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Prozess vor dem Bonner Landgericht: Duo soll sieben Supermärkte ausgeraubt haben

Prozess vor dem Bonner Landgericht : Duo soll sieben Supermärkte ausgeraubt haben

Ein Sankt Augustiner und ein Troisdorfer stehen wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung vor dem Bonner Landgericht. Sie sollen im vergangenen Jahr sechs Supermärkte in der Region ausgeraubt haben.

Fast kindlich wirkte der junge Mann, der am Mittwochmorgen auf der Anklagebank des Bonner Landgerichts saß: Gemeinsam mit einem 27-jährigen mutmaßlichen Mittäter soll ein heute 18-Jähriger im vergangenen Jahr insgesamt sechs Supermärkte in Sankt Augustin, Bonn, Hennef und Troisdorf ausgeraubt haben, einen der Sankt Augustiner Supermärkte sogar zwei Mal. Jetzt müssen sie sich wegen schweren Raubes und räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten.

Das Muster war wohl immer das Gleiche: Während der Ältere im Wagen wartete, stürmte der Jüngere mit einer Sturmhaube über dem Kopf und einer ungeladenen Schreckschusspistole in den Händen in die Märkte. Dort soll er laut Anklage meistens die Kassiererinnen aufgefordert haben, ihm den Kassenbestand zu übergeben. „Das ist ein Überfall, Geld her!“, soll die Ansprache oft gelautet haben. Das Geld stopfte er in mitgebrachte Taschen oder Tüten, flüchtete zunächst zu seinem wartenden Kumpel und dann mit ihm gemeinsam mit dem Wagen. Wenn keine Kassiererin anwesend war, musste auch schon mal ein Kunde oder die Bedienung der Fleischtheke versuchen, die Kasse zu öffnen. In einem Fall nahm er kurzerhand die ganze Kassette mit. Insgesamt mehr als 10.000 Euro soll das Duo aus Sankt Augustin und Troisdorf so bei seinen Raubzügen gemacht haben; die Beute soll jeweils geteilt worden sein.

Möglicherweise stammte die Idee zu den Taten allerdings nicht von dem Jugendlichen: Der in der Ukraine geborene 18-Jährige hatte sich nämlich selbst der Polizei gestellt und die Überfälle eingeräumt. Er habe schlechte Freunde gefunden und sei drogensüchtig geworden. Rund zwei Monate bevor er seinen mutmaßlichen Kumpanen kennengelernt habe, sei er dann von Cannabis auf Kokain umgestiegen. Weil diese deutlich teurere Sucht nicht mehr vom Taschengeld seiner Eltern zu finanzieren gewesen sei, habe er alternative Einnahmequellen gesucht, sagte er dem Gericht. Die Ideen zu den Überfällen und auch das gesamte Equipment stammten aber von dem älteren Täter. So stand es im Protokoll einer dem Prozess vorausgegangenen richterlichen Vernehmung, das die Kammer verlesen ließ.

Älterer Täter soll 18-Jährigem ins Gesicht geschlagen haben

Sein Kumpel wollte wohl nicht ganz so offen mit den Überfällen umgehen: „Unser Gericht fängt bald an, komm’ mal mit“, soll er dem 18-Jährigen bei einem zufälligen Treffen abends an einem Bahnkiosk befohlen haben. Er werde ihm die Zähne ausschlagen, ihn töten, wenn er aussage, soll er dem jungen Mann dann in einer dunklen Ecke gedroht haben. Anschließend soll er ihn mit der Faust in die linke Gesichtshälfte geschlagen haben. Die Folge: ein Jochbeinbruch und eine Kieferfraktur, die den 18-Jährigen für drei Tage ins Krankenhaus brachten. Der ältere Mittäter kam nach dem Vorfall in Haft. Er muss sich ohnehin noch wegen eines Angriffs auf seine Ex-Freundin und Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten.

Der jüngere Angeklagte scheint seine Räuberkarriere ernsthaft an den Nagel hängen zu wollen: Seit seinem Geständnis drückt er wieder regelmäßig die Schulbank, um seinen Hauptschulabschluss nachzuholen. Nach einem Praktikum in einem Café haben ihm die Betreiber wegen seiner guten Leistungen zudem eine Lehrstelle als Gastronomie-Fachmann in Aussicht gestellt. Bedingung außer der erfolgreich abgeschlossenen Schulbildung: Ein negativer Drogentest, den er mit sichtbarem Stolz dem Gericht präsentierte. Mit einem Urteil ist erst im nächsten Jahr zu rechnen.