Hochschule in Sankt Augustin: Diskussionen über Abberufung von Rektor Peter Ramers

Hochschule in Sankt Augustin : Diskussionen über Abberufung von Rektor Peter Ramers

Das Wintersemester an der theologischen Hochschule Sankt Augustin startet mit einer Diskussionen über die Abberufung von Rektor Peter Ramers durch den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki.

Dicke Luft bei der Semestereröffnung in der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) Sankt Augustin. Beherrschendes Thema am Montag: Die Abberufung von Peter Ramers als Rektor der Hochschule durch den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Ramers war sehr überraschend und recht kurzfristig mitgeteilt worden, dass Professor Christoph Ohly mit Beginn des Wintersemesters 2019/20 das Rektorat der PTH kommissarisch übernehmen werde. Die Ernennung von Ohly erfolgte dem Erzbistum zufolge durch die Kongregation für das Katholische Bildungswesen in Rom im Einvernehmen mit den Steyler Missionaren und dem Erzbistum Köln.

Ohly ist derzeit Ordinarius für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Trier. Im kommenden Jahr werde in einem gesonderten Verfahren die Ernennung eines neuen Rektors der Hochschule eingeleitet. „Das kam von einem Tag auf den anderen“, erzählen Studenten, die am 30. September noch in Ramers‘ Sprechstunde waren. „Da wusste er von der Personalentscheidung noch nichts.“ Eric Bode, 52, Rainer Schön-Marth, 57, Doktorand Michael Hubbert, 66, und Alexandra Thätner, 26, stehen am Rande der Feier zusammen und schütteln den Kopf.

Ernennung war zeitlich befristet

„Professor Dr. Peter Ramers wurde im November 2018 vom Provinzial der Steyler Missionare, Pater Martin Üffing, zeitlich befristet für die Dauer von einem Jahr zum Rektor ernannt. Die Amtszeit endete vereinbarungsgemäß am 30. September 2019“, teilte Christoph Heckeley, Pressesprecher des Erzbistum Köln mit. Allerdings war die Verlängerung seiner Berufung zum Rektor noch im Mai vom Senat der Hochschule beschlossen worden. Man wartete lediglich auf eine Bestätigung aus Rom. Doch am 2. Oktober erreichte Ramers die Nachricht, er möge seinen Schreibtisch für Ohly räumen.

„Dieser Umgang ist eines Erzbistums nicht würdig“, sagte Bruder Antonius Kuckhoff. Der ganze Vorgang habe innerhalb der Hochschule für viel Aufregung gesorgt, so Daniel Höhr, der seinen Lehrauftrag für Latein aus Protest zurückgegeben habe. „Schreiben Sie nicht freundlich“, raunt der Professor beim Vorbeilaufen sichtlich verärgert.

Weitere personelle Konsequenzen

Ohly kündigte später noch weitere personelle Konsequenzen an. Unter anderem werde Rafael Manfred Rieger „auf eigenen Wunsch“ keine weiteren Lehrveranstaltungen mehr anbieten. Beobachter nehmen an, dass das auch damit zusammenhänge, dass Ohly und Rieger beide Kirchenrechtler seien und daher auf Riegers Dienste verzichtet werden soll. Ramers bleibt im Übrigen in der Hochschule. „Ich habe ‚nur‘ mein Amt als Rektor verloren“, sagte er.

Wie berichtet, hat das Erzbistum Köln die Trägerschaft der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Augustin von den Steyler Missionaren übernommen und damit auch die Kosten von jährlich rund 1,2 Millionen Euro. Für den Betrieb hat sie eine eigene Stiftung gegründet. Die Geschäftsführung der Stiftung, teilte Ohly in seiner Ansprache mit, werde die frühere Leiterin des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg, Martina Köppen, übernehmen. Der Provinzial und Vize-Großkanzler der Hochschule, Martin Üffing, bat um Verständnis für die jüngsten Entwicklungen. Klar sei, dass auch die Kirche als Ganzes sich in einer Zeit des Übergangs befinde und dass es an vielen Stellen zu „schmerzhaften Einschnitten“ kommen werde. So auch bei der Familienzeitschrift „stadtgottes“, die die Steyler herausgeben. Wie die Einschnitte aussehen werden, sagte er nicht, lediglich, dass sie „gewaltig“ ausfallen würden. Das alles seien aber Schritte in Richtung Zukunftssicherung. „Wichtig ist: Die Hochschule wird leben! Aber wir werden wichtige neue Akzente setzen müssen.“ Ohly bat seine Kollegen und die Studierenden um einen „Vorschuss des Vertrauens“. Es werde Veränderungen geben, und das sei Wunsch des Erzbistums. Die internationale Ausrichtung der PTH Sankt Augustin und ihr wichtiger Schwerpunkt im Bereich des Dialogs der Religionen sollen indes erhalten bleiben.

Ohly, 1966 in Gelsenkirchen geboren, studierte Philosophie und Theologie in Bonn und Rom, wo er 1991 auch die Priesterweihe für das Erzbistum Köln empfing. Kanonisches Recht studierte er in München, wo er sich 2006 im Fachbereich Kirchenrecht habilitierte. Ohly ist unter anderem seit 2009 Gastprofessor an der Kirchlichen Universität „San Dámaso“ in Madrid. Von 2008 bis 2017 war er von Papst Benedikt XVI. ernannter Konsultor der Kongregation für den Klerus. Seit 2010 ist Ohly Ordinarius an der Theologischen Fakultät in Trier.

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