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Diskussion in der Hochschul- und Kreisbibliothek Sankt Augustin: Arbeit 2.0 - Die digitale Revolution

Diskussion in der Hochschul- und Kreisbibliothek Sankt Augustin : Arbeit 2.0 - Die digitale Revolution

Kann der Mensch Arbeit neigungsorientiert wählen, sie individuell gestalten und frei entscheiden? Kann er sich Freiräume schaffen oder läuft er in einem Hamsterrad?

Bei der Diskussion in der Hochschul- und Kreisbibliothek Sankt Augustin unter der Leitung von TV-Moderator Thomas Bade, machten sich Hochschul-Präsident Hartmut Ihne, Mathematiker und Buchautor Günter Dueck sowie Philosophin Svenja Flaßpöhler Gedanken über die "digitale Revolution" und ihre Auswirkung auf die Arbeitswelt.

Flaßpöhler beklagte, dass man in der heutigen Leistungsgesellschaft nach Anerkennung und Erfolg giere und die Arbeit über alles stelle. Man sei durch moderne Technik immer und überall erreichbar, würde süchtig nach Arbeit und empfinde darin einen Genuss, der eigentlich in Freizeit, Müßiggang und Erholung gesucht werden sollte.

Dem widersprach Ihne, weil die These der Philosophin nur auf einen geringen Teil der weltweiten Leistungsgesellschaft zuträfe. Die überwiegende Anzahl der Arbeitnehmer sei gezwungen, zu arbeiten. Perfide nannte Ihne allerdings, dass "die Gier der Menschen nach äußerer Anerkennung durch die Gesellschaft begünstigt wird" und nannte als Beweis die zahlreichen Casting Shows.

Kein Problem sah der Hochschul-Präsident darin, ganz in seinem Job aufzugehen. Mit der Einschränkung, dies selbst zu bestimmen und nicht unter Zwang zu stehen. Den sahen alle Diskussionsteilnehmer als eines der größten Übel bei der Berufsausübung. Dieser Zwang ergäbe sich laut Dueck aus ihrer Messbarkeit.

Früher konnte man seiner Ansicht nach Arbeitsabläufe lediglich beobachten, heute sorgen Systeme für eine lückenlose Überwachung und Kontrolle. Das führe zu immer weiteren Zielvorgaben und höheren Anforderungen des Managements. Dadurch wachse auch der Ehrgeiz bei den Arbeitnehmern und diese Belastung ende oft in einem Burn-Out, bemerkte Flaßpöhler.

Den von außen augeübten Druck verurteilte auch Dueck. Es gehe nur noch um "Credit points". Das beginne mit dem Numerus clausus, finde Fortsetzung in den Leistungspunkten an den Hochschulen und ende in der Punktevergabe in den Unternehmen. Alles drehe sich um Leistungssteigerung, mehr Umsatz und treibe die Menschen in einen wahren Kampf um ihren Arbeitsplatz.

Zwang bestehe auch an Hochschulen, so Ihne, der mehr anwendungsbezogene, freie und unabhängige Forschung forderte, die der Allgemeinheit nützt. Und Dueck ergänzte, dass leider viel zu oft nach "Impact Points" geschielt würden, nämlich nach Veröffentlichungen, die Einfluss auf die Anerkennung des jeweiligen Autors haben.