Das Gogol und Mäx gastiert in Sankt Augustin. Gespräch mit Mäx Müller

Interview mit Mäx Müller : Musik-Kabarett ohne Worte gastiert in Sankt Augustin

Sie vereinen Kunst und Klamauk zu einer wunderbaren Melange des Musikkabaretts: Vor dem Auftritt des Duos Gogol und Mäx haben wir in Sankt Augustin mit Mäx Müller gesprochen.

Wenn sie nicht gemalt wären, würden sie sicherlich vor Lachen von der Wand fallen. Die Porträts von Bach und Mozart gehören bei Gogol & Mäx zur Bühnenausstattung. Und wenn es schon die Klassiker nicht tun, dann die Komiker um so mehr. Sie fallen in jeder Hinsicht aus dem Rahmen. Und das sogar ohne Sprache, dafür aber mit sehr viel Musik, Kunst und Klamauk.

Als Pantomime-Künstler, die mit Instrumenten, ihrer Mimik und einer riesigen Portion Humor unterhalten, sind Gogol & Mäx seit fast 30 Jahren erfolgreich unterwegs. Wie sie das machen, welches Schlüsselerlebnis zur Bühnenberufung wurde und warum der Beruf des Komikers „der einzig wahre“ ist, verriet Mäx Müller im Vorfeld seines Augustiner Auftritts Susanne Haase-Mühlbauer.

Ihr Bühnenpartner Gogol alias Christoph Schelb und Sie sind seit knapp 30 Jahren als Duo unterwegs. Haben Sie sich von Anfang an als Clowns verstanden, oder hat sich Ihr Profil über die Jahre verändert?

Mäx Müller: Die Entwicklung geht immer weiter. Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt. Das Einzige, das wir glücklicherweise in all den Jahren behalten haben, ist die Lust und Freude an den Dingen, die wir tun. Die Bezeichnung Musik-Clown wäre die treffende und richtige, aber der Begriff „Clown“ ruft heute leider auch falsche Bilder hervor. Das weiß überschminkte Gesicht und die rote Nase sind bei vielen Menschen mit Angst und sogar Schrecken verbunden. Auch deshalb haben wir den Schminkkasten schon vor vielen Jahren in die Ecke gestellt.

Aber die langen Schuhe gehören doch zu Ihrem Kostüm....wie groß sind die denn?

Müller: Das muss so Größe 57 sein. Sie erinnern an den großen Clown Grock und die aussterbende Kunst der Zirkusclowns. Seit ich 15 Jahre alt bin, gehören diese Clowns-Schuhe für mich dazu. Zur Fastnachtszeit in meiner Staufener Heimat habe ich solche Schuhe von einem sehr alten Künstler geschenkt bekommen, der wusste, dass ich auch Clown werden wollte. Er sagte zu mir: „Jetzt musst du weitermachen.“ Sie waren viel zu schwer, aber die ersten Jahre habe ich sie dennoch immer wieder beim Schuhmacher flicken lassen. Heute trage ich eine leichtere Version. Als Reminiszenz an die Anfänge gehören sie einfach zu mir und meinem Bühnen-Outfit.

Woher wussten Sie, dass dieser Beruf für Sie der richtige sein sollte?

Müller: Ich besuchte mit meinen Eltern, die beide Steuerberater und beruflich gesehen sehr ernsthafte Menschen waren, einen Soloabend des russischen Clowns Popov in der Stadthalle Freiburg. Meine Eltern und der Sohn lachten sich damals gemeinsam weg. Das war für mich mit kaum acht Jahren ein sehr eindrückliches und sensationelles Erlebnis. Und es war zugleich die Initialzündung für die eigenen Zukunftspläne.

Haben Sie Popov später noch einmal erlebt?

Müller: Ja, und zwar wieder in Freiburg. Mit weit über 70 Jahren stand der große Popov dort vor etwa zwölf Jahren erneut in der Manege des Weihnachtszirkus. Es mag daran gelegen haben, dass er einen schlechten Tag hatte, aber kaum ein Zuschauer lachte an jenem Abend über die immer noch perfekt und routiniert dargebotenen Tricks. Die Magie und das Leuchten war – jedenfalls an jenem Abend – aus seinen Augen entschwunden. Ein sehr nachdenklich stimmender Abend.

Wie halten Sie sich denn mit heute 63 Jahren fit für die Bühne?

Müller: Allein zur Instrumentenpflege brauche ich jeden Tag drei bis vier Stunden. Immer schön im Wechsel die Holzblasinstrumente, dann die Blechversionen und alle anderen Instrumente. Das braucht alles enorm viel Zeit. Und für den Körper habe ich eine besondere Gymnastik, keinesfalls Hauruck und auch kein Tai Chi. Es sind eigene Dehn- und Streckübungen, die meinen Körper geschmeidig halten und vor den Auftritten gut auf die erforderliche Betriebstemperatur bringen sollen.

Sie turnen ja recht abenteuerlich auf und unter Ihren Instrumenten. Haben Sie sich schon mal verletzt?

Müller: Eigentlich wollte und sollte ich nicht darüber sprechen, aber es ist tatsächlich mal passiert, ausgerechnet bei einer mit der Kamera festgehaltenen Show. Der extra einstudierte Abgang vom Trapez ist total missglückt. Eine dreiviertel Stunde habe ich bis zum Finale der Show weiter musiziert. Vor lauter Adrenalin habe ich nicht gespürt, dass beim Sturz das Handgelenk sauber durchgebrochen war.

Gogol ist mit Pomade im Haar der ernste Musiker, der ein Klassik-Repertoire zu spielen versucht. Mäx ist sein Gegenpart als der ungehörige Störer. Ihre musikalischen Stör-Manöver erinnern ein wenig an ein ungeduldiges Kind, das den ernsthaften Pianisten vom Üben abbringen will... Kennen Sie solche Situationen aus Ihrer eigenen Kindheit?

Müller: Die älteste meiner drei Schwestern war eine fleißig übende, überaus talentierte Flötistin und hat später Konzert-Flöte studiert. Wenn wir allerdings bei Familienfeiern „etwas Ordentliches“, also Klassisches, vorspielen sollten, war das für mich schon immer ein Gräuel. Ich hatte wohl schon immer einen eigenen und leicht anarchischen Kopf.

Musik, Akrobatik, Jonglage, Seiltanz, Pantomime – gab es dazu eine Mehrfach-Ausbildung, oder sind Ihnen gleich alle Talente zugefallen?

Müller: In unserer Heimatstadt Staufen gab es tatsächlich einen Turnverein, in dem man solche akrobatischen Zirkus-Dinge, wie einen Salto und ähnliches lernen konnte. Mein Bühnenpartner Gogol und ich haben dort interessanterweise beide mitgemacht und dabei einen wertvollen Grundstock erhalten für das, was wir später auf der Bühne gebraucht haben. Und neben der musikalischen Grundausbildung kam dann noch eine gute Portion Neugierde für alle weiteren Instrumente hinzu.

Gibt es denn ein Instrument, das Sie nicht spielen?

Müller: Den Dudelsack würde ich liebend gerne erlernen. Aber die spezielle Technik, durch Armdruck den mit Lungenkraft gefüllten Luftsack in die Spielpfeife zu pressen, ist betrüblicherweise einfach nicht mein Ding.

Wer waren Ihre Vorbilder?

Müller: Das ist die gesamte Riege der Stummfilmkomiker, ob das nun Buster Keaton oder Charly Chaplin sind oder auch Stan Laurel und Oliver Hardy alias Dick & Doof. Das waren alles geniale Künstler. Und natürlich der von allen Musikkomikern heilig gesprochene Victor Borge.

Können Sie sich ruhig halten, wenn Sie in einem ganz normalen Konzert sitzen, oder zuckt es Ihnen schon mal in den Fingern?

Müller: Ganz ehrlich – manchmal fällt es schwer, gerade wenn ernsthafte Künstler ungewollt komisch werden. Dann muss ich schon mal verdeckt ins Programmheft schauen, um einen Lacher zu unterdrücken.

Lacher müssen bei Gogol & Mäx alias Christoph Schelb und Max-Albert Müller nicht unterdrückt werden. Am Samstag, 23. November, ist das Duo ab 20 Uhr in Sankt Augustin zu erleben. In der Aula des Rhein-Sieg-Gymnasiums gibt es dann das „Concerto Humoroso“. Karten zum Preis von 18,40 Euro bis 20,60 Euro gibt es an den üblichen Vorverkaufsstellen.

Mehr von GA BONN