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Corona-Fall in Sankt Augustiner Flüchtlingsunterkunft - Einrichtung unter Quarantäne

1214 Infektionen im Rhein-Sieg-Kreis : Sankt Augustiner Flüchtlingsunterkunft nach Corona-Fall unter Quarantäne

In der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes NRW für Flüchtlinge in Sankt Augustin gibt es einen bestätigten Corona-Fall. Der Kreis hat am Donnerstag insgesamt 1214 bestätigte Corona-Infektionen gemeldet.

In der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW für Flüchtlinge in Sankt Augustin gibt es einen bestätigten Corona-Fall. Landrat Sebastian Schuster berichtete am Donnerstagmittag in der Telefon-Pressekonferenz des Rhein-Sieg-Kreises, dass die Einrichtung unter Quarantäne stehe. „Hier wohnen knapp 500 Menschen eng aufeinander. Sie haben zusammen gegessen und sind sich über den Weg gelaufen“, sagte Schuster. Deshalb seien alle Bewohner als enge Kontaktpersonen (K1) eingestuft worden.

„Eine spezifische Kontaktpersonen-Nachverfolgung kann man dort nicht machen“, so Schuster. Sanitäre Anlagen, Flure und Speisesaal würden gemeinsam genutzt. Das Kreisgesundheitsamt verfolge jedoch die Kontakte zu ehrenamtlichen Helfern aus der Flüchtlingsunterkunft. Bei allen Bewohnern sollen Abstriche genommen werden, um sie auf Sars-CoV-2 zu testen. Alle weiteren Maßnahmen erfolgen laut Schuster in enger Abstimmung zwischen dem Kreisgesundheitsamt, der Stadt Sankt Augustin und der Bezirksregierung Köln, die für die ZUE zuständig ist.

Neben der positiv getesteten Person gibt es einen Verdachtsfall

In der Flüchtlingsunterkunft, die im Auftrag der Bezirksregierung durch die Firma ORS betreut wird, können bis zu 600 Personen untergebracht werden. Derzeit wohnen 489 Menschen in der Einrichtung. Neben der positiv getesteten Person gibt es nach Angaben der Bezirksregierung einen Verdachtsfall. Pressesprecherin Vanessa Nolte sagte auf GA-Anfrage, dass bereits vor Bekanntwerden der ersten Infektion Zimmer umbelegt wurden, um die Wohnsituation zu entzerren. Freizeitprogramm fand in der Einrichtung nicht mehr statt. „Die positiv getestete Person ist isoliert untergebracht, mit einem eigenen Sanitärbereich. Sie hatte seit Montag etwas Fieber, inzwischen geht es ihr aber wieder besser“, berichtete Nolte. Zum Schutz der anderen Bewohner hat die Bezirksregierung Mund-Nasen-Masken verteilt, das Reinigungsintervall erhöht und Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Ein Sicherheitsdienst regelt am Tor der ehemaligen Medienzentrale der Bundeswehr den Zugang. Am Donnerstag hielten sich im Park außerhalb des Geländes weiterhin Personen auf. Ali Dogan, Krisenstabschef der Stadt Sankt Augustin, sagte dem GA auf Anfrage, dass das Ordnungsamt die Einhaltung der Quarantäneauflagen prüfen werde.

Bislang keinen Coronafall in der Firma Willms Fleisch in Ruppichteroth

Gute Nachrichten gibt es aus der Firma Willms Fleisch in Ruppichteroth: Dort waren auf Anweisung des Landes alle 760 Beschäftigten auf das neue Coronavirus getestet worden. „Es gab bislang keinen einzigen positiven Fall. Auf 80 Ergebnisse warten wir noch“, berichtete Landrat Schuster am Donnerstag. Weitere Unternehmen aus dem Kreis waren nicht von den Massentests in den fleischverarbeitenden Betrieben betroffen. Für die Überprüfung des Arbeitsschutzes in den Spargel- und Erdbeerbetrieben ist laut Schuster die Bezirksregierung Köln zuständig. Der Landrat berichtete aus der jüngsten Telefonkonferenz, dass es juristisch noch umstritten ist, ob das Infektionsschutzgesetz für Kontrollen in den Unterkünften der Erntehelfer ausreicht. „Es ist die Frage, ob man präventiv durch Privatwohnungen laufen darf“, so Schuster.

Vorsorgliche Corona-Tests in Alten- und Pflegeheime

Nach wie vor ist nicht geklärt, wer die vorsorglichen Corona-Tests in allen 135 Alten- und Pflegeheimen im Kreis zahlt. Der Kreis will hier in Vorleistung treten, das Thema steht wie berichtet am Montag auf der Tagesordnung des Kreisausschusses. Die Abstriche in den Senioreneinrichtungen werden wie geplant nach und nach abgearbeitet, daran ändert auch der neue Corona-Befund in der Flüchtlingsunterkunft nichts. Einen Material-Engpass gibt es nicht. Nach Auskunft von Kreissprecherin Rita Lorenz werden die Röhrchen für die Abstriche bedarfsgerecht vom Labor geordert, „sie sind dort aber jederzeit abrufbar“.

Landräte fordern einheitliches Testkonzept

Die Landräte haben laut Schuster unterdessen ein landesweit einheitliches Testkonzept angemahnt. Hintergrund ist, dass bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche neue regionale Beschränkungen gelten sollen. Und: Wer mehr testet, hat wahrscheinlich auch mehr Treffer. „Es gibt seitens des Landes keine Vorgaben, wo, wie und in welchen Abständen getestet wird. Da wäre ein einheitliches Vorgehen schon wünschenswert“, erklärte Schuster.

Gemeinsam mit den Bürgermeistern der Kommunen beschäftigt er sich zurzeit mit ganz unterschiedlichen Themen, von möglichen Großveranstaltungen nach dem 31. August bis hin zum Karneval 2021. Zunächst muss aber die Wiedereröffnung der Freibäder geregelt werden. Hier will sich Schuster auch mit der Stadt Bonn absprechen, damit kein „Bädertourismus“ zwischen den Kommunen entsteht. „Wir haben hier im Sommer mit dem Rotter See und dem Allner See besondere Herausforderungen“, so der Landrat. Auch an Sieg und Agger rechnet er mit Andrang, wenn die Bürger im Sommer nur begrenzt reisen können. „Wir werden uns im Kreis Gedanken machen müssen, wie wir das kontrollieren“, sagte Schuster und brachte den Umweltaußendienst ins Gespräch, der bisher vor allem im Siebengebirge unterwegs ist.