1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Sankt Augustin

Hangelar: Der Kreuzkröte fehlen geeignete Gewässer

Hangelar : Der Kreuzkröte fehlen geeignete Gewässer

Nur die wenigsten haben sie bislang zu Gesicht bekommen. Allenfalls akustisch macht bufo calamita, so der lateinische Name der Kreuzkröte, auf sich aufmerksam. Doch das Quaken ist längst nicht mehr so laut wie vor zwei Jahrzehnten.

"In den 1980er Jahren gab es in der Hangelarer Heide die größten Kreuzkrötenbestände Europas", erklärte Diplomingenieur Christoph Rüter vom Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Rhein-Sieg-Kreises kürzlich den Besuchern des Offenen Werkstattverfahrens zur Rahmenplanung am Flugplatz Hangelar.

Wie viele Kröten heute noch vorhanden sind, weiß niemand: Eine letzte Schätzung erfolgte 1991 mit 3000 Kröten. "Diese Populationsgröße von 3000 Tieren wurde im Zusammenhang mit den Untersuchungen für den geplanten Weltjugendtag im Bereich Hangelar in 2001 bestätigt," so Wolfgang Schuth, Diplomingenieur und Landschaftsarchitekt des Amtes für Natur- und Landschaftschutz auf Anfrage.

"Ganz wichtig bei der Einordnung der genannten Zahl von bis zu 10.000 Tieren ist mir der Hinweis, dass keine andere Amphibienart derart starke Populationsschwankungen aufweist wie die Kreuzkröte, die als typische Pionierart oft nur temporär in bevorzugten dynamischen Lebensräumen auftritt. Dies hat zur Folge, dass in wenigen Jahren sehr individuenreiche Populationen entstehen, die aber auch genauso schnell wieder erlöschen können und neue Standorte besiedelt werden."

Doch wo sind die Kröten hin, die bereits den Papstbesuch zum Weltjugendtag gestoppt haben sollen und deren Schutz das Oberverwaltungsgericht Münster im Februar 2012 vor den damals noch gültigen Bebauungsplan am Gewerbegebiet Menden-Süd gestellt hatte?

Die trockenen Sommer 1986 und 1987 sollen ebenso dazu beigetragen haben wie auch der Verlust von Klein- und Kleinstgewässern, was mittelbar durch die Einstellung der Auskiesungsarbeiten geschah, erklärt Wolfgang Schuth. Konkreter bringt es Achim Baumgartner vom BUND auf den Punkt: "Wenn man es ganz radikal betrachtet, dann steht sie dort eher vor dem Aussterben, weil sie eben nicht gut betreut wird und weil man sie in den Verfahren nicht hinreichend gut berücksichtigt hat", sagt der Umweltschützer.

"Das war in der Tat in den 1980er Jahren das größte, wissenschaftlich beschriebene Vorkommen der Kreuzkröte in Europa. Dort gab es rund 8000 bis 10.000 adulte Tiere - das war wirklich richtig viel." Diese hatte bereits in den 80er und 90er Jahren der damalige Bonner Professor Ulrich Sinsch, heute an der Universität Koblenz-Landau tätig, untersucht.

Baumgartner, Sprecher des BUND Rhein-Sieg-Kreis, kennt das Kreuz mit der Kröte genau: "Es fehlt an geeigneten Laichgewässern." Denn während sich Verwandte wie die Gelbbauchunke bereits in kleinen Pfützen auf lehmigen Grund oder in der nach Regen vollgelaufenen Fahrspur eines Traktors wohlfühlen, habe die Kreuzkröte andere Lebensbedingungen: "In der großen Missionsgrube unterhalb des Klosters gibt es durchaus noch Laichgewässer, wobei man vorsichtig sein muss, wie erfolgreich die sind. Das sind Dauergewässer, zum Teil stark veralgt und sehr stark von Reihern belegt."

Die richtig guten Gewässer an der Grube Deutag seien alle zerstört worden, resümierte Baumgartner: "Dort war ein Tiefbauunternehmen, und das was im Prinzip der Fels in der Brandung: Da war viel Bewegung, viele schöne, große Pfützen, die auch über Wochen das Wasser gehalten haben. Das sind genau jene großen, tiefen und temporären Pfützen, die eine Kreuzkröte braucht."

Das Fazit des Umwelt- und Naturschützers ist ernüchternd: "Einzig in der Grube Bergmann an der Stadtgrenze zu Bonn finden von der Stadt immer noch ernst zu nehmende Pflegemaßnahmen statt. Wenn die Kröte noch irgendwo mit einer ernsthaften Population vertreten ist, dann dort."

Unter anderem um die letzten Lebensräume der Kreuzkröte zu schützen, hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster im Februar vergangenen Jahres den aufgestellten Bebauungsplan zum Gewerbegebiet Menden-Süd kassiert. Im Juli 2012 hatte der Rat nach Diskussion und Empfehlung des Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschusses die Neuaufstellung des Bebauungsplans beschlossen.

Diesen Plan gebe es noch nicht, die Offenlage sei noch nicht erfolgt, bestätigte die Stadt Sankt Augustin auf Nachfrage: "Derzeit laufen noch Vertragsverhandlungen zum Erwerb von Flächen in der Grube Deutag, die als dauerhafte Ausgleichsfläche dienen sollen."

Die Verhandlungen werden begleitet durch die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. "In dem Artenschutzgutachten ist festgestellt worden, dass vor der Bebauung dauerhaft geeignete Ersatzflächen für die Amphibienvorkommen geschaffen werden müssen." Bevorzugt soll die Grube Deutag als Ausgleichsfläche herangezogen werden. Ob sich Kreuzkröte und Co. dort ohne die notwendige Dynamik im Lebensraum wohlfühlen werden, weiß heute noch niemand.