Sankt Augustin: Die Feuerwehrleute ziehen vor das Rathaus

Sankt Augustin : Die Feuerwehrleute ziehen vor das Rathaus

Sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt, sie helfen lieber schnell. Deshalb war es ein ungewöhnliches Bild am Mittwochabend vor dem Augustiner Rathaus. Rund 150 Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehren aus Sankt Augustin hatten sich vor dem Rathaus versammelt - zur stillen Demonstration.

Mit der Aktion vor der Sondersitzung des Personalausschusses dokumentierten die Feuerwehrleute ihre uneingeschränkte Zustimmung zu ihrem Kameraden Dirk Engstenberg, der ab Mai neuer Stadtbrandinspektor in Sankt Augustin werden soll. Zugleich machten sie deutlich, dass ihnen die Art und Weise, wie Bürgermeister Klaus Schumacher mit ihrem künftigen Chef umgegangen ist, überhaupt nicht gefallen hat.

Schumacher sollte eine Stelle in der Verwaltung für den neuen Stadtbrandinspektor schaffen, hat nach Meinung der Fraktionen und der Feuerwehr Engstenberg aber zu lange im Ungewissen gelassen und ohne Not in Schwierigkeiten gebracht.

Per Dringlichkeit wollte Schumacher die sensible und wichtige Personalie auf dem Postweg durchbringen, am Rat vorbei und ohne den Personalrat darüber zu informieren. Dass er nicht den geordneten Weg über die Gremien gegangen ist, hatte zu harscher Kritik aus den Reihen der Fraktionen geführt, jede Menge Fragen aufgeworfen und die Sondersitzung nötig gemacht, obwohl grundsätzlich Einvernehmen darüber besteht, die Stelle für CDU-Ratsherr Engstenberg zu schaffen.

Bezeichnet ist der Job zwar als IT-Sicherheitsbeauftragter. Angesiedelt sein soll sie als Stabstelle beim Bürgermeister. Nicht geklärt aber ist etwa, ob es Überschneidungen mit dem Datenschutzbeauftragten gibt, wie genau die Tätigkeit aussehen und welche Kompetenzen sie beinhalten soll. Am Mittwoch stellte sich der Bürgermeister, der seinen Urlaub unterbrach, den kritischen Fragen in der nichtöffentlichen Sitzung. "Wir als größte Fraktion werden dafür sorgen, dass eine entsprechende Stelle geschaffen wird", sagte CDU-Fraktionschef Erich Wagner vor der Sitzung zu den Wehrleuten.

Ein abschließendes Ergebnis lag bis Redaktionsschluss noch nicht vor. Das Verfahren stand unter anderem auch deshalb in der Kritik, weil Schumacher mehrere Monate Zeit hatte, die Personalentscheidung vorzubereiten, sie aber erst kurz vor Toresschluss auf den Weg gebracht hat. Erst am 12. Dezember erhielt der Personalrat dazu eine dürre Vorlage. Den Rat informierte Schumacher am 14. Dezember nicht, verfasste aber bloß einen Tag später die Dringlichkeitsentscheidung.

Engstenberg, der bei der Werksfeuerwehr des Siegwerkes beschäftigt ist, muss bis zum 31. Dezember gekündigt haben, damit er seine Tätigkeit in Sankt Augustin am 1. Mai antreten kann. Am 30. April wird der noch amtierende Stadtbrandinspektor Klaus Müller 60 Jahre alt und muss aus Altersgründen ausscheiden.

Engstenberg kann aus rechtlichen Gründen nicht zugleich oberster Feuerwehrmann in Augustin und hauptberuflicher beim Siegwerk sein. Der Niederpleiser Löschgruppenführer genießt hohes Ansehen, ist von den Wehrleuten einstimmig gewählt und von Kreisbrandinspektor Walter Jonas auch schon bestellt worden. Am Donnerstag wird es noch eine Anhörung mit dem Personalrat geben. Der hat dem Vernehmen nach eine Ablehnung signalisiert.

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