Jobcenter Sankt Augustin: Ärger um vermietete Räume

Jobcenter Sankt Augustin : Ärger um vermietete Räume

Der Eigentümer der Immobilie in Sankt Augustin widerspricht Aussagen des Jobcenter-Chefs zur Bausubstanz. Beide laden die Politik ein, sich den Zustand des Gebäudes anzusehen.

Sind die Räume des Jobcenters in Sankt Augustin wirklich marode? Nach der Diskussion im Planungsausschuss widerspricht Stephan Becker, Geschäftsführender Gesellschafter der Becker Immobilien, entschieden der Darstellung von Ralf Holtkötter, Geschäftsführer des Jobcenters Rhein-Sieg, während der Sitzung. Das Jobcenter will aus den Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) am Markt in Sankt Augustin in einen Neubau im Industriegebiet umziehen. Als Gründe nannte Holtkötter im Ausschuss die baulichen Zustände (der GA berichtete).

In einem langen Brief an Bürgermeister Klaus Schumacher und Wirtschaftsförderer Edgar Bastian, der dem GA vorliegt, schreibt Becker, die KAS-Verantwortlichen und er hätten „erschrocken, mit Unverständnis und letztendlich mit massiver Verärgerung“ die „rufschädigenden Falschaussagen“ zur Kenntnis nehmen müssen. Das Schreiben ging inzwischen auch an die Fraktionssprecher.

Richtig ist laut Becker ein Punkt: Dass sich in einem Büro des Jobcenters eine Teilfläche des Deckenputzes gelöst habe. Aber sowohl die Gutachter des Jobcenters als auch der Sachverständige des Eigentümers hätten festgestellt, „dass lediglich dieses einzelne Büro betroffen ist und der Deckenputz in allen übrigen Büros des Objektes mängelfrei ist. Insoweit handelt es sich um einen bedauerlichen Einzelfall, der jedoch als Einzelfall keine Rückschlüsse auf die Qualität der Gesamtimmobilie zulässt.“

Der Geschäftsführer des Jobcenters hat am Freitag in einem Brief an den Bürgermeister auf die Aussagen des Vermieters reagiert. „Es haben sich drei Quadratmeter des Deckenputzes gelöst und sind auf den Arbeitsplatz eines Kollegen gestürzt. Hätte dieser an seinem Schreibtisch gesessen, hätte er im Kopfbereich schwer verletzt werden können. Dies ist meines Erachtens nicht nur 'bedauerlich'“, so Holtkötter. Richtig sei, dass der von ihm beauftragte Gutachter eine Wiederholung dieses Vorfalles ausgeschlossen habe. „Er hat in seinem Gutachten aber auch ausdrücklich vermerkt, dass die Beschäftigten unverzüglich das Büro verlassen sollen, sobald sie ein Knacken in der Decke hören. Andernfalls hätte ich den Betrieb in dem Gebäude bereits einstellen müssen.“

Unstimmigkeiten zwischen Mieter und Vermieter gibt es auch über eine defekte Behindertentoilette, einen angeblichen Wasserschaden und den Zustand der Fenster. Über Kältebrücken durch die Aluminiumfenster habe sich bisher keiner der anderen Mieter beschwert, so Becker. „Stattdessen problematisieren dieses Thema lediglich die Mitarbeiter des Jobcenters.“ Dennoch habe man den Austausch der Dichtungen sowie des Fensterglases sowie anschließend auch den Austausch der Fensteranlagen insgesamt angeboten, so Becker.

Laut Holtkötter belegen Wärmebilder aus den Büros des Jobcenters die energetische Situation. „In dem Zusammenhang verwahre ich mich ausdrücklich dagegen, dass meine Beschäftigten besonders empfindlich seien“, schreibt er. Das Angebot, auch die Aluminiumrahmen der Fenster auszutauschen, habe er von Becker erst bekommen, nachdem ihm der Neubau an der Einsteinstraße als Alternative angeboten wurde.

Der Eigentümer kündigt weitere Baumaßnahmen an, die in einem zwischen Jobcenter und der Becker Immobilien erarbeiteten Raumbuch für jeden einzelnen Raum definiert worden seien. Dazu gehörten zusätzlich zum Schallschutz auch der Einbau von Panikschlössern an den Türen und zusätzliche Fluchttüren von Büro zu Büro. Holtkötter dazu: „Es trifft zu, dass Herr Prof. Dr. Becker dies alles angeboten hat – allerdings auf Kosten des Jobcenters Rhein-Sieg, weil all dies in seine Mietkalkulation eingeflossen ist.“

Becker widerspricht wiederum Holtkötters Bemängelung der unzureichenden Barrierefreiheit: „Das gesamte Objekt ist bereits heute barrierefrei – mit Ausnahme eines Höhenversprungs zwischen dem zukünftig geplanten Eingang des Jobcenters sowie dessen dort angrenzenden Büros. Hierfür wurde dem Jobcenter mehrfach der Einbau eines Lifters in Aussicht gestellt.“ Er habe zusätzlich angeboten, die IT-Verkabelung, die Außenjalousien, die gesamte Beleuchtung sowie die Wand-, Boden- und Deckenbeläge in allen Büros, Fluren und Treppenhäusern zu erneuern. „Mit diesen Maßnahmen konnte dem Jobcenter ein Neubau-Standard in unserem bestehenden Objekt Konrad-Adenauer-Stiftung zugesichert werden“, so der Vermieter.

Holtkötter schreibt, dass auch durch die Darstellung Beckers deutlich geworden sei, „dass hier erhebliche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen notwendig sind. Nichts anderes habe ich mit meiner Darstellung im Ausschuss getan.“ Er fürchte durch den Umbau erhebliche Störungen der Betriebsabläufe.

Becker erklärt im Brief: „Die erhobenen Behauptungen sind rufschädigend und geeignet, sowohl der Konrad-Adenauer-Stiftung als auch uns wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.“ Man sei aber daran interessiert, den Sachverhalt zu objektivieren und wieder auf eine sachlich-nüchterne Ebene zurückholen. Jobcenter und Immobilienfirma bieten beide der Politik an, sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation im Gebäude zu machen.

Bürgermeister Klaus Schumacher sieht – unabhängig von der Diskussion um die bauliche Situation, die aus seiner Sicht zwischen Eigentümer und Mieter geführt werden muss, – einen neuen Standort im Gewerbegebiet weiter kritisch. Die Erreichbarkeit werde dadurch deutlich eingeschränkt, so Schumacher. Die Stadt sei in Gesprächen mit dem Jobcenter, „um gegebenenfalls zentrumsnah eine geeignete Alternative zu finden“.

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