Entsorgung im Rhein-Sieg-Kreis: Das passiert mit ausrangierten Weihnachtsbäumen

Entsorgung im Rhein-Sieg-Kreis : Das passiert mit ausrangierten Weihnachtsbäumen

Seit Januar sammelt die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) ausrangierte Weihnachtsbäume ein. Aus den mehr als 110.000 Tannen soll Wertstoff für die Energiewirtschaft entstehen. Ein Besuch im Kompostwerk.

Kaum vier Wochen ist es her, da wurden die Weihnachtsbäume in den heimischen Wohnzimmern noch geschmückt, besungen, bestaunt und fotografiert. Doch lange hielt die Freude am Tannengrün offenbar nicht: Seit rund drei Wochen laufen im Kompostwerk der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) in Sankt Augustin-Niederpleis die Arbeiten auf Hochtouren, um aus alten Tannenbäumen einen nachhaltigen Wertstoff für die Energiewirtschaft zu machen.

Und was auf die Weihnachtsbäume wartet, klingt gar nicht nach friedlicher Weihnachtszeit, wie Anlagenleiter Silvio Busch im Kompostwerk zeigt: Wenngleich die Weihnachtszeit im Kirchenjahr erst am 2. Februar endet, ist die RSAG bereits seit Anfang Januar mit der Sammlung der ausrangierten Nadelbäume beschäftigt.

Ein Radlader bringt die ausrangierten Tannenbäume zu einem „Schnellläufer“, der Kleinholz daraus macht. Foto: Thomas Heinemann

Seit dem vergangenen Jahr werden die Bäume getrennt zum Biomüll an den Straßenrändern abgeholt und in großen Sammelfahrzeugen mit mehreren Tonnen Druck zusammengepresst. Das sichtbar zerzauste Grün landet im Kompostwerk auf großen Bergen, aus denen die riesigen Klauen eines Radladers einzelne Portionen reißen und diese zu einem „Schnellläufer“ fahren.

So wird der mehr als 22 Tonnen schwere und 430 PS starke Schredder des Herstellers Doppstadt genannt, dessen Motor mit kraftvollen 2000 Newtonmetern Drehmoment eine rotierende Einzugswalze mit spitzen, langen Zähnen antreibt. Sie zerrt die Pflanzen in eine Trommel, in der 36 Schlegel mit einer Gewalt von rund 1000 Umdrehungen pro Minute aus den einst schönen Tannenbäumen buchstäblich Kleinholz machen.

„Schöne, gleichmäßig große Stücke“, betont Silvio Busch und greift beherzt in den dampfenden Berg frisch geschredderten Grüns. „Früher wurden die Bäume mit dem Biomüll gemischt, im ‚Biber’ genannten Schredder grob vorzerkleinert und anschließend komplett kompostiert. Jetzt ist der Verwertungsweg ein anderer: Die Bäume werden später abgefahren und kommen in ein Biomassekraftwerk.“ Dort werde aus den maximal zwölf Zentimeter langen Tannenbaumfetzen Wärme und Strom erzeugt, sagt Busch: „Das ist nachhaltiger als die reine Kompostierung.“

Mit insgesamt rund 110 000 Tannenbäumen allein aus dem rechtsrheinischen Kreisgebiet rechnet der Anlagenleiter. Bäume aus dem Linksrheinischen werden auf dem RSAG-Betriebsgelände Gut Müttinghoven in Swisttal verarbeitet. Und das eigentlich viel zu früh, wie Silvio Busch findet. Schon kurz nach Weihnachten seien die Straßenränder voll mit noch ansehnlichen und vermutlich auch teuren Weihnachtsbäumen gewesen, berichtet der Anlagenleiter mit Blick auf den unaufhaltsam arbeitenden Schredder: „Es ist schon verrückt, welche Werte hier in so kurzer Zeit durchgejagt werden. Aber immerhin wird noch etwas Gutes daraus.“

Das gelte auch für Adventskränze, Türkränze und Gestecke, die in der Biomülltonne landen und denen ein anderes Ende bevorsteht: Der Biber-Schredder zerfranst zunächst das Grün, das dann auf einem Sortierband in Handarbeit von sogenannten „Fehlwürfen“ wie Dekoration und Plastik befreit wird, ehe es noch einmal zerkleinert wird. Danach wird es für vier bis sechs Wochen in einer der 24 Rotteboxen mit je 200 Kubikmetern Füllvolumen gelagert.

Dass immer wieder auch Kränze und Gestecke mitsamt Schleifen und Kugeln im Biomüll landen, kann Anlagenleiter Silvio Busch nicht verstehen: „Das ist echt unglaublich, was man da manchmal findet.“ Immerhin, bei den Tannenbäumen bewahrheite sich Loriots Spruch „Früher war mehr Lametta“ tatsächlich: „Die große Zeit von Lametta ist vorbei und an den Bäumen hängt nichts mehr dran, wenn wir sie abholen.“