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Kunsthalle Hangelar: Das Duo "Improhazard on Tour" improvisiert bei seinem Konzert

Kunsthalle Hangelar : Das Duo "Improhazard on Tour" improvisiert bei seinem Konzert

Ungewöhnlich war das Hörerlebnis, das das Duo "Improhazard on Tour" am Samstag in der Kunsthalle des Metallkünstlers Norbert Richert in Hangelar servierte.

Klarinettist Rainer Weber und Schlagzeuger Ulrich Raupach haben sich der improvisierten Musik verschrieben, die in den 1960er Jahren aus dem Free-Jazz entstanden ist. Dabei geht es mehr um das Klangerlebnis als um "fertige" Stücke, also abgeschlossene Kompositionen.

Für die Musiker bedeutet ein Auftritt daher stets ein gemeinsames Produzieren, der Entstehungsprozess steht immer im Vordergrund. Während einer Performance werden Instrumente auch schon einmal auf ungewöhnliche Weise gespielt, um ihnen völlig neue Töne zu entlocken.

Weber setzte beispielsweise einen Geigenbogen an seiner Klarinette ein oder "flüsterte" in das Mundstück, statt durch Hineinblasen Töne zu erzeugen. Lautmalerei oder improvisierte Texte und Gesang gehören nämlich auch zu dieser Art von Musik. Alltagsgegenstände, die das Duo "zweckentfremdet", bieten ungeahnte Einsatzmöglichkeiten durch ihren spezifischen Klang.

So hat Raupach sein Schlagzeug um diverse Metallteile, die unter anderem an Radkappen erinnern, erweitert, nutzte für die Percussion auch Handbesen aus Stroh. Die Kunst beim "Instant Composing", wie der Fachbegriff lautet, besteht darin, spontan auf den Mitspieler zu reagieren, beziehungsweise selbst die Initiative zu ergreifen.

Dazu bedarf es eines ausgeprägten Gespürs für Klänge, Rhythmen und Formen, da vorab nichts festlegt oder abgesprochen wird, auch nicht in Bezug auf die Musikrichtung oder einen bestimmten Stil. "Man muss vor allem ein gutes Ohr haben", erklärte Rainer Weber, der in Hangelar wohnt und Ulrich Raupach aus dem sächsischen Peritz schon mehr als 20 Jahre kennt und mit ihm gemeinsam musiziert.

Daher gibt es auch keine "schrägen Töne". Die Musiker sind Profis auf ihrem Gebiet und daher in der Lage, sich auf ihre Mitspieler einzustellen. "Letzte Woche haben wir sogar mit 18 Kollegen zusammengespielt", berichtete Raupach. Wichtig seien die Beschaffenheit des jeweiligen Raums, die Stimmung des Publikums und die des Ensembles, erklärte Weber, der festes Mitglied im Performance-Orchester Adam Noidlt Missiles in Köln ist.

Denn ihre Musik "ist eine Maßanfertigung für die momentane Situation, in der wir spielen". Selbst für "ungeübte" Ohren war das Konzert keinesfalls gewöhnungsbedürftig, die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen vorausgesetzt. Auch dafür hat das Duo eine Erklärung: "Man empfindet das als harmonisch, womit man aufgewachsen ist." Und liefert den Beleg: "Die Terz, ein Intervall in der Musik, war im Gregorianischen ein Unding."