Rhein-Sieg-Gymnasium: Blockflötenorchester brilliert mit stilistischer Vielfalt

Rhein-Sieg-Gymnasium : Blockflötenorchester brilliert mit stilistischer Vielfalt

Zugegeben, der Begriff "Blockflötenorchester" leidet unter gewissen klischeehaften Vorstellungen. Mag der eine an quietschende, viel zu laute Sopranflöten, oder ungenaue und unsaubere Einsätzen denken, hat der andere keine Vorstellung von der Größe der Instrumentenfamilie, die sich hinter dem Begriff "Blockflöte" verbirgt.

So oder so - der Auftritt des Augustiner Blockflötenorchesters, das am Sonntag in der Aula des Rhein-Sieg-Gymnasiums unter der Leitung von Dietrich Schnabel brillierte, räumte alle Zweifel an den konzertanten Fähigkeiten des Holzblasinstrumentes beiseite.

Das Programm schlug einen großartigen Bogen über 400 Jahre Musikgeschichte: Mit der Zeitspanne, die zwischen Givoanni Domenico Rognoni Taeggios "Cantate Domino" (1605) und zwei Werken aus der Feder des Dirigenten Dietrich Schnabel liegt, wurde die Brücke vom Generalbasszeitalter bis zum jazzigen Stil des "Walking Bass" gebaut.

Eine Brücke aus Holz war das freilich, denn die 40 Instrumentalisten im Alter zwischen 40 und 80 Jahren sind allesamt Holzbläser. Sie leisteten unter Schnabels sorgsamem Dirigat dynamische Feinarbeit und korrespondierten bis in die Vortragssituation hinein mit ihrem Dirigenten.

Der hatte seinem Augustiner Orchester - einem von insgesamt vier regelmäßig übenden Blockflötenorchestern - eine Komposition gewidmet, die es am Sonntag sogar uraufzuführen galt. "Contra is cool" ist der Titel eines Orchesterwerks, dessen Entstehung einem Wettversprechen zu verdanken ist.

Der in Gudensberg bei Kassel lebende Dirigent und Komponist hat die Komposition seinem Augustiner Orchester für denn Fall versprochen, dass sich die Anzahl der Subbässe auf zehn vergrößern würde. Das war 2012 - inzwischen gibt es in den Augustiner Reihen sogar 13 Subbässe, die nun das Concerto Grosso gemeinsam zur Uraufführung brachten.

Schnabels Satz ist neuzeitlich, aber nicht tonal gelöst. Im Gegenteil - er ist geprägt von einer swingenden Melodik, besitzt viele Synkopen und jede Menge Rhythmusgeräusche. Geklatscht, geklopft, geschnippt und gezischt unterstrichen die Musiker die Titelaussage "Contra ist cool" - und hatten die Begeisterungsäußerungen sicher.

Die galten natürlich auch der Tatsache, dass fast jedes Orchestermitglied mindestens drei verschiedene Flöten beherrscht. Der "Flötenwald", der sich entlang der Bühnenkante erstreckte, führte diese Vielfalt vor Augen. Zwischen den 18 Zentimeter kleinen Sopraninoflöten und den stolzen Subbassflöten mit einer Länge von 1,86 Metern tummelten sich gut 150 Flöten, jede Menge Tenor-, Bass- und Alt-Flöten.

Wie warm und persönlich das Klangbild sein kann, machte die harmonienreiche Zugabe, die sogar zwei Mal gespielt werden musste, einmal mehr deutlich. Die verriet zudem einen freundschaftlichen Blick über die Siegbrücke ins benachbarte Siegburg: Der "Abendsegen" des dort geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck aus der berühmten Märchenoper "Hänsel und Gretel" erklang hier im 16-stimmigen Satz von Irmhild Beutler.

Wer mitmachen will, kann sich über die Homepage des Orchesters über den Probenkalender informieren und die Musiker kontaktieren unter www.blorsta.de