Kinderklinik in Sankt Augustin: Asklepios sieht Landesregierung unter Druck

Kinderklinik in Sankt Augustin : Asklepios sieht Landesregierung unter Druck

Laut Gutachten gibt es bei der gesundheitlichen stationären Kindermedizin in der Region keine Überversorgung. Nach Bekanntwerden der drohenden Schließung werden laut Asklepios-Konzern 100 Mitarbeiter das Sankt Augustiner Hospital Ende September verlassen haben.

Namen einzelner Kliniken sind nicht enthalten im mit Spannung erwarteten Gutachten des Landes Nordrhein-Westfalen zur Krankenhauslandschaft. Mit Blick auf die Zukunft der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin ist jedoch interessant, dass es im sogenannten Versorgungsraum 6 – er umfasst Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und den Kreis Euskirchen – keine Überversorgung bei der stationären Behandlung von Kindern gibt.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat am Donnerstag das rund 900-seitige Gutachten vorgestellt, das Grundlage für eine neue Krankenhausplanung des Landes ist. 2020 soll es konkrete Ergebnisse geben.

So lange will der Asklepios-Konzern nicht warten. Er hat bereits Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds beantragt, um das Deutsche Kinderherzzentrum zu schließen und den Rest der Klinik mit Unterstützung weiterzubetreiben. Alternativ steht auch die Schließung der gesamten Klinik im Raum.

„Das Gutachten der Landesregierung zur Krankenhauslandschaft Nordrhein-Westfalen stellt explizit für das Versorgungsgebiet, in dem sich die Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin befindet, keine Überversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin fest. Die bisherige Einschätzung des Gesundheitsministeriums, ein Wegfall der Kinderklinik könne durch die umliegenden Strukturen aufgefangen werden, deckt sich offensichtlich nicht mit der Einschätzung der Gutachter“, sagte Asklepios-Pressesprecher Rune Hoffmann auf Anfrage des GA. Umso wichtiger sei es daher jetzt, „dass die Landesregierung nicht mehr länger auf Zeit spielt, sondern ihrer Verantwortung für die Sicherstellung der Versorgung im Landkreis nachkommt“. Sankt Augustin benötige für seinen Fortbestand einen Sicherungszuschlag des Landes.

Knapp 100 Mitarbeiter weniger

Zum 1. Oktober wechseln die Kinderherzspezialisten Boulos Asfour, Martin Schneider und Ehrenfried Schindler an das Bonner Uniklinikum, und mit ihnen weiteres Personal der Asklepios Kinderklinik. „Zu Ende September verlassen uns mehr als 55 Mitarbeiter. Insgesamt haben uns seit bekanntwerden, dass der Fortbestand des Deutsche Kinderherzzentrums in Frage steht, knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen. Das entspricht rund 20 Prozent unserer Beschäftigten in Sankt Augustin“, erklärte Rune Hoffmann.

Die Arbeit des Deutschen Kinderherzzentrums geht weiter, Asklepios will auch künftig alle bisherigen Leistungen, inklusive Kardiologie mit Herzkatheter, anbieten. „Ausnahme sind allerdings herzchirurgische Eingriffe“, berichtete Hoffmann.

Neue Gespräche zur Zukunft der Kinderklinik gab es seit dem Treffen vom Juli, als Landrat Sebastian Schuster die Asklepios-Spitze in Hamburg traf, nicht. Laut der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises gibt es derzeit auch keinen Termin für ein weiteres Gespräch.

Im Oktober beginnt nun die eigentliche Antragsphase für den Krankenhausstrukturfonds. Dann berät zunächst das NRW-Gesundheitsministerium mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen, welche Anträge förderfähig sind, und stellt danach Anträge beim Bundesversicherungsamt. Das entscheidet schlussendlich über die Bewilligung. „Wir hoffen immer noch auf ein Zeichen der Unterstützung durch die Landesregierung“, so Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann.

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