft die Schule aus. Sie macht Platz für die Gesamtschule, die schon 2011 ihren Betrieb aufgenommen hat. So hat es der Stadtrat beschlossen.

Die Realschule als Auslaufmodell? Das ist vor 51 Jahren anders: Als Beginn einer neuen Ära bezeichnet Bürgermeister Karl Gatzweiler die Eröffnung am 24. April 1965 (siehe Chronik rechts). Damals lernen die Schüler in provisorischen Pavillons, der Name lautet „Amtsrealschule Menden – Realschule für Jungen und Mädchen“. Die zwei Klassen sind getrennt in eine weibliche und männliche, erst später wird die Geschlechtertrennung aufgehoben.

Schüler lernen auf der Baustelle

Johannes Radke, 77, erinnert sich noch gut an seine ersten Tage an der Schule, es sind die letzten Ferientage im Sommer 1968. Der damalige Schulleiter Erich Otto hat den frisch ausgebildeten Lehrer einbestellt: Umzugskisten schleppen aus den Pavillons in den futuristischen Neubau des Architektenehepaares Parade. Doch das Gebäude ist zu dieser Zeit noch nicht komplett fertig. „Das wäre heute alles verboten. Die Schüler sind über Holzbohlen gegangen, an den Treppen fehlten die Geländer, der Sport fand im Keller statt. Turnhalle und Schwimmbad kamen erst Jahre später“, sagt Radke, der von 1994 bis 2003 die Schule leitet.

Doch nach einigen Monaten ist der Bau 1969 beendet. Das nächste Problem: Die Schülerzahlen steigen und steigen. „Es war sehr voll, wir platzten aus allen Nähten“, sagt Inge Emans. Sie beginnt 1976, an der Schule zu lehren: Französisch, Hauswirtschaft und Biologie. Also werden die Pavillons wieder aufgestellt. 1978 sind es schon mehr als 1000 Schüler in 29 Klassen, sechs Klassen ziehen nach Niederpleis, später gründet sich dort die selbstständige Realschule. „Eine starke Entlastung“, wie Otto sich 2005 anlässlich des 40-jährigen Bestehens erinnert. Und Inge Emans sagt: „Danach war es wieder gemütlicher. In der Regel kannte man fast jeden Schüler. Es war sehr familiär.“ Zudem sei das Kollegium übersichtlich gewesen, meist zwischen 30 und 40 Lehrern. „Die Wege waren kurz“, sagt die heute 66-Jährige.

Zwei Änderungen stärken in den nächsten Jahren das Profil der Schule: Ein dreiwöchiges Betriebspraktikum wird eingeführt, ab 1990 gibt es einen bilingualen Zweig, der Englisch stark fördert. In den 1990er Jahren kommt zum ersten Mal das Thema Gesamtschule auf. Sie soll die Realschule ablösen, dagegen machen Radke, jetzt Schulleiter, und Co., mobil. Am 12. September 1996 ziehen 700 Leute zum Protest auf die Marktplatte, halten Schilder und Banner hoch. „Wir mussten die Schüler nicht ermutigen, vielmehr haben sie den Antrieb gegeben“, so Radke. Emans sagt: „Das hat uns zusammengeschweißt. Wir haben an unsere Schule geglaubt.“ Es hilft: Die Realschule bleibt. Vorerst. Denn laut Radke gibt es mehrfach Anläufe, eine Gesamtschule einzuführen. Aber: „Wir konnten immer dagegen argumentieren.“

Die Gesamtschule bleibt lange ein Streitthema, einen Ratsbeschluss zur Einführung und zum Ende der angrenzenden Haupt- sowie der Realschule will eine Bürgerinitiative nicht akzeptieren. Sie druckt 30 000 Flyer, klebt 110 Plakate im Stadtgebiet. Doch am Ende scheitert sie bei einem Bürgerentscheid im November 2009. „Wir hatten uns sehr gewünscht, die Realschule an diesem Standort weiterzuführen“, sagt Norbert Weßel, zweiter Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer.

Doch die Gesamtschule scheitert im ersten Anlauf, im Februar 2010 benötigt sie zur Einführung 112 Anmeldungen, es fehlen zwei. Es bleibt ein Ausrutscher, ein Jahr später geht sie an den Start, übernimmt mehr und mehr die Räume der auslaufenden Real- und Hauptschule. Bis heute. Der letzte Schultag ist am 23. Juni, 76 Schüler aus drei Klassen gehen dann ab. Ex-Schulleiter Radke, der später den Beschluss zur Abschaffung als Ratsmitglied mitträgt, sagt: „Es war eine gute Schule, die einen guten Ruf in Handel und Wirtschaft hatte.“ Er besucht auch die Verabschiedung am Samstag. „Das ist ein trauriger Tag, aber die Entwicklung ist verständlich.“

Kollegium und Förderverein laden zur Abschiedsfeier ein am Samstag, 11. Juni, ab 15 Uhr auf dem Gelände der Gesamtschule Menden.